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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

16. Dezember 2017 | 11:55 Uhr

Rehna : Bakterien gefährden die Alleen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Straßenbauamt lässt Bäume in Westmecklenburg prüfen. Fällungen von Kastanien an der B 104 bei Rehna

von
erstellt am 19.Feb.2015 | 00:00 Uhr

Kahlschlag an der Bundesstraße 104? Ganz so dramatisch wird es vermutlich nicht werden. Aber Entlang der Hauptverkehrsader werden im Auftrag des Straßenbauamtes Schwerin so einige Kastanien gefällt, womit der Alleenstatus Schaden nehmen könnte. Auslöser der Fällaktion sind vermutlich Bakterien und Pilze, die die Bäume schwächen.

Einen möglichen Kahlschlag befürchtet jedenfalls die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit Sitz in Bonn. Maike Wanders, Referentin für Wald und Forstpolitik ist im Fall Rehna jedenfalls alarmiert: „Nach Aussagen von Bürgern wurden bisher zehn Bäume gefällt und weitere markiert.“

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald setzt sich für den Erhalt der letzten großen Alleen in Deutschland ein. Dazu gehört aus Sicht des Bundesverbandes die markante Zufahrt von Schönberg in die Stadt Rehna. „Wir haben mit der Stadt Rehna sowie dem Landkreis Kontakt aufgenommen und warten auf eine Stellungnahme“, so Wanders.

Rehnas Bürgermeister Hans Jochen Oldenburg bestätigte auf Anfrage der SVZ den Eingang des Schreibens und verwies gleichzeitig auf die Zuständigkeit des Straßenbauamtes in Schwerin. Der dortige Sachgebietsleiter Guido Wunrau bestätigte gegenüber der SVZ die Maßnahmen: „Grundsätzlich werden Bäume gefällt, wenn die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet werden kann.“ Im Fall von Rehna gebe es Untersuchungen, die auf einen Befall mit Bakterien (Pseudomonas) sowie von Pilzen (Austernsaitling und Samtfußrübling) hinweisen. „Das betrifft die Rosskastanien. Aktuell läuft die sofortige Regelkontrolle auf Pilzbefall durch unsere Baumsachverständigen in den sieben Meistereien zwischen Plau und Dassow. Die Fruchtkörper werden im Winter ausgebildet und sind nur jetzt erkennbar“, so Wunrau.

Das beinhaltet neben Kontrollen an der B 104 auch die Überprüfung des Baumbestandes entlang der B 208 zwischen Landesgrenze und Wismar. Wird eine Schädigung nachgewiesen, bleibe nur die Havariefällung, da der aggressive Pilz die Standfestigkeit beeinträchtigt und die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, so der Sachgebietsleiter.

Bei allem Verständnis für die Problematik fordert die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, keine übereilten Entscheidungen zu treffen. Maike Wanders: „Äste lassen sich abnehmen, der Stamm und folglich der Alleecharakter bleibt erhalten, aber vor allem auch der Lebensraum für unterschiedliche Tierarten.“ Man habe Verständnis, was die Verkehrssicherungspflicht angehe. „Gern vermitteln wir zur Begutachtung der Bäume unsere Fachleute“, sagt Wanders gegenüber der SVZ. Ziel müsse der Erhalt der für Deutschland so markanten Alleen bleiben.

Ein fester Bestandteil sind Aufforstungen, die nach Angaben von Guido Wunrau allerdings an rechtliche Vorgaben gekoppelt sind. „Der Ausgleich ist eine wesentliche Vorgabe. Der beinhaltet Neuanpflanzungen als auch zweckgebundene Einzahlungen in den Alleenfond. Dennoch ist es grundsätzlich eine Entscheidung von Fall zu Fall.“ Grund: Die teils mehr als 100-jährigen Bäume stehen im Gefährdungsraum des Straßennetzes. Im Fall von Ausgleichsmaßnahmen ergibt sich für Wunrau daraus die Notwendigkeit, über einen größeren Abstand zur Straße nachzudenken. Das wiederum hat nicht selten zeitaufwendige Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern zur Folge.

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