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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. November 2017 | 05:04 Uhr

Pokrent : Balken von 1195 sorgt für Halt

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Im Dach des Pokrenter Gotteshauses befindet sich das älteste Holz, das bisher in einer Mecklenburger Dorfkirche gefunden wurde

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2014 | 23:45 Uhr

Seit mehr als sechs Jahrhunderten hat er eine tragende Rolle in der Kirche von Pokrent: ein sieben Meter langer Eichenbalken in der Dachkonstruktion über dem Chor. Der Balken selbst ist allerdings noch viel älter. Wie eine wissenschaftliche Untersuchung ergab, stammt er etwa aus dem Jahr 1195 und leistete vermutlich bereits im hölzernen Vorgängerbau der jetzigen Backsteinkirche gute Dienste. „Damit ist der Balken von Pokrent der älteste Holzbalken, der bisher in einer Mecklenburger Dorfkirche entdeckt wurde“, sagt der Bauforscher Ralf Gesatzky. Eine kleine Sensation.

Bei Arbeiten im Dachstuhl habe ein aufmerksamer Zimmermann vor einiger Zeit den alten Balken entdeckt, berichtet Gesatzky, der lange Jahre in der Bauabteilung des Oberkirchenrats gearbeitet hat und bis zu seiner Pensionierung Referent bei der Nordkirche war. „Wir haben dann eine Probe vom Balken genommen und im Deutschen Archäologischen Institut in Berlin untersuchen lassen.“ Das Ergebnis der Altersbestimmung anhand der Jahresringe sei auch für ihn verblüffend gewesen, so der Experte.

Pastor Michael Blumenschein, seit 28 Jahren in Pokrent tätig, ist schon ein bisschen stolz auf seinen alten Balken. Im Ratzeburger Zehntregister sei 1234 erstmals eine Kirche in Pokrent urkundlich erwähnt“, erklärt Blumenschein. „Durch die dendrochronologische Analyse des Balkens wissen wir, dass es schon eher eine Kirche im Ort gegeben haben muss.“ Dabei sei der Balken durchaus aufwändig gestaltet, jedenfalls von einer Seite, habe wahrscheinlich als Verzierung gedient, so Blumenschein.

Und wie kam der alte Balken nun in die zwischen 1391 und 1407 erbaute Backsteinkirche von Pokrent? Vermutlich habe man es mit einer frühen Form von Recycling zu tun, sagt Ralf Gesatzky. „Der Balken aus der ursprünglichen Holzkirche war wohl noch so gut erhalten, dass sich die Baumeister der neuen Kirche entschieden, ihn weiter zu verwenden.“ Und der heutige Zustand des Balkens gäbe ihnen Recht: „Deutsche Eiche ist eben haltbar“, betont Gesatzky. Nach seinen Angaben haben die Pokrenter nun zwar den ältesten Balken, die älteste erhaltene Dorfkirche in Mecklenburg befinde sich aber in Lübow bei Wismar.

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