Wismar : Auf dem Tonnenhof ist immer was los

Bergung von Solarköpfen im Eiswinter der Wismarbucht an Bord des Seezeichenschiffes „Sturmmöwe“.
Bergung von Solarköpfen im Eiswinter der Wismarbucht an Bord des Seezeichenschiffes „Sturmmöwe“.

Vom harten Winter blieben die Mitarbeiter in der Kreisstadt bislang verschont

svz.de von
27. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Gerade hat das Seezeichenschiff „Sturmmöwe“ an der Tonnenhofpier abgelegt zu einer turnusmäßigen Kontrollfahrt. Doch noch zeigt sich der milde Winter in der Wismarbucht von seiner behutsamen Seite, mit allenfalls nasskaltem Schmuddelwetter. So mancher der alteingesessenen Crew mag sich da an sehr winterliche Zeiten erinnern.

Wenn es dann beim Bersten der vereisten Wismarbucht am Bug des Behördenschiffes so richtig knirscht, erleben die gestandenen Mitarbeiter vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) ihre eigene Version von „holiday on ice”. Denn das bedeutet dann spontane Aktion, um die hochempfindliche Elektronik der beleuchteten Seezeichen gegen unbeleuchtete auszutauschen. Eine unabdingbare Notwendigkeit, um die teure Technik so vor der zerstörenden Eispressung zu schützen. „Im Gegensatz zu den Kollegen vom WSA Stralsund agieren wir hier im westlichen Teil der Ostsee etwas anders“, erklärt der Wismarer Mario Fröhlich. Denn während dort prophylaktisch die kompakten Solaraufsätze eingeholt werden, werde an der Wismarbucht erst kurz vor dem wirklichen Wintereinbruch gehandelt. „Natürlich haben wir dabei stetig die aktuellen und längerfristigen Wetterprognosen im Auge und werden bei entsprechender Gefährdungslage sofort aktiv.“

Für die Sturmmöwen-Besatzung und ihre landseitigen Helfer bedeutet dies, im Haupt- und Nebenfahrwasser ihres Wirkungsbereiches bis zu 65 beleuchtete Solarköpfe einzuholen. Im Extremfall sind sogar alle Tonnenkörper einzuziehen, denn sonst können ebenso die stählernen Dornen, die den Schnellverschluss der Solarköpfe auf dem Tonnenkörper halten, beschädigt werden.

Deshalb herrscht auf dem Tonnenhof weiterhin jahreszeitlich bedingter Arbeitsalltag zur Absicherung und Aufrechterhaltung der Berufsschifffahrt nach vorgegebenem Wartungs- und Reparaturplan, dem sogenannten Tonnenlegerplan. Daran hält zum Beispiel auch in der Malerhalle WSA-Mitarbeiter Frank Linke fest. Diesmal ist die ausgetauschte Tiefwassertonne 5 fällig. Der wuchtige Tonnenkörper, dessen Double als laterale Kennzeichnung im Hauptfahrwasser vor Poel auf eine exakt definierter Position liegt, zeigt bereits zur Hälfte sein frisches, grünes Gesicht. Von den jahrelangen Spuren, die Salzwasser, Seepocken und Muschelbefall hinterlassen haben, ist längst nichts mehr zu erkennen. Die Tonnen liegen so bis zu sieben Jahre aus.

„Schau’n sie mal vor die Tür, dann sehen sie den Unterschied der Neuzugänge“, lacht der langjährige Handwerker in Behördendiensten.
Doch auch diese stählernen Ungetüme könnten bald Geschichte sein. Eine neue Generation von Schwimmkörpern mit einem erheblich geringeren Wartungsaufwand ist schon länger in Erprobung. „400 neue Kunststofftonnen sollen in der Ostsee ab 2018 zum Einsatz kommen. Davon gehen 300 Tonnen in den östlichen Bereich und der Rest wird im westlichen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswasserstraße Ostsee zum Einsatz kommen. Darauf verweist Mario Fröhlich während eines Rundganges über das Gelände. Davon soll auch das Revier der Wismarbucht profitieren.

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