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Hegegemeinschaft Gadebusch : Aufklärung von Wildfleisch-Skandal gefordert

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Es ist eine ekelerregende Vorstellung: Nach einer Jagd bei Alt Steinbeck, bei dem ein leitender Mitarbeiter der Landesforst einen kranken Hirsch erschossen hatte, soll das Fleisch des Tieres in den Handel gekommen sein.

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erstellt am 26.Jul.2013 | 06:16 Uhr

Gadebusch | Es ist eine ekelerregende Vorstellung: Nach einer Jagd bei Alt Steinbeck, bei dem ein leitender Mitarbeiter der Landesforst einen kranken Hirsch erschossen hatte, der vom Alter her nicht in den Abschussplan passte, soll das Fleisch des Tieres in den Handel gekommen sein. Nachdem der Jäger in der vergangenen Woche vom Wismarer Amtsgericht von dem Vorwurf freigesprochen wurde, fahrlässig geschossen zu haben (SVZ berichtete), fordert Ralf Siewert, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Gadebusch, jetzt die lückenlose Aufklärung des Falles - von allen verantwortlichen Stellen.

"Fakt ist doch, dass das Gericht mit seinem Urteil bestätigt hat, dass es sich um ein krankes Stück Wild handelte", so Siewert. "Deshalb sind jetzt alle Verantwortlichen - vom Veterinäramt bis zum Verbraucherschutzministerium - gefordert, dies aufzuklären." Siewert erhebt gleich mehrere Vorwürfe. Der schwerwiegendste: Als sachkundige Person hätte der Jäger gemäß einer Dienstanweisung der Landesforstanstalt den Kopf und die inneren Organe des als krank eingestuften Tieres untersuchen lassen müssen. Nach Angaben des betreffenden Mitarbeiters der Landesforst auf dem Wildursprungsschein konnte das Tier seinem Rudel nur langsam folgen, sprang nicht und sei steifbeinig gegangen. "Die Krankheit muss nachgewiesen werden. Ist, wie in diesem Fall, keine äußere Erkrankung festzustellen, muss ein Tierarzt geholt werden, der das Stück auf mögliche innere Krankheiten untersucht", so Siewert. Dies wird durch eine Stellungnahme der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern scheinbar unterstrichen. "Gemäß der gültigen Rechtsnormen ist bei Wildbret, welches in den Handel abgegeben werden soll, in jedem Fall eine amtliche Fleischbeschau durchzuführen. Gesetzlich geregelt ist ebenfalls die Verpflichtung, bei Wild welches vor dem Erlegen Verhaltensauffälligkeiten erkennen lässt, neben dem Wildkörper auch Kopf und Eingeweide - ohne Magen und Gedärme - zur Untersuchung vorzulegen", teilte Felix Adolphi, Pressesprecher der Landesforstanstalt, auf Nachfrage mit. Diese Untersuchung war ausgeblieben: Der Kopf des Tieres ist als Trophäe im Forstamt, die Organe wurden im Wald gelassen, ein Tierarzt wurde nicht hinzu gerufen - obwohl Ralf Siewert als Vorsitzender der Hegegemeinschaft den Jäger darauf hingewiesen haben will. "Ich wehre mich gegen die von ihm sowohl vor Gericht als auch in einem Schreiben geäußerte Behauptung, es sei nicht von einem Tierarzt die Rede gewesen. Ich habe das definitiv zu ihm gesagt, immerhin muss ich mich vor den Pächtern rechtfertigen", so Siewert. Als sachkundige Person hätte er wissen müssen, dass diese Untersuchung verpflichtend sei.

Weiterer Vorwurf vom Vorsitzenden der Hegegemeinschaft: Auf dem Wildursprungsschein, der vor der Abgabe in den Handel ausgefüllt werden muss, wurden auf der einen Seite Wildbretgüteklasse A und damit höchste Qualität, auf der anderen Seite aber auch die gesundheitlich bedenklichen Merkmale bescheinigt. "Generell gilt: Wenn es Mängel gibt, schließt das Wildbretgüteklasse A aus. Hier ist ein krankes Stück in den Handel gelangt und das ist strikt verboten." In seiner Funktion als Vorsitzender der Hegegemeinschaft fordere er sowohl das Veterinäramt als auch den Verbraucherschutzminister auf, der Aufklärung mit Hochdruck nachzugehen. Der Landkreis hat mittlerweile bekannt gegeben, den Fall weiter verfolgen zu wollen. "Ein Anhörungsverfahren zum Erlass einer lebensmittelrechtlichen Ordnungsverfügung ist noch nicht abgeschlossen", so Pressesprecherin Petra Rappen. "Mit Rücksicht auf die von dem schwebenden Verfahren betroffenen Personen und Institutionen (Unschuldsvermutung) werden derzeit keine weiteren Auskünfte erteilt. In Abhängigkeit des Ausgangs dieses Verfahrens wird der Vorstand entscheiden, ob Maßnahmen gegen Mitarbeiter der Landesforstanstalt eingeleitet werden sollen", heißt es in einer Stellungnahme der Landesforst.

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