Kreis Nordwestmecklenburg : Bauboom in Gewerbegebieten

In Rehna werden zum Beispiel Bauteile für Roboter und für die Bahn- und Luftfahrtindustrie hergestellt. PMC-Firmenchef Frank Jaeckel (l.). zeigt Interessierten den Prozess.Michael Schmidt (2)
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In Rehna werden zum Beispiel Bauteile für Roboter und für die Bahn- und Luftfahrtindustrie hergestellt. PMC-Firmenchef Frank Jaeckel (l.). zeigt Interessierten den Prozess.Michael Schmidt (2)

In Nordwestmecklenburg schlägt das industrielle Herz MVs. In Rehna zum Beispiel sind 20 Hektar Gewerbeflächen komplett vergeben. Auch die Großwäscherei Servitex investiert drei Millionen Euro am Standort Lüdersdorf.

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05. Januar 2013, 01:48 Uhr

Rehna/Lüdersdorf | Mecklenburg-Vorpommern ein Wirtschaftsland? Lange Jahre wurde das belächelt. Aber, die Gewerbegebiete entwickeln sich - zumindest die, die günstig liegen. Zum Beispiel an den Landesgrenzen zu Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Ganz weit vorne: der Kreis Nordwestmecklenburg. Auf Platz zwei der umsatzstärksten Regionen im Land liegt Ludwigslust-Parchim, gefolgt von der Stadt Rostock.

In Nordwestmecklenburg schlägt das industrielle Herz Mecklenburg-Vorpommerns - sagt das Statistische Landesamt. In keinem anderen Kreis wurde im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres so viel erwirtschaftet wie hier: knapp 1,2 Milliarden Euro waren es. In Rehna zum Beispiel sind die 20 Hektar Gewerbeflächen komplett vergeben. "Wir mussten sogar noch 8,5 Hektar dazu kaufen", sagt Bürgermeister Hans Jochen Oldenburg (parteilos). Die sollen demnächst erschlossen werden. In Selmsdorf sind ebenfalls alle Flächen im Gewerbegebiet belegt. 60 Betriebe haben sich dort angesiedelt. Auch im Upahler Gewerbegebiet boomt es. Dennoch: Die Gemeinde kann noch Bauland vergeben. "Zwei oder drei größere und fünf kleinere Betriebe hätten noch Platz", so Bürgermeister Ekkehard Schneider (parteilos).

Hansano, heute Arla Food, ist in Uphal mit 500 Angestellten der größte Arbeitgeber. Doch nicht nur Milchprodukte werden hier wie am Fließband ein - und ausgefahren. Schiffsteile, Treppen, Kaffee, Baustoffe, Reifen - große, internationale Konzerne siedeln sich seit 1992 in Uphal ununterbrochen an. Demnächst eröffnet Krone Landmaschinentechnik.

In Rehna werden zum Beispiel Bauteile für Roboter und für die Bahn- und Luftfahrtindustrie hergestellt. ICE Züge und U-Bahnen in Berlin und Hamburg fahren mit Teilen des Unternehmens PMC. Fachkräftemangel kennt Firmenchef Frank Jaeckel nicht, für ihn war vor ein paar Jahren klar: er will nach Nordwestmecklenburg. "Sie finden hier hervorragende Mitarbeiter. Sie finden hier eine öffentliche Verwaltung, vom Ministerium bis runter zur Gemeinde, die Unternehmer Willkommen heißt und sie aktiv unterstützt." Seine 15 Mitarbeiter kommen hauptsächlich aus der Umgebung, aber auch aus dem Lübecker Raum. Knapp die Hälfte des Materials für PMC kommt aus anderen Gewerbegebieten im Kreis Nordwestmecklenburg, wie Dassow, Carlow, Upahl und auch Rehna.

Was alle Gewerbegebiete im Kreis vereint: die Wirtschaftsvermittlerin Christiane Lösel. Sie arbeitet für den Landkreis und hilft Unternehmern bei der Standortsuche, treibt Baugenehmigungen voran und vermittelt Ansprechpartner. "Es ist für die Unternehmer sehr wichtig, dass so ein Prozess schneller geht. Woanders dauert es zwei Jahre und wir haben es schon im Landkreis hinbekommen, dass ein Genehmigungsprozess unter zwei Monaten erfolgt ist." Damit meint die Wirtschaftsentwicklerin einen Betrieb in Selmsdorf. Dieser brauchte so schnell wie möglich einen neuen Standort, weil ihm in Lübeck gekündigt wurde. "Das Einrichtungshaus IKEA habe einige kleinere Betriebe aus einem Lübecker Gewerbegebiet verdrängt", so der Chef, "daher mussten wir uns schnell nach einer Alternative umschauen." Das Gute für ihn: er kann sogar seine Lübecker Telefonnummer behalten, auch wenn der Betrieb in Selmsdorf steht. "Darauf würden viele Unternehmer Wert legen", sagt Selmsdorf Bürgermeister Detlef Hitzigrat (parteilos).

Warum aber geht es den Gewerbegebieten im äußersten Nordwesten des Landes so gut? Ein Grund: die niedrigen Grundstückspreise. In Selmsdorf zahlen Unternehmer etwa die Hälfte weniger für Bauland als in Lübeck. Aber auch die Anbindungen sind optimal: die A 20, die Metropolregion Hamburg und Häfen in Lübeck und Wismar: alles nur ein Katzensprung entfernt.

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