zur Navigation springen

Neue Steuerregelung : Auch die Jäger sollen zahlen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die Umsatzsteuerpflicht betrifft auch die Jagdgenossenschaften / Kosten würden an Pächter weitergeleitet werden

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2017 | 04:43 Uhr

Der Gesetzgeber hat die Umsatzbesteuerung öffentlicher Körperschaften neu geregelt. Das bedeutet, dass in Zukunft auch Einrichtungen und Institutionen die dem Gemeinwohl dienen, die Umsatzsteuer zahlen sollen. Dazu gehören auch Jagdgenossenschaften.

Edwin Lenz schüttelt nur mit dem Kopf. Er hält einen Brief von der Unteren Jagdbehörde in der Hand. „Darin steht, dass wir künftig auf unsere Pachteinnahmen 19 Prozent Umsatzsteuer zahlen müssen. Diese Forderung hat mich wirklich überrascht“, sagt der Vorsitzende der Draguner Jagdgenossenschaft.

Zwar wird in dem Schreiben auch darauf hingewiesen, dass auf Antrag beim Finanzamt die ab dem 1. Januar 2017 fällige Steuer bis zum 31. Dezember 2020 ausgesetzt werden kann. Doch das ändert nichts an der eigentlichen Tatsache, dass die Umsatzsteuer auf die Pachteinnahmen künftig gezahlt werden muss. Zumindest dann, wenn deren Höhe nicht mehr unter die Kleinunternehmerregelung fällt. „Wenn dem dann so ist und die Regelung so bleibt, könnten wir Glück haben, dass wir doch nicht zahlen müssen“, wagt Lenz vorsichtig zu hoffen. Aktuell verpachtet die Jagdgenossenschaft Dragun als Körperschaft des öffentlichen Rechts 1600 Hektar Flur an die regional ansässige Jägerschaft. Zu einem Preis von 3,50 Euro pro Hektar im Jahr. „Der ist deshalb so niedrig, weil wir ausschließlich Niederwild haben. In Hochwild-Revieren liegt die Pacht locker zwischen zehn und 20 Euro je Hektar“, erklärt der Jagdvorsteher.

Sollte die Draguner Jagdgenossenschaft dennoch in Zukunft Umsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent zahlen müssen, hieße das bei den aktuellen Pachteinnahmen von jährlich 5600 Euro, dass sie 1064 Euro ans Finanzamt zahlen müsste. „Natürlich müssten wir diese Summe an die Jäger weitergeben. Das würde bedeuten, dass der Pachtzins auf knapp 4,20 Euro pro Hektar steigen würde“, prophezeit Lenz. Für Reviere mit Hochwildbestand, die entsprechend höhere Pachten haben, wären die Steigerungsraten noch bedeutend höher.

Nach der im Jahr 2015 neu eingeführten Verpflichtung der Jagdgenossen zur finanziell belastenden, jährlichen Katasterführung, ist das womöglich ein weiterer Schritt in die Richtung, dass Jagd in Zukunft nur noch ein elitäres Hobby für gut Betuchte ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen