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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

20. Oktober 2017 | 20:16 Uhr

Greening : Bauern verzweifeln an EU-Auflage

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Von 2015 an sollen Landwirte fünf Prozent ihrer Felder als ökologische Vorrangfläche ausweisen. Es hagelt Kritik von Kreisbauernverband

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erstellt am 06.Jun.2014 | 00:00 Uhr

Den Landwirten läuft die Zeit davon: Vom 1. Januar 2015 an sind sie laut EU-Agrarreform dazu verpflichtet, fünf Prozent ihrer Ackerfläche als ökologische Vorrangflächen auszuweisen. Diese so genannten Greening-Flächen müssen damit, so viel steht fest, aus der Produktion genommen werden – mit schwerwiegenden Verlusten für die Landwirte. „Die Emotionen kochen“, sagt Jörg Haase, Präsident des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg, nicht zuletzt, weil die Landwirte bis heute nicht wissen, welche Saat sie auf welcher Fläche für das kommende Jahr planen, einkaufen und anbauen können.

Antworten erhoffen sich der Kreisbauernverband und die Landwirte vom 22. Agrarpolitischen Tag, der am Freitag, 13. Juni, in Malchow auf Poel stattfindet. Bewusst hat der Kreisbauernverband mit Dr. Robert Kloos, Staatssekretär des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, und Landwirtschaftsminister Till Backhaus Vertreter von Bund und Land eingeladen. „Wir möchten den Agrarpolitischen Tag nutzen, um deutlich Einspruch dagegen zu erheben, dass die Landwirte so massiv unterdrückt werden“, macht Haase deutlich.

Die Forderungen des Kreisbauernverbands: Mehr Flexibilität beim Greening in der Hochertragsregion Nordwestmecklenburg und attraktive Förderungen für ökologische Maßnahmen. „Es gibt Regionen, die so etwas dankend angenommen hätten. Aber hier stößt es auf wenig Akzeptanz“, so Petra Böttcher, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands.

Denn die neue EU-Richtlinie wird im Landkreis greifbare Einschnitte zur Folge haben: „Allein in Nordwestmecklenburg beträgt die Greening-Fläche rund 7200 Hektar“, verdeutlicht Böttcher, etwa 50 Arbeitsplätze würden vernichtet. Böttcher rechnet weiter: „Auf 7200 Hektar wachsen im Durchschnitt zirca 36000 Tonnen Früchte. Das sind 1440 Lkw-Ladungen, die nicht transportiert werden müssen. Das sind zehn Mähdrescher, die allein in unserem Landkreis weniger gewartet und verkauft werden müssen.“

Und der Kreisbauernverband befürchtet weitere Folgen: Das Fehlen von Nahrungsmitteln und daraus resultierend die Notwendigkeit des Imports aus anderen Ländern; die Unattraktivität ungepflegt wirkender, nicht bestellter Ackerflächen für den Tourismus in einem Land, dass, so Haaase, „mit seinen tollen Rapsfeldern wirbt“; und nicht zuletzt die Veränderung einer in Jahrtausenden entstandenen Kulturlandschaft und dadurch der Verlust von Tier- und Pflanzenarten. „Wenn rund um die Kulturpflanzen Unkraut oder Beipflanzen wachsen, ist damit zu rechnen, dass diese sich so dermaßen vermehren, dass auch mehr gespritzt werden muss“, fügt Petra Böttcher hinzu.

Für die Landwirte – ausgenommen vom Greening sind lediglich ökologische Betriebe und Betriebe mit weniger als 27 Hektar Land – bedeutet die neue Regelung ganz konkret vor allem eines: Dass sie sich entscheiden müssen, wie sie die ökologische Vorrangfläche künftig bewirtschaften. Denn wer sich nicht beteiligt, muss mit dreißig Prozent weniger Geld aus den Fördertöpfen der EU rechnen.

„Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, das Land stillzulegen, es kann aber auch mit Zwischenfrüchten oder Leguminosen – Eiweißpflanzen – bepflanzt werden“, erläutert Petra Böttcher die Alternativen. Der Verband befürwortet den Anbau von Leguminose als Greening. „Wir hätten eine eigene Eiweißpflanze und müssten weniger Soja importieren.“ Allerdings müsste die Leguminose auf der Greening-Fläche gedüngt werden. „Dafür hat die Politik kürzlich ihr Einverständnis gegeben“, so Haase. Nach der Ernte am Ende des Sommers jedenfalls müssen die Landwirte wissen, wie sie das kommende Jahr planen können. „Wir erwarten hierzu beim Agrarpolitischen Tag ganz konkrete Aussagen“, so Haase.

 

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