Naturnah : Auf die Zwetschge, fertig, los…

Fertig für’s Backblech: Die frühe Zwetschgensorte „Zimmers“ ist ideal für einen saftigen Zwetschgenkuchen.
Fertig für’s Backblech: Die frühe Zwetschgensorte „Zimmers“ ist ideal für einen saftigen Zwetschgenkuchen.

Frühsorten der Zwetschgen eignen sich hervorragend für Lieblingskuchen.

svz.de von
12. August 2018, 05:00 Uhr

Juhu, endlich ist es so weit: Die ersten Pflaumen und Zwetschgen sind reif! Das bedeutet Lieblingsdessert, Lieblingskuchen und Lieblingsbrotaufstrich.

Schon als Kind waren Pflaumen und Zwetschgen mein Lieblingsobst. Ich kann mich daran erinnern, dass ich sogar grüne, unreife Zwetschgen in Mengen gegessen habe, bis der Magen rebellierte und ich eine Auszeit auf dem stillen Örtchen nehmen musste.

Heute kann ich mich, abgesehen von einigen kleinen Naschversuchen beherrschen. Ich warte bis Ende August, Anfang September, bis der Startschuss für die Pflaumen- und Zwetschgen Saison fällt.

Eingeläutet wird die Erntesaison von leckeren Sorten wie „Ersinger“ und „Zimmers“. Diese beiden Frühsorten der Zwetschgen eignen sich hervorragend für meinen Lieblingskuchen, der aus einem frischen Hefeteig mit ganz vielen aufrecht stehenden Zwetschgen hergestellt wird. Kurz vor Ende des Backvorgangs bekommt der Kuchen, der am besten auf einem Blech gebacken wird, eine dünne Zuckerschicht. Mit viel Oberhitze im Backofen wird diese dann ein wenig karamellisiert. Dann kommt der große Moment! Das erste Stück Zwetschgenkuchen kommt auf meinen Teller. Es ist noch ofenwarm. Damit der Genuss vollkommen ist, bekommt mein Zwetschgenkuchen noch eine Sahnehäubchen, dass durch die Wärme des Kuchenstücks ganz langsam zerläuft. Nun muss ich nur noch mein Schleckermäulchen öffnen und den ersten Bissen genussvoll in meinen Mund schieben und mhmm....genießen.

Zwetschgen und ihre Wildformen sind seit Jahrtausenden genutzte Obstsorten. In Steinzeitgräbern wurden Kerne von frühen Sorten gefunden.

Ob meine Liebe zum Zwetschgenkuchen genetisch bedingt, also von meinen Vorfahren den Steinzeitmenschen vererbt wurde, weiß ich nicht. Vielleicht gab es ja damals schon so etwas wie Zwetschgenkuchen aus dem Steinofen mit leckerer Mammutsahne.

Pflaumen und Zwetschgen reifen je nach Lichteinfall verschieden schnell. Deshalb pflückt man sie am besten abschnittweise vom Baum.

Also zuerst die von der Sonnenseite des Baumes und dann nach und nach die Früchte an den sonnenabgewandten Seiten und im Inneren.

Pflaumen schmecken etwa zwei Wochen nach der Blau- oder Rotfärbung am besten. Zwetschgen haben ihre volle Süße entfaltet, wenn sie am Stiel etwas schrumpelig aussehen, etwa so wie der Hals einer ägyptischen Mumie. Dann wird es aber auch Zeit alle Früchte zu ernten. Die sattsüßen Früchte lassen sich dann supergut zu Pflaumenmus und Trockenpflaumen verarbeiten.

Auf dem Kastanienhof wachsen an die zwanzig Zwetschgenbäume verschiedener Sorten. Die letzten Früchte, wie die der Sorte „Presenta“ werden erst im Oktober reif.

Zwetschgen passen in jeden Garten, entweder als Solitär oder als Teil einer Hecke am Rande des Gartens. Sie sind pflegeleicht und unempfindlich.

Abgesehen von gelegentlichem Befall mit der Scharka- oder Pockenkrankheit oder auftretender Halswelcke bleiben sie in der Regel gesund. Das Virus der Scharka oder Pockenkrankheit wird von Blattläusen übertragen und zeigt sich durch schrumplige Vertiefungen an der Oberseite der Früchte. Die Halswelke tritt bei Zwetschgen manchmal kurz vor der Fruchtreife auf. Das obere Drittel der Frucht wird schrumpelig, doller als am Hals der ägyptischen Mumie. Die Frucht schmeckt grieselig und fade und man hat nicht so richtig Lust aus ihnen eine Zwetschgenkuchen zu backen. Richtig doof finde ich Maden in Zwetschgen. Das Jahr 2018 ist das Jahr der Made. In fast jeder dritten Frucht finde ich diese grau-weißlichen Tiere, die bei meinem Anblick offensichtlich Angst bekommen und sich wie Würmer beim Anblick einer Amsel winden. Maden sind aber keine Krankheit. Sie treten Jahr für Jahr in unterschiedlicher Befallstärke auf. Ich glaube, es hängt von den Witterungsbedingungen zur Zeit der Blüte ab, ob es ein Madenjahr wird oder nicht.

Auf jeden Fall gibt es bei uns auf dem Kastanienhof in den nächsten Wochen Zwetschgenkuchen mit Schlagsahne satt. Ob ich ein Stückchen für unsere Gartencafé-Gäste übrig lasse, muss ich mir noch überlegen.

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