Handwerk : Aufträge futsch wegen Personalnot

Robin Trojahn hat in der Tischlerei Bockhold gelernt und ist dann dort geblieben. Eine Ausnahme. Handwerker suchen dringend nach Fachkräften. Fotos: manja nowitzki
Robin Trojahn hat in der Tischlerei Bockhold gelernt und ist dann dort geblieben. Eine Ausnahme. Handwerker suchen dringend nach Fachkräften. Fotos: manja nowitzki

Tischlerei Bockhold in Passow sucht dringend Fachkräfte. Unternehmen beliefert Großbaustellen

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29. Januar 2016, 06:30 Uhr

Ende des Jahres wusste sich Guido Bockhold nicht mehr zu helfen. Er braucht dringend Tischler, doch es findet sich keiner. „Wir haben Anzeigen geschaltet und mit der Arbeitsagentur kooperiert. Das hat alles nichts gebracht“, sagt der Chef der Tischlerei in Passow. Bockhold musste deswegen schon große Aufträge absagen. So konnten sie 2500 Türen für Wohnungen in der Hamburger Hafencity nicht produzieren und ein Hamburger Studentenheim mit 360 Wohnungen nicht mit Möbeln ausstatten. Trotz Urlaubssperre und Samstagsarbeit kamen sie im vergangenen Jahr kaum hinterher. „Wir hatten einfach nicht genug Personal. Das ist ein immens großes Problem für uns.“

Also bastelte der Tischler ein Schild und stellte es an die Bundesstraße 208, die direkt vor seiner Werkstatt vorbeiführt. „Wir suchen Tischler“ stand in großen Lettern darauf. Und tatsächlich – die Aktion war ein Erfolg. Einen Tischler haben die Passower schon eingestellt, mit anderen sind sie noch im Gespräch.

Zehn Mitarbeiter beschäftigt Guido Bockhold in seinem Unternehmen. zwei, drei weitere wären noch schön. Auch Azubis braucht er. Doch auch hier ist die Erfahrung der vergangenen Jahre ernüchternd. Selten flatterten gute Bewerbungen ins Haus.

Die Tischlerei produziert Fensterbänke, Möbel, Badschränke, Einbauschränke, Waschtische und das alles in großem Stil. Im vergangenen Jahr haben sie allein 600 Einbauschränke hergestellt, sagt Guido Bockhold. Auch für 2016 sind die Auftragsbücher schon wieder gut gefüllt. Die Stadt Hamburg ist ein Auftraggeber, das Luftfahrtzentrum in Hamburg haben sie ausgestattet. Die Passower beliefern fast ausschließlich große Baustellen. Den Maschinenpark haben sie deshalb in den vergangenen Jahren erneuert.

Dabei sitzt Bockhold doppelt in der Klemme. Einerseits haben sie gut zu tun und brauchen Personal. Andererseits ist das Unternehmen zu klein, um jemanden abstellen zu können, der auf Job- und Ausbildungsmessen sowie in Berufsschulen für sie werben könnte. Da bleiben nur Eigeninitiativen wie das Schild übrig.

Bei der Kreishandwerkerschaft in Wismar ist das Problem bekannt. „Das ist ein großes Thema“, sagt Geschäftsführerin Antje Lange. Doch sie hat Hoffnung. „Bei der Ausbildung hoffen wir, dass es besser wird.“ Die Bemühungen um Nachwuchs zeigten langsam Wirkung. Doch ausgebildete Fachkräfte zu finden, sei nach wie vor ein großes Problem.

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