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Schlagsdorfer Grenzhus : Auf der Kurzwelle um die Welt

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25 Jahre deutsche Einheit: Amateurfunker senden zwei Monate lang Sonderrufzeichen

Israel, Australien, Thailand, Japan und die Azoren – mit 1600 Menschen in  insgesamt 52 Ländern haben Georg Tretow, Siegfried Schwarz und Harald Ewert in den vergangenen zwei Wochen Kontakt gehabt. Der Grund: Die Amateurfunker senden anlässlich  des 25. Jahrestages der Öffnung der innerdeutschen Grenze das  Sonderrufzeichen Dq25Grenze in alle Welt.  „Amateurfunk ist völkerverbindend. Wir machen Außenpolitik – auf eine besondere Weise“, sagt Georg Tretow vom Grevesmühlener Ortsverband der Amateurfunker. „Da guckt keiner nach dem Glauben, wir verstehen uns alle.“

Früher, zu DDR-Zeiten sei die Grenzüberschreitung physisch nicht so einfach – über Funk aber möglich gewesen, erzählt Tretow. „Der eiserne Vorhang war kein Problem für uns Funker“, fügt Ewert, Amateurfunker aus Ratzeburg,  an. Damals Kontakte zum Westen  gehabt zu haben, sei spannend gewesen, erzählt Georg Tretow. „Das war dann ja eine Aussage wie der Mensch dort lebte. Der hat dann über Funk auch etwas von sich erzählt.“ Der Grevesmühlener hält eine alte Qsl-Karte aus der DDR in der Hand und zeigt auf die dort abgebildeten Geräte: „Es gab Amateurgeräte und solche, Marke Eigenbau. In den Clubstationen haben wir dann funken dürfen. Es war nicht so, dass man privat gefunkt hat.“ Deshalb hätte es auch Ermahnungen gegeben, wenn bei jemandem zu viele Kontakte zum Westen stattgefunden hätten, erzählt Tretow.

Jeder Funkkontakt wird traditionell mit einer Qsl-Karte bestätigt. Der sogenannte  Q-Schlüssel kommt aus der Morsetelegrafie und bedeutet „Ich bestätige den Erhalt.“ Die Karten werden vom Zentralverband der Amateurfunker in alle Welt versendet. Und sie sind wahre Sammlerstücke. Die Dq25Grenze-Karte zur Einheit ist bereits jetzt stark nachgefragt: „Teilweise rufen 30 bis 40 Leute gleichzeitig an“, sagt Tretow, der mit großen Kopfhörern vor dem Funkgerät sitzt. „Kurzfristige Sonderrufe,  wie diese,  haben unter den Amateurfunkern einen großen Sammlerwert, da sind viele hinterher“, sagt er und lacht.

Tretow selbst hat etwa 40 000 QSL-Karten gesammelt, seit er 1978 seine Funklizenz gemacht hat. Die Karten liegen – ordentlich sortiert –  in einer Kommode, verrät er. Dabei seien richtige Schätze unter anderem Karten aus Nepal und Samoa.

Nepal, Samoa, Spitzbergen und Dominica – das sind Traumreiseziele auf dieser Erde.  Die Amateurfunker aus Ratzeburg und Grevesmühlen sind bereits dort gewesen.  Oft würden aus  per Funk geknüpften Kontakten echte Freundschaften, erzählt Harald Ewert.  „Auf Dominica haben wir über Funk einen Polizeichef kennengelernt, ihn haben wir dann dort besucht, haben bei ihm gewohnt und er hat uns die Insel gezeigt. Das war schon etwas Besonderes und richtig toll“, schwärmt er.

 Bis Ende Februar sind die drei Amateurfunker  noch im Grenzhus anzutreffen und senden den Vereinigungscode in den Äther. „Im Laufe des Jahres wollen wir  auch aus anderen Grenzbereichen in der Region funken“,  erzählt Siegfried Schwarz aus Ratzeburg. Wer Interesse hat, sich erklären zu lassen, wie Funk funktioniert, ist eingeladen, den Akteuren bei ihren Gesprächen  rund um die Welt über die Schulter zu schauen. Katharina Roese

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erstellt am 13.Jan.2014 | 00:00 Uhr

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