Gadebusch : Auf den Spuren des Origami

In Japan gelten1000 zusammengebundene Origami-Kraniche als Glückssymbol. Daher ist die Papier-Faltkunst gerade in Tempeln oft zu finden. Fotos: Grützmacher
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In Japan gelten1000 zusammengebundene Origami-Kraniche als Glückssymbol. Daher ist die Papier-Faltkunst gerade in Tempeln oft zu finden. Fotos: Grützmacher

Drei Wochen lang reiste die Designerin Steffi Grützmacher durch Japan / In Gadebusch gibt sie Kurse an der Volkshochschule

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04. Dezember 2019, 08:00 Uhr

Als Steffi Grützmacher auf dem Gelände des großen Tempels steht, kann sie sich nicht zurückhalten und macht ein Foto nach dem anderen. Die Architektur in Japan erinnere sie sonst eher an Containerbauten. Nur die traditionellen Gebäude mit ihren vielen kleinen Details und Verzierungen finde sie schön. Normalerweise gibt die Designerin unter anderem an der Gadebuscher Volkshochschule (VHS) Origami-Kurse - eine traditionelle Papierfaltkunst. Als ein Freund, der zur Zeit in Japan ist, sie fragte, ob sie ihn besuchen wolle, willigte sie ein, ohne zu wissen, was sie erwartete.

„Ich hatte vorher kein Bild von Japan. Mein erster Eindruck war, dass es sehr voll und beengt ist“, sagt sie. Mit ihrem Freund stellte sie sich einmal an eine große Kreuzung und beobachtete das Treiben. „Das war wie ein riesiger Ameisenhaufen. Es störte sich auch keiner daran, dass wir dort standen. Die sind einfach an uns vorbei gehastet“, berichtet Steffi Grützmacher.

„Wir hatten ein Hotel in der alten Hauptstadt Kioto und sind mit dem Schnellzug Shinkansen in viele weitere Städte gefahren“, erläutert die VHS-Dozentin. Dabei war schon die Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug ein Erlebnis. Dieser fährt mit bis zu 320 Stundenkilometern durch das Land der aufgehenden Sonne. „Darin sieht es aus, wie in einem Flugzeug“, beschreibt Steffi Grützmacher. Mit Faszination habe sie beobachtet, wie in einem Kopfbahnhof ein Bahnangestellter durch den Zug ging und die Rückenlehnen umklappte, sodass alle Sitze in Fahrtrichtung zeigten: „Das war Wahnsinn, wie schnell das alles ging.“

Eine von vielen besuchten Städten war Hiroshima, wo sie sich auf die Suche nach einem ganz bestimmten Restaurant machte. „Von japanischen Freunden hatten wir ein Foto von einem Okonomiyaki-Laden bekommen und haben es tatsächlich gefunden“, berichtet die Schwerinerin. Sie setzten sich direkt an den Tresen und sahen zu, wie das japanische Gericht, das etwas wie ein Pfannkuchen aussieht, aus Kohl, Nudeln und Ei auf einer großen Kochplatte zubereitet wurde. „Ich habe dem Koch die ganze Zeit auf die Finger geguckt und gar nicht mitbekommen, welche der Portionen für mich war“, erzählt Steffi Grützmacher. Auch das Plastikessen, das in den Schaufenstern vieler Restaurants steht und täuschend echt aussieht, habe sie sehr beeindruckt. Die Gastronomen geben mit dem künstlichen Essen einen Überblick über ihre Speisekarte. Für Steffi Grützmacher waren sie aber auch aus einem anderen Grund nützlich: „Ich habe die immer ganz genau betrachtet und geguckt, ob nicht irgendwo ein kleiner Fischschwanz oder eine Flosse rausguckt.“ Denn die 40-Jährige mag weder Fisch noch Meeresfrüchte, was sie in Japan vor echte Herausforderungen stellte: „Ich dachte vorher, dass ich einfach vegetarische Gerichte bestelle, aber die gibt es da kaum. Fast alles enthält Fisch.“ Daher habe sie oft Pizza gegessen, was sehr untypisch für sie sei. Auf Reisen esse sie sonst immer die traditionelle Küche des jeweiligen Landes.

Überrascht war sie davon, dass Origami in Japan gar nicht so allgegenwärtig ist, wie es das Klischee vermuten lässt. Für ihren Kurs an der VHS wollte sie gutes Origami-Papier und neue Anleitungen mitbringen. Das sei jedoch schwieriger gewesen, als sie sich das vorgestellt hatte. Mit Hilfe einer Künstlerin fand sie schließlich ein Geschäft, in dem sie zwei Bücher kaufte. „Ich bin des Japanischen zwar immer noch nicht mächtig, aber die Bilder reichen“, sagt die Designerin. In ihrem Kurs wird nicht immer das traditionelle Origami genutzt, sondern auch mal geschnitten und geklebt. Sie versuche aber, das Wissen aus den neuen Büchern miteinzubringen. Von Japan hatte Steffi Grützmacher erst einmal genug. Sie könne sich jedoch vorstellen, in 10 bis 15 Jahren wieder dorthin zu reisen: „Es reizt mich schon zu gucken, wie sich das Land in einem Jahrzehnt entwickelt.“

Termin

Neuer Kurs startet

Der nächste Termin ist am Sonnabend, dem 7. Dezember. Von 9 Uhr bis 12 Uhr werden in der Kreisvolkshochschule Gadebusch unter Anleitung von Steffi Grützmacher weihnachtliche Dekorationen gebastelt. Eine Anmeldung ist unter der Webseite kreisvolkshochschule.nwm.de möglich.

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