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Flüchtlinge in NWM : Aus der Provinz in die Großstadt

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Gut 250 Asylbewerber drücken aktuell im Nordwesten die Schulbank und büffeln deutsch. Doch viele zieht es schnell weiter.

svz.de von
erstellt am 03.Dez.2015 | 06:30 Uhr

Seit gut einer Woche drücken auch in Dragun Asylbewerber die Schulbank. Auf dem Stundenplan steht bis Anfang März von Montag bis Freitag nur ein einziges Fach: Deutsch. An insgesamt 64 Unterrichtstagen sollen die Flüchtlinge mit so genannter Bleibeperspektive lernen, sich in den wichtigsten Situationen des Alltags sprachlich zu behaupten. In der Hoffnung, dass möglichst viele von ihnen schon bald für den deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wird das Ganze finanziert durch die Bundesagentur für Arbeit.

„Wir alle wissen, dass Integration nur über Sprache und Arbeit funktioniert. Wer deutsch nicht lernen will oder kann, für den wird Integration schwer“, sagt Kerstin Weiss. 1230 Asylbewerber sind nach Aussage der Landrätin derzeit im Nordwestkreis untergebracht. 371 in der Wismarer Haffburg, die anderen 859 dezentral in gut 150 extra angemieteten Wohnungen. Wobei die Integration der Letztgenannten wesentlich schneller vonstatten gehe, als bei der zentralen Unterbringung. Der unmittelbare Kontakt beispielsweise mit den Nachbarn fördere dies ganz einfach.

„Ich bin echt begeistert. Das ist ein richtig wissbegieriger Kurs“, sagt Anne Kathrin Freitag. Die Beckerwitzerin unterrichtet Asylbewerber in der Kreisvolkshochschule in Wismar auf Honorarbasis in der deutschen Sprache. Ausschließlich Syrer sitzen in dem für Mitteleuropäer völlig überhitzten Klassenraum, eine junge Frau sogar dick eingemummelt mit Schal, Strickmütze und Mantel. Die Menschen kämen aus wärmeren Regionen, das müsse man verstehen, versucht die Dozentin eine Erklärung.

Gleich gegenüber unterrichtet Christel Täufel eine weitere Klasse. Wieder überwiegend Syrer. Die Stimmung ist freundlich und gelöst. Wer allerdings morgen noch unter den Schülern der beiden ist, weiß niemand. Denn viele zieht es weg aus Nordwestmecklenburg, hin in die großen Metropolen, sobald ihnen ihre Aufenthaltsgenehmigung erteilt wurde. Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg statt Dragun, Gadebusch oder Wismar. Die einen wegen der Familie, andere eines Studiums wegen und wieder andere rechnen sich dort größere Chancen auf eine gute Arbeit aus.

„Doch dieser Trend ebbt offensichtlich etwas ab. Seit gut drei Wochen kehren die ersten aus Hamburg zurück“, berichtet Roland Hollmann, der Leiter der Kreisvolkshochschule Nordwestmecklenburg. Sie hätten gemerkt, dass sie in Nordwestmecklenburg doch eher Arbeit finden.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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