zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

17. Oktober 2017 | 20:52 Uhr

Badower Künstler stellt in Mailand aus

vom

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2010 | 06:03 Uhr

Badow / Schwerin | Egal wo Nando Kallweit gerade unterwegs ist, immer umweht den Künstler ein Hauch von Holz. Seine Hände sind meist dreckig von der Arbeit mit dem natürlichen Material. Und Kettensägen sind oft auch nicht weit. Am vergangenen Wochenende eröffnete der Holzbildhauer eine neue Ausstellung im Schweriner Kunst-Wasser-Werk. Seit Mai hat der Künstler aus Badow hier ein zweites künstlerisches Zuhause gefunden. Sein Atelier im ehemaligen Industriegebäude besteht aus zwei Räumen. Die Decken sind etwa vier Meter hoch, große Schiebetore in leuchtendem Rot bilden den Eingang. Genug Platz für Kallweits große Skulpturen. "Im Badower Atelier fehlt mir dieser Platz manchmal", sagt Kallweit. Zusammen mit anderen Künstlern hat er die denkmalgeschützten Räumlichkeiten von den Schweriner Stadtwerken angemietet.

Aktuell sind acht Künstler im Kunst-Wasser-Werk beheimatet: Photographen, Graphiker, Bildhauer und Maler. Auch das Aufeinandertreffen mit anderen Kreativen schätzt Kallweit. "Es bedeutet für mich Inspiration und Gedankenaustausch", sagt der Badower. Auch über Besucher freut sich Nando Kallweit. "Hier ist sozusagen ständig Kunst offen", sagt er und lacht. Er freue sich immer über interessierte Besucher und Kunstliebhaber. "Oft bringen die Leute Ideen mit, für die ich dankbar bin", so Kallweit.

Skulpturen und Gänsehaut im Keller des Ateliers

Auch Kellerräume hat sein Atelier. Tageslicht fällt kaum hinein. Ein paar bunte Neonröhren werfen ihr kaltes Licht auf die backsteinernen Wände und tauchen die Skulpturen in blaues, rotes und grünes Licht. "Als ich zum ersten Mal hier unten war, fand ich es ganz schön gruselig", erinnert sich Kallweit. Der 1,90-Meter-Mann muss an einigen Stellen der Ausstellung den Kopf einziehen, um nicht gegen die Deckenbalken zu stoßen. Aber gerade den Schauerfaktor fand er ideal und spannend für eine Ausstellung. In einer Stahltür befindet sich ein Loch, gerade groß genug, um den Kopf hindurchzustecken. Im Raum steht eine weiße Skulptur. Eine Kamera nimmt den Kopf des Betrachters auf, ein Beamer projeziert das Bild auf die Skulptur. "Es ist so, als würde der Besucher in den Spiegel schauen, wenn er sich die Skulptur anschaut", erklärt Kallweit. Er verbindet in seiner Ausstellung so moderne und traditionelle Kunst.

Die Schau im Kunst-Wasser-Werk ist noch bis Mitte September zu sehen, dienstags bis samstags jeweils von 15 bis 19 Uhr. Nach der Ausstellung in der Heimat macht Nando Kallweit eine Reise der ganz besonderen Art. Der 38-Jährige reist mit einem Anhänger voller Skulpturen nach Mailand. In der norditalienischen Metropole wird er eine Woche lang ein Bildhauer-Seminar leiten. Elf Teilnehmer haben sich angemeldet. Eine Woche lang werden sie jeden Tag vom Holz-Kenner und -Künstler lernen.

Zu der Idee, ein Seminar in Italien zu geben, kam es, nachdem Kallweit Ende vergangenen Jahres auf der Kunsthandwerks-Messe "L´Artigiano in Fiera" in Mailand ausgestellt hatte. Von der Messe erfuhr Kallweit über die Handwerkskammer und schnell wuchs die Idee, selbst an der Messe teilzunehmen. Denn der Künstler liebt sowohl Italien als auch die italienische Lebensart. Auch etwas Italienisch spricht der Mecklenburger. "Es ist gerade für mich als Künstler wichtig, über den Tellerrand hinauszuschauen - auch über den nationalen", sagt Kallweit. Neben zwei Skulpturen wird er auch ein Fass Bier mit nach Italien nehmen. "Die Italiener lieben das Vielanker Bier", weiß Kallweit.

Nach dem Seminar stellen Kallweit und seine Schüler in Carugate aus, einer 14 000-Einwohner-Gemeinde in der Provinz Mailand. Die Ausstellung findet im öffentlichen Raum statt. "Wohnumfeldverbesserung nennt sich so etwas in Deutschland - in Italien heißt das wahrscheinlich anders", sagt Kallweit und lacht. Aber auch wenn die Sprache eine andere ist, eines nimmt Kallweit ganz sicher mit nach Italien: den Holz-Geruch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen