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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 17:03 Uhr

Serie naturnah : Apfelernte auf dem Kastanienhof

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Serie am Sonnabend: Wissenswertes aus der Natur erfahren / Drei Tonnen Äpfel wurden geerntet

svz.de von
erstellt am 31.Okt.2014 | 17:38 Uhr

Sicherlich haben viele Gartenbesitzer ein ähnliches Problem. Man kann es kaum erwarten die ersten Bohnen, den ersten Salat oder die ersten Erdbeeren aus eigener Ernte zu genießen. Wenn es dann soweit ist, fallen riesige Mengen der begehrten Früchte an, so dass die Lust am Genuss nur kurz ist.

Mir ergeht es immer so bei meinen Äpfeln. Den ganzen Sommer über freue ich mich auf den Tag, an dem ich den ersten Biss in einen fruchtigen Kaiser Wilhelm- oder einen aromatischen Hasenkopf-Apfel machen kann. Habe ich es dann getan, den ersten Apfel gekostet und genossen, ist es so wie damals im Paradies. Ich werde bestraft. Tonnen von Äpfeln fliegen mir dann um die Ohren. Plötzlich liegen sie überall. Durch meinen Garten laufe ich wie auf Eiern. Bei fast jedem Schritt trete ich auf einen Apfel, der knirschend unter meinem Fuß zu Matsch wird.

Unangenehm ist es auf dem Hofpflaster. Dort bilden die zertretenen und zu Apfelmus zerfahrenen Äpfel einen gefährlichen Belag, der unter den Schuhen kleben bleibt. Um den riesigen Apfelmengen Herr zu werden, habe ich vor einigen Jahren angefangen Apfelwein herzustellen.
Das erste Jahr der Apfelweinherstellung war trotz meiner Unkenntnis, was das Keltern und Ausbauen angeht, recht erfolgreich. Es war ein richtiges Apfeljahr, mit einer Ernte, die über drei Tonnen Früchte ausmachte. Die von den Bäumen geschüttelten Äpfel habe ich in einer nahen Mosterei zu Rohsaft pressen lassen. Alle Apfelsorten bunt gemischt ergaben einen recht passabel schmeckenden Saft, der direkt in der Lübseerhagener Mosterei in eigens für den Zweck der Weinherstellung angeschaffte Gärfässer gefüllt wurde.

Zu Hause mit meinem Saft angekommen versetzte ich den Apelsaft mit Reinzuchthefe (gibt es in der Apotheke). Die Flüssigkeit begann alsbald in den mit Gährröhrchen versehen Fässern zu arbeiten und blubberte schäumend vor sich hin.

Bei meiner Recherche in Sachen Apfelwein hatte ich irgendwo gelesen, dass durch die Zugabe von Zucker der Alkoholgehalt im Apfelwein gesteigert werden kann. Diesen Versuch wollte ich wagen und gab etwa drei Kilogramm Zucker in eines der Gärfässer. Es war förmlich zu hören wie die Weinhefe sich über dieses Futter freute und den süßen Stoff zum Dank in Alkohol umwandelte.

Nach einigen Wochen war es dann soweit. Der Wein war fertig. Ich hatte ihn zwischenzeitlich einmal abgezogen um die Schwebstoffe heraus zu bekommen und ihn zu klären. Das Ergebnis war toll! Ein bernsteinfarbener Wein mit einem feinen, fruchtigen Aroma war entstanden. Der Alkoholgehalt war mäßig, ähnlich wie bei Bier lag er bei etwa vier bis fünf Prozent.

Meine „alte“ Freundin Berit aus Berlin war zu dieser Zeit bei mir zu Besuch. Als wir am Abend gemütlich zusammen saßen, kam mir die Idee ihr von dem besonderen Wein, dem Kastanienhof- Cuvée, das ist der mit dem Zuckezusatz, zu trinken zu geben. Berit genoss den Wein in nicht gerade kleinen Mengen und begann nach wenigen Minuten unser bis dahin recht angeregtes Gespräch in einer Sprache, die eine Mischung aus Finnisch und Suaheli zu sein schien fortzusetzen. Auch der Blick ihrer bis dahin klaren Augen veränderte sich merklich. Sie konnte plötzlich mit dem einen Auge zur Decke schauen und mit dem Anderen in ihrer Handtasche nach Kopfschmerztabletten suchen. Um weitere Mutationen zu verhindern habe ich dann den Ausschank meines Spezialcuvées eingestellt und nur noch naturbelassenen Wein hergestellt. Das Ergebnis meiner Weinherstellung hat mich übrigens so begeistert, dass ich begonnen habe Weinreben auf unserem Hof zu pflanzen. In ein bis zwei Jahren wird es dann hoffentlich die erste nennenswerte Traubenernte auf dem Kastanienhof geben und wenige Wochen danach den ersten richtigen Kastanienhof-Wein,...natürlich ohne Zuckerzusatz.


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