Wie geht es weiter in Gadebusch und Rehna : Aus für die Tafeln scheint besiegelt

Martin Greiner ist Geschäftsführer des Jobcenters Nordwestmecklenburg.
Martin Greiner ist Geschäftsführer des Jobcenters Nordwestmecklenburg.

Jobcenter-Chef Martin Greiner appelliert an Solidargemeinschaft, um die Ausgabestellen zu retten

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31. Januar 2018, 04:45 Uhr

Das drohende Aus für die Kleider- sowie die Möbelbörse Gadebusch ist abgewendet. Doch wie steht es um die Ausgabestellen der Tafel Schwerin e.V. in Gadebusch und Rehna? Hier wird mit vier vom Jobcenter finanzierten Ein-Euro-Jobbern gearbeitet. Die Finanzierung läuft allerdings im März aus. SVZ-Redakteur Holger Glaner befragt Martin Greiner, den Geschäftsführer des Jobcenters Nordwestmecklenburg, zur Zukunft dieser Arbeitsgelegenheiten (AGH-Stellen).

Wie ist es um die Ein-Euro-Jobber bestellt, die in den Tafel-Ausgabestellen Gadebusch und Rehna beschäftigt sind?
Martin Greiner: Nicht gut. Im Geschäftsbereich unseres Jobcenters waren wir in der Vergangenheit immer darauf bedacht, ein großes Angebot an Arbeitsgelegenheiten, so genannte Ein-Euro-Plätze, bereit zu halten. Aber nun fallen uns die um etwa 20 Prozent gekürzte Haushaltsmittel auf die Füße. Wir stehen vor der Entscheidung, Geld in Maßnahmen zur Arbeitsaufnahme oder aber in Sozialmaßnahmen wie die Finanzierung von Ein-Euro-Jobs zu stecken. Das ist eine schwierige Entscheidung.

Konkret bedeutet das für die besagten vier Tafel-Stellen was?
So leid uns das tut, aber wir werden diese ab April nicht mehr weiter finanzieren können.
170 Haushalte der Region mit durchschnittlich drei Personen sind auf die Versorgung durch die Tafel angewiesen. Wie soll es nun weitergehen?
Ich appelliere hier an die Solidargemeinschaft: Jeder, in diesem konkreten Fall insbesondere aber auch die Nutzer von Einrichtungen wie der Tafel, sollte sich hinterfragen, wie er sich in so ein Projekt gegebenenfalls ehrenamtlich einbringen kann. Die Frage ist: Wieviel bin ich selbst bereit zu tun, wie kann ich mich engagieren? Aus meiner Sicht halte ich eine ehrenamtliche Tätigkeit auch für eine Beschäftigung als sinnvoll. Soziales Engagement wird von vielen Arbeitgebern anerkannt und geschätzt.

Das Ehrenamt soll es also mal wieder richten? Das kann doch nicht die Lösung sein.
Im Rahmen eines Gespräches mit der Landrätin – sie ist zugleich Vorsitzende der Trägerversammlung des Jobcenters Nordwestmecklenburg – haben wir das Für und Wider intensiv diskutiert, standen aber vor der Wahl zwischen der Weiterführung der Kleider- und Möbelbörsen oder den Tafeln. Wir sahen hier, auch im Hinblick auf über Ehrenamt funktionierende Tafeln wie beispielsweise in Wismar und den Schwierigkeiten bei der Suche geeigneter Kräfte, keine andere Möglichkeit. Eine Besetzung der Stellen scheitert inzwischen auch an den Voraussetzungen. Bei den Tafeln sind beispielsweise Fahrer mit in der Regel mindestens Führerschein Klasse 3 erforderlich. Kunden des Jobcenters, die diesen Führerschein haben, können im Moment gut in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden, so dass entsprechende AGH-Stellen nicht besetzt werden könnten.

Letzter Ausweg für die Tafeln Gadebusch und Rehna ist also der Weg in die Ehrenamtlichkeit?
Ja. Eine dauerhafte ehrenamtliche Struktur bei der Tafel wäre dabei aus meiner Sicht vielleicht sogar verlässlicher, als immer wieder vom Wohl oder Unwohl der Mittelzuteilungen des Bundes an die Jobcenter abhängig zu sein.

Wo liegt hier die Problematik?
Wir haben einfach keine Verlässlichkeit bei der Verteilung der Mittel. Im vergangenen Jahr hatten wir 7,2 Millionen Euro zur Verfügung, für dieses Jahr voraussichtlich nur 4,4 Millionen. Und dieser Betrag, mit dem wir jetzt arbeiten müssen, ist lediglich ein Orientierungswert. Ob diese Gelder nach einer Regierungsbildung auch in der Höhe zugeteilt werden, wissen wir noch gar nicht. So einen deutlichen Rückgang der Finanzen halte ich – auch mit Blick auf die günstige und aufnahmefähige arbeitsmarktliche Situation – für äußerst kontraproduktiv. Klar ist: Mit mehr Geld könnten wir auch mehr erreichen.

 

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