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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

17. Oktober 2017 | 06:02 Uhr

Gadebusch : Bauernstreit landet vor Gericht

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Angeklagter aus Gadebusch belastet sich selbst / Verhandlung wird an einem weiteren Tag fortgesetzt

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 00:00 Uhr

Insgeheim hatten Richter und Staatsanwaltschaft im Grevesmühlener Amtsgericht wohl schon über die Höhe der Strafe für den 79-jährigen angeklagten Gadebuscher Landwirt nachgedacht. Denn der schoss sich kurz vor dem Ende der Verhandlung regelrecht ein Eigentor. Mit einem einzigen unüberlegten Satz belastete sich Friedrich R. nach gut 90 Minuten Verhandlung eher unabsichtlich selbst und stand fast vor einer Verurteilung. Doch nach einer kurzen Beratung zwischen Anwalt und dem 79-Jährigen wurde die Verhandlung wieder spannend, aber aufgrund neuer Erkenntnisse gleichzeitig auch vertagt.

Friedrich R. ist seit Jahrzehnten ein selbstständiger Landwirt in Gadebusch. Nachdem der 79-Jährige vor fast 15 Jahren in Rente ging, kümmert sich auch Sohn Wilfried um die jährliche Bestellung der Felder und die Ernte. Friedrich R. macht seine Arbeit aber Spaß und so ist er auch heute noch dabei, auf kleinen Flächen in der Radegaststadt Ackerbau zu betreiben – wie vor Jahrzehnten mit Pferden und uralter Technik. Das tat Friedrich R. auch im vergangenen Herbst und erntete dabei seiner Meinung nach Hafer auf einem von ihm bestellten Acker. Der Gadebuscher Landwirt Hans-Jürgen M. (54), zur Verhandlung als Zeuge geladen, sah das anders. Denn seiner Meinung nach hatte er selbst den Acker bestellt, da die 6500 Quadratmeter große Fläche dieses Ackers ihm gehöre. Unstrittig war lediglich, dass der Acker vom 79-Jährigen abgeerntet wurde. Streitpunkt: Es liegen mindestens zwei einzelne Ackerflächen nebeneinander, die keine Grenzpunkte mehr haben, bis vor zwei Jahren lediglich durch etwa 20 Meter Hecke und einen Zaun getrennt wurden. Wem die Flächen gehören und wer sie wirklich bestellt hat, bleibt vorerst ungeklärt. Denn auch der Katasterauszug und Fotos gaben keinen Aufschluss darüber, wo die Grenze der Felder verläuft und wer bis wo die Flächen bestellen darf. „Ich habe den Acker bestellt, Herr M. hat das dann weggeblasen und neu gesät“, behauptet der Ruheständler. Eine Grenze war spätestens mit der Abholzung der Hecke nicht mehr zu erkennen, sagte Friedrich R.

Dann allerdings wendete sich das Blatt gegen Ende der Verhandlung. „Die Wurzeln (der Hecke, Anm. der Red.) sind doch heute noch zu sehen“, entwich es dem Rentner plötzlich. Staatsanwältin, Anwalt und Richter sahen sich fragend an und unterbrachen die Verhandlung, damit sich der Angeklagte nun unter vier Augen mit seinem Mandanten beraten konnte, denn scheinbar gab es nun doch eine R. bekannte Grenze. Auch nach der Unterbrechung kam kein Licht ins Dunkel, denn der Angeklagte erzählte nun von einem anderen Acker, den er bestellt und abgeerntet hätte. Da dazu erneut die Aussage von Hans-Jürgen M. benötigt wird, muss die Verhandlung in eine neue Runde gehen.


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