Bahnhof Lübstorf: Signale auf Grün

Einigung mit Landrätin auf gemeinsamen Fahrplan für Denkmalsanierung

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04. Februar 2019, 07:37 Uhr

Tino Schauer erklimmt in Schlips und Anzug die Leiter, setzt den Kuhfuß an und das Plakat gleitet zu Boden. Ein Zug fährt in diesem Moment am Bahnhof Lübstorf vorbei, der einmal als Bahnhof Wiligrad für den Herzog von Mecklenburg gebaut wurde. Die Vorbeifahrenden sehen ein zunehmend verfallendes Denkmal, das Besitzer Tino Schauer mit viel Energie, Geld und Herzblut sanieren möchte.

Doch Ende vergangenen Jahres verzweifelte er an der Bürokratie – es ging um die Versagung des Einbaus von für rund 15 000 Euro denkmalgerecht hergestellte Fenster wegen des Streits um die Farbnuancen Braunrot oder Rotbraun (SVZ berichtete). Tino Schauer wusste sich nur noch mit der Anbringung des Plakats mit der Aufschrift „Hier verhindert der Landkreis die Sanierung eines Denkmals. Landrätin Kerstin Weiss sprachlos“ zu helfen. Das Plakat erregte die Gemüter. Das Gemüt der Landrätin besonders, sie versuchte Tino Schauer zu erreichen – doch vergeblich. Lübstorfs Bürgermeister Michael Gränig wollte, dass Schauer das Plakat abnimmt. „Ich habe aber sehr viel positives Feedback bekommen“, so der verhinderte Denkmalschützer, der hauptberuflich als Offizier der Bundeswehr arbeitet und Jura studiert hat.

Die streitenden Seiten verhärteten sich. Die Landrätin wollte für ihre Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde ein Treffen vor Ort erreichen, zur Begutachtung von Fenstern und Farbton. Schauer sah keinen Sinn für ein neues Treffen. Er pochte darauf, zuvor müsse die Landrätin auf sein Verzweiflungsschreiben vom Oktober antworten. Ansonsten sei alles gesagt, alle Anträge gestellt, genug vor Ort miteinander geredet worden.

„Warum soll ich mir die Genehmigung für eine Genehmigung erteilen lassen? Eigentlich wurde mir die Sanierung mit Auflagen erteilt“, fragte er bei dem Treffen mit Kerstin Weiss und Fachdienstleiter Peter Hamouz, das jetzt auf Vermittlung der SVZ in Wismar zustande kam. Einige Tage zuvor war dem 30-Jährigen ein „ordnungsrechtliches Vorgehen“ vom Fachdienstleiter angedroht worden, weil für das Plakats am Bahnhof eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich sei.

Bei dem Treffen ging es lange zwischen Peter Hamouz und Tino Schauer nicht voran. Doch die Landrätin – selbst Bewohnerin eines Denkmals – wies Peter Hamouz auf seinen Ermessensspielraum hin und ließ erkennen, dass sie die Hindernisse für die Sanierung des Bahnhofs aus der Welt schaffen möchte. Sicher auch, weil Tino Schauer sich als kompetenter Denkmalschützer zeigte. „Ich beschäftige mich seit drei Jahren mit diesem Bahnhof. Ich kenne mich damit besser aus als Sie“, hielt er Peter Hamouz entgegen, der für die Baubehörde, die Untere Denkmalschutz-, Naturschutz- und Wasserbehörde in Nordwestmecklenburg zuständig ist. Letztlich einigten sich die Protagonisten auf eine wohlwollende Begutachtung der Fenster vor Ort in den nächsten 14 Tagen und eine engere Zusammenarbeit bei der weiteren Sanierung.

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