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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. November 2017 | 12:26 Uhr

Kunst offen : Arbeitsweste oder Kuschelpullover

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Katharina Zahren, die Spinnerin aus Klein Rünz, öffnet am Pfingstwochenende ihre Werkstatt

svz.de von
erstellt am 20.Mai.2015 | 00:24 Uhr

Katharina Zahren macht seit 2004 bei der jedes Jahr zu Pfingsten stattfinden Veranstaltung „Kunst Offen“ mit. Zum zweiten Mal öffnet die Spinnerin aus Klein Rünz dafür ihre farbenfrohe Werkstatt auf ihrem Hof. Dort erwarten Sie handgesponnene Garne vielfältigster Art und Farben, handgestrickte Unikate wie Pullover, Westen, Schultercapes, Kniedecken und Vieles mehr. Und darüber hinaus bietet Kathinka Zahren Spinnkurse und Workshops an. Pia Böttcher traf sich mit Katharina Zahren zum SVZ-Interview.


Wie und wann sind Sie zu Ihrem Handwerk gekommen?

Katharina Zahren: Die Liebe zur Wolle wurde mir wohl in die Wiege gelegt. Schon als Fünfjährige habe ich darüber gestaunt, dass aus einem dünnen Wollfaden eine Fläche entstehen kann. Dies hat mich so fasziniert, dass ich meine Großmutter so lange genervt habe, bis sie mir das Stricken beibrachte. Mein erstes Werk war ein Fausthandschuh, darauf war ich sehr stolz. Als kleine Entdeckerin habe ich dann immer wieder einfach Sachen ausprobiert. Ich erkannte, dass aus normalen rechteckigen Strickereien Röcke, Jacken oder Pullover entstehen können. So bestrickte ich meine ganzen Puppen. Die Mathematik mit der Geometrie, die in meinen Arbeiten steckt, fasziniert mich. Der Umgang mit dem wunderbaren Material Wolle, das Spinnen als auch das Stricken ist etwas für meine Seele.

Was macht Sie als Künstlerin mit Ihrer Arbeit so besonders?

Ich würde mich selbst nicht als Künstlerin bezeichnen, das ist mir zu hoch gegriffen. Mir reicht es, dass ich Kunsthandwerkerin bin – und das mit voller Leidenschaft.
Das Besondere bei der Spinnerei ist, dass jedes Stück ein Unikat wird, anders als bei der industriellen Produktion, denn Schaf ist nicht gleich Schaf. Jedes Tier hat eine andere Wolle und das auch innerhalb derselben Rasse. Sie passen sich mit ihrem „Kleid“ an das entsprechende Klima an und so gibt es ganz feine, aber auch richtig robuste Wolle. Nach der Struktur und Qualität des Materials entscheide ich dann, ob daraus eine strapazierfähige und langlebige Arbeitsweste oder ein weicher Kuschelpullover wird. Aber je weicher und feiner eine Wolle ist, umso empfindlicher ist sie auch. Aus der reinen Rohwolle unserer heimischen Schafe fertige ich Socken und sehr rustikale Kleidung, die quasi ein Leben lang hält.

Doch wie verläuft eigentlich der Weg vom Roh- zum Endprodukt?

Die Schurwolle kaufe ich als Rohmaterial ein. So wandert diese vom Schaf direkt auf mein Spinnrad. Das gefärbte Material kaufe ich von Färbereien. Aus dieser farbigen und sehr feinen Rohwolle mische ich auf meiner Kämm-Maschine wieder völlig neue Farben. Dann spinne ich die neu entstandene farbenfrohe Wolle zu den unterschiedlichsten Fäden zusammen. Ich finde diese Methode super, da ich immer wieder neue Strukturen auf dem Spinnrad entstehen lassen kann. Jedes Strickstück bekommt so seinen eigenen Charakter, zeigt eine andere, besondere Seite der Schafwolle. Und genau das ist der gravierende Unterschied zur industriellen Spinnmaschine. Bei meinen Werken ist zu sehen, dass sie handgemacht sind. denn ich verfolge den Anspruch, meine Arbeiten immer professionell und einzigartig zu gestalten. Meinem Mann gefällt dieses alte Handwerk auch und er hilft mir beispielsweise an der Kämm-Maschine und bei Vorführungen am Spinnrad. Für meine rustikalen Strickereien entwirft und fertigt er sogar individuelle Knöpfe und Silberschließen.

Wo würden Sie gern mal Ihre Kunst ausstellen?

Ich stelle gerne dort aus wo ich auf interessierte und freundliche Menschen treffe. Das kann in den unterschiedlichsten Umfeldern sein. Gerne bin ich bei „Kunst Offen“ dabei und sicherlich wieder in Schwerin bei „Advent im Hof“ im Schleswig-Holsteinhaus. Darauf freue ich mich.

Was finden Sie an „Kunst Offen“ am Schönsten?

Ich finde es einfach toll, wenn nette Leute hier nach Klein Rünz in meine gemütliche Werkstatt kommen und Gefallen an meiner Arbeit finden. Man trifft so viele interessante Leute. Vor Jahren kam mal ein Paar aus Berlin und kaufte eines meiner kniffligsten und schönsten Werke – eine weiße Theaterjacke. Die alte Dame war so verliebt in dieses Stück, dass ich es gerne aus meinen Händen gab. Außerdem gefällt es mir sehr, mit meinem Handwerk und unserem „Spinnstübchen“ auch etwas für den Tourismus in unserem Land zu tun. Ich freue mich also auf viele Besucher und ein tolles Pfingstfest.



 

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