Gross Thurow : Auf Kurs für saubereres Wasser

Ein Gutachten aus dem Jahr 2009 bescheinigt dem Goldensee eine zu hohe Nährstoffbelastung, deshalb wurde gestern eine Aluminiumfällung von einem Ponton aus gestartet.  Fotos: Michael Schmidt
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Ein Gutachten aus dem Jahr 2009 bescheinigt dem Goldensee eine zu hohe Nährstoffbelastung, deshalb wurde gestern eine Aluminiumfällung von einem Ponton aus gestartet. Fotos: Michael Schmidt

Bei Groß Thurow wurden gestern die ersten von 200 Tonnen eines flüssigen Fällmittels in den Goldensee gesprüht

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24. November 2017, 20:45 Uhr

Bei Groß Thurow ist gestern der Start für eine so genannte Aluminiumfällung erfolgt. Dabei werden etwa 200 Tonnen flüssiges Fällmittel (Polyaluminiumchlorid-PAC) von einem Ponton aus gleichmäßig auf der Wasseroberfläche des Goldensees verteilt. Dadurch soll das Wasser im Goldensee sauberer werden. Das teilten die Stiftung Biosphäre Schaalsee und das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe mit.

Seit Jahren weist das 98 Hektar große Gewässer eine zu hohe Nährstoffbelastung auf, wodurch es im Sommer zu einem massiven Algenwachstum kommt. Hauptursache sei der über Jahrzehnte in den See eingespülte Phosphor, der aus Düngemitteln von den umliegenden Ackerflächen sowie aus der Kläranlage Mustin stamme. Er hat sich im Seegrund angesammelt und wird unter anderem bei stürmischem Wetter immer wieder freigesetzt. Die Folge: Das Wasser trübt sich, wird undurchsichtig und dem Gewässer fehlt Sauerstoff.

Nachdem im Einzugsgebiet teilweise Acker in Grünland umgewandelt und die Kläranlage Mustin nachgerüstet wurde, wird der See nun saniert. Die Kosten von 80 000 Euro werden durch das Programm zur naturnahen Gewässerentwicklung aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER II) und aus dem Haushalt des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern getragen.

Angler wie der Roggendorfer Gernot Schmidt begrüßen den Projektstart. Er hätte sich eine derartige Maßnahme aber schon vor Jahren gewünscht. „Der Goldensee drohte zu kippen. Vor allem im Sommer stank es hier teilweise wie in einer Kloake“, sagt der ehemalige Groß Thurower Gernot Schmidt.

Dieser Zustand soll sich nun ändern. Denn bei der Aluminiumfällung wird der Phosphor am Seeboden gebunden. „Dieses Verfahren wurde in den vergangenen Jahren bereits sehr erfolgreich im Lankower und im Röggeliner See durchgeführt“ sagt Gerd Schriefer von der Stiftung Biosphäre Schaalsee. Bettina Gebhard vom Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe betont: „Da der Goldensee mit dem Schaalsee verbunden ist, wird sich eine Verbesserung der Wasserqualität des Goldensees positiv auf den gesamten Schaalsee auswirken.“

Mit Interesse verfolgen auch Einwohner von Groß Thurow die Arbeiten am Goldensee. Die fünfjährige Mia Jordin machte zum Beispiel ein paar Schnappschüsse von dem motorisierten Ponton. „Ich bin hier, um zu gucken, ob auch alles funktioniert“, sagte das Mädchen und schaute sich das Be- und Entladen des Pontons an.

Danach steuerte Dr. Michael Said Yasseri vom Institut Dr. Nowak den Ponton samt sechs Meter langen Sprühbalken zurück auf den See und setzte seine Arbeit fort. Dabei vertraut er nicht nur einem Echolot sondern auch einem GPS-System, um das Fällmittel gezielt nach einem festgelegten Kurs versprühen zu können. 50 bis 60 Liter des flüssiges Fällmittels gelangen dabei pro Minute in den Goldensee – bei einer Bootsgeschwindigkeit von drei bis vier km/h.

Ende nächster Woche könnte das Projekt abgeschlossen sein. Danach will der Süßgewässerkundler an die russische Grenze und ein weiteres Gewässer sanieren. Mehrfach war Yasseri bereits in den Niederlanden, England und in Deutschland im Einsatz.

Am Projekt Goldensee bei Groß Thurow sind auch die Gutachterbüros Bioplan und die Firma VTA GmbH Deutschland beteiligt.

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