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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. November 2017 | 00:27 Uhr

Handwerk : Backstube mit Tradition

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Generationswechsel: Bäckermeister Andreas Klug übernimmt elterlichen Betrieb in Gadebusch. Bäckerei seit 1883 in Familienhand

von
erstellt am 03.Jan.2015 | 05:45 Uhr

Generationswechsel: Im Haus des Meisterbetriebes Klugs Backstube ist die Übergabe des Staffelstabes in Form eines Brotschiebers zum Jahreswechsel 2015 erfolgt. „Mit 65 Jahren ist es an der Zeit, den Betrieb in jüngere Hände zu geben“, sagt Hans Ulrich Klug und schaut seinen Sohn Andreas mit einem Lächeln an. Seit 27 Jahren arbeiten Vater und Sohn gemeinsam unter dem Dach des elterlichen Betriebes. Mit der Firmenübergabe bleibt die Bäckerei ihrer Tradition verpflichtet, werden Brot und Brötchen weiterhin nach alter Handwerkskunst gefertigt.

Bis ins Jahr 1883 gehen die Wurzeln der Klugs im Bäckereihandwerk zurück. Der Urgroßvater Albert Klug übernahm damals in Regenwalde (Hinterpommern) eine örtliche Backstube. Später führte der Weg nach Grevesmühlen. „In den 1960er-Jahren wurde aus dem Familienunternehmen die „PGH Frühauf‘ in Grevesmühlen bis wir 1985 die Bäckerei Balck in Gadebusch übernahmen“, erinnert sich Hans Ulrich Klug.

Brot- und Konditorwaren werden seither wieder unter dem Namen der Familie gebacken. Heute produzieren Klugs mit 23 Angestellten Brot, Brötchen und Kuchen für vier Verkaufsstellen zwischen Rehna, Gadebusch und Lützow. Hinzu kommt der Verkauf im Bäckereimobil auf dem Lande.

Bäcker sein, das sei ein arbeitsreiches Leben, meint Hans Ulrich Klug, der bereits 1994 sein 25-jähriges Meisterjubiläum feierte. Sohn Andreas absolvierte im gleichen Jahr seinen Meisterabschluss.

Vater und Sohn haben sich seit ihren Jugendjahren an das nächtliche Arbeiten gewöhnt. Das bringe der Beruf mit sich, meint Hans Ulrich Klug. Nur die Zeit, die sei hektischer geworden. „1964 begann ich meine Lehre. Damals ging das Licht um 3 Uhr in der Früh in der Backstube an. Erst kamen Brötchen und Weißbrot in den Ofen, dann das Schwarzbrot“, sagt Altmeister Klug. Heute beginnen die Vorbereitungen um 22 Uhr am Vortag, damit zur Ladenöffnungszeit die Kunden über das komplette Sortiment verfügen.

Erschwerend sei die steigende Bürokratie, die die Arbeit für Familienunternehmen und Mittelständler kompliziert gestalte. Gesetzliche Vorschriften verlangen sowohl das Führen von Statistiken, als auch die genaue Ausschilderung von Inhaltsstoffen bei produzierten Backwaren, obwohl der Familienbetrieb seit Jahren unter einem geprüften Bio-Siegel produziert.

Einfacher werde es nicht, meint Andreas Klug. Mit seiner Lehre stieg er 1988 in den Familienbetrieb ein und wird sich den neuen Herausforderungen stellen: „Wenn wir als Handwerksbetrieb eine Zukunft haben, dann nur mit Waren, die nicht aus der Tüte kommen.“ Fertigmischungen lehnt er ab. Echte Handwerksarbeit und Geschmacksvielfalt seien ein Garant für das Fortbestehen der Handwerksbetriebe. Nicht zuletzt reagiere das Handwerk auf die Anforderungen der Kunden. „Wir beraten und sprechen mit den Menschen und setzen auch auf laktose- und backmittelfreie Waren“, sagt der 65-Jährige.

Dass der Gadebuscher Familienbetrieb sich längst in den Bioland Verband einreihte, danken die Kunden. Einmal im Monat geht es auf den Schaalsee-Markt nach Zarrentin, wöchentlich nach Lübeck und Mölln. „Klar, unser Radius wird größer, aber wir müssen zum Kunden“, so der Firmeninhaber. Ein persönliches Engagement, mit dem das Handwerk gegenüber einem von den Supermärkten verschärften Kampf um den Markt bestehen will. Andreas Klug: „Die Preisschlacht der Discounter geht weiter. Vielfalt und Arbeitsplätze bleiben dabei auf der Strecke.“ Nicht zuletzt der wirkliche Wert der Lebensmittel. Für den neuen Chef des Familienbetriebes heißt die Strategie „auf Qualität setzen“. Ein Weg, der nur im Team funktioniere, fügt sein Vater Hans Ulrich hinzu: „Wir können uns auf unsere Leute verlassen. Das ist wichtig in der heutigen Zeit.“ Zahlreiche Stammkunden honorieren seit Jahrzehnten diese Arbeit. „Eine Treue, für die wir uns bedanken“, sagen Hans Ulrich und Andreas Klug.

 

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