Verjüngungskur für Fischkutter : Arbeitslose helfen „Marlen“

Gerhard Hameister beim Arbeiten am Fischkutter Marlen.
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Gerhard Hameister beim Arbeiten am Fischkutter Marlen.

16 Langzeitarbeitslose werkeln an der Verjüngungskur für den Fischkutter, der seit Ende 2014 restauriert wird

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30. August 2016, 21:00 Uhr

Dass die Arbeit ihm richtig Freude macht, ist Gerhard Hameister anzusehen. Er lächelt, während er konzentriert mit dem Elektrohobel die Balken auf Höhe bringt. Er macht den Hobel aus und erzählt: „Mit 55 noch Arbeit zu bekommen? Das ist schwer!“

Seit 2009 war er arbeitslos, hat vorher jahrzehntelang als Stahlschiffbauer auf der Werft gearbeitet. Sechs Jahre zu Hause – für jemanden, der wie Gerhard Hameister gerne anpackt, eine böse Zeit. Seit Februar 2015 gehört er zum Team der „Marlen“. Der 1950 gebauten Schleppnetzkutter wird seit Dezember 2014 restauriert, saniert und wieder aufgebaut. „Der letzte seiner Art in der Region“, weiß Irmtraud Rakow vom „Förderverein Marlen e.V.“. Auch deswegen soll der alte Kutter erhalten werden.

„Bis jetzt haben wir abgerissen, jetzt bauen wir langsam wieder auf“, erklärt Bootsbauer Thomas Holtz und zeigt stolz das hell leuchtende, das gerade eingebaute Eichenholz. „Alles, was kaputt, marode oder durchgefault war, haben wir raus“, erklärt er weiter. Die Decksbalken sind fertig, der Achtersteven wird neu aufgebaut. Das Süll – das Fundament für das Ruderhaus – wird vorbereitet. Thomas Holtz verbindet die eigenen Familiengeschichte mit dem Kutter: „Mein Großvater war auf der Marlen Lehrausbilder.“

16 Menschen gehören zum Bauteam der auf dem Trockenen stehenden Marlen. Alles Langzeitarbeitslose wie Gerhart Hameister, die über das Jobcenter in die ungewöhnliche „Arbeitsgelegenheit“ vermittelt wurden. „Ich bin seit Dezember dabei“, erzählt Mirko Kiemann. Der 45-Jährige ist gelernter Zimmermann und Dachdecker, war sieben Jahre arbeitslos. Im Schiffsrumpf streicht er gerade das Holz mit einer neuen Grundierung für den Brandschutz. Er hat schon einiges gemacht am Schiff. Die Decksbalken raus gerissen, die Köpfe erneuert. Kollege Hameister lacht: „Ich hab ja keine Ahnung von Holz, aber man lernt jeden Tag was neues hier!“ Und: Er sitzt nicht mehr zu Hause, langweilt sich nicht mehr, kann wieder etwas mit den Händen machen. „Das ist so gut!“, ist er dankbar.

Dabei ist es für Christine Wett und Christian Lorentz vom Jobcenter nicht einfach, geeignete Teilnehmer für das Projekt zu finden. Die auch bereit sind, bei Wind und Wetter und durchaus körperlich anstrengend am Kutter zu arbeiten. Irmtraud Rakow: „Ohne das Jobcenter mit seiner Förderung würden wir den Kutter nicht sanieren können.“ Unternehmer wie beispielsweise gerade Bauleiter Hans-Joachim Lenschow vom gleichnamigen Gerüstbauunternehmen in Steinhausen-Neuburg helfen. Er sponsert dem Verein eine neue Plane, nachdem die alte nicht mehr ihren Zweck erfüllte. Die Plane für die Großbaustelle Marlen ist wichtig. „Damit das Holz nicht austrocknet, wir müssten sonst viel mehr ölen!“, berichtet Thomas Holtz. 200 Liter der hauseigenen Mischung aus Leinöl, Leinölfirnis, Terpentin und Kiefernholzwurzelteer sind schon „im“ Schiff und schützen das Holz. Und die Plane schützt die Handwerker vor Sonne wie Regen.

„Was kann der Einzelne, was kann er wieder, was nicht?“, stellt Arbeitsvermittler Christian Lorentz die Fragen, die es zu beantworten gilt. „Ziel ist immer die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt“, erklärt Christine Wett, Teamleiterin „Markt und Integration“ im Jobcenter Nordwestmecklenburg. „Interessierte Mithelfer und auch unterstützende Unternehmer sind gerne gesehen“, so Irmtraud Rakow. Unternehmen können Werbebanner aufhängen, Bootsbauer oder Tischler im Ruhestand beispielsweise was Gutes tun.
 

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