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Erstes Deutsches Schrottorchester probt in Gadebusch : Beethoven auf Schrottinstrumenten

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Männer und Frauen schleppen bunte, zerbeulte Blechfässer und ein Gestell aus Plastikbehältern in das Schützenhaus in Gadebusch. Damit beginnen die Proben einer Trommelgruppe der besonderen Art.

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erstellt am 16.Okt.2012 | 12:44 Uhr

Gadebusch | Einmal in der Woche spielt sich Seltsames im alten Schützenhaus in Gadebusch ab. Männer und Frauen schleppen bunte, zerbeulte Blechfässer und ein riesiges Gestell an dem große, runde Plastikbehälter hängen in das Gebäude. Auffällig sind vor allem die Drum sticks in den Händen dieser Menschen. Kurz nachdem dieses Schauspiel beendet ist, beginnen auch schon lautstarke Trommelrhythmen, die scheinbar in der ganzen Umgebung zu hören sind.

Was sich donnerstags im Schützenhaus abspielt, sind die Proben des "Ersten Deutschen Schrottorchesters". Dieses wurde vor etwa einem Jahr von Andreas Kruse innerhalb der Musikschule Pegasus e.V. gegründet und ist eine Trommelgruppe der besonderen Art. Anstatt auf herkömmlichen Instrumenten zu spielen, bedienen sich die Musiker alter Fässer aus Plastik und Blech. Von den Materialien leite sich auch der Name "Schrotttrommel" ab, sagt Kruse, der den Erwachsenenkurs auch unterrichtet.

Bis auf die ungewöhnlichen Instrumente unterscheidet sich dieser Unterricht jedoch nicht von anderen Musikkursen. Die Schüler spielen sich ein, es gibt einen Lehrer, der durch Vorspielen und Nachbessern das Instrument erklärt und auch Noten sind vorhanden. Die Klangkörper der Tonnen sind unterschiedlich beschaffen und so gibt es Bass-, Tenor- und Sopran-Trommeln. Bei den Bassfässern handelt es sich beispielsweise um drei Plastiktonnen, die an einer Konstruktion befestigt sind, die von Thomas Kröpelin, einem der Musikschüler, selbst angefertigt wurde. Sogar Auftritte des "Ersten Deutschen Schrottorchesters" gab es bereits. Sieben Mal zeigte die Trommlergruppe bisher der Öffentlichkeit ihr Können. Geplant sind dieses Jahr keine weiteren Auftritte, doch auch kurzfristig könne sich immer etwas ergeben, erklärt Andreas Kruse.

In der Probe werden von einfachen Trommelübungen bis zu schwierigen Sambarhythmen mit einer Wucht gespielt, die die Farbe der Fässer zum Bröckeln bringt. Eine Schrotttrommel, wurde beim vorigen Treffen von einem der Musiker regelrecht zerdroschen und sei nun wirklich schrottreif. "Manchmal hält eine Tonne nur einen Auftritt", sagt André Rickert. Das Trommeln sei für ihn vor allem eine Form des Stressabbaus. "Ich habe viele Stöcke zerschlagen. Aber mit der Zeit und einer eingeübten Technik ist es seltener vorgekommen", so André Rickert.

Die nächste große Aufgabe des Schrottorchesters wird es sein, ein Stück von Beethoven einzustudieren. So wird das Schrottorchester schon bald eine neue Interpretation von "Freude schöner Götterfunken" in ihr Repertoire aufnehmen. Mit den so genannten Boomwhackers soll die Melodie des Stückes entstehen. Dabei handelt es sich um unterschiedlich lange Kunststoffröhren, die harmonisch aufeinander abgestimmt sind und verschiedene Töne erzeugen, so bald darauf geschlagen wird.

Angefangen hatte der Kurs nur mit drei Teilnehmerinnen und auch jetzt ist die Mehrzahl der etwa zehn Teilnehmer weiblich. "Ein paar Männer könnten wir noch gebrauchen. Hier ist ein ganz schöner Frauenüberschuss", witzelt Andreas Kruse. Doch weitere Mitstreiter werden ernsthaft gesucht, die beim "Ersten Deutschen Schrottorchester" mittrommeln wollen. Die Proben finden jeden Donnerstag von 19 bis 21 Uhr statt. Interessenten ab 16 Jahren können sich unter der Telefonnummer 03886-71 20 96 informieren.

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