Anklage im Missbrauchsfall

Polizisten bewachten im Oktober das Haus des mutmaßlichen Täters.Vobo
Polizisten bewachten im Oktober das Haus des mutmaßlichen Täters.Vobo

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29. April 2010, 09:35 Uhr

Gadebusch | Die Staatsanwaltschaft hat beim Jugendschöffengericht gegen einen 22-Jährigen Anklage wegen des sexuellen Missbrauchs an zwei Kindern erhoben. Wie Staatsanwalt Ralph Ketelboeter mitteilt, wird dem Mann vorgeworfen, im Oktober 2009 an zwei Kindern in Gadebusch sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. Die beiden Mädchen im Alter von 9 und 11 Jahren sollen den Mann an dem Tag besucht haben, als er sich an den bekleideten Kindern vergriff. Dabei soll er den Mädchen auch Filme mit pornographischen Inhalten gezeigt haben.

Der Missbrauchsfall hatte für viel Aufsehen in Gadebusch gesorgt. Eltern forderten einen besseren Schutz ihrer Kinder vor Sexualstraftaten. Es kam zu einer Mahnwache vor dem Haus des mutmaßlichen Täters und auch eine Demonstration zu dem Thema wurde organisiert.

In einer Informationsveranstaltung, die die Gadebuscher Kirchgemeinde organisiert hatte, äußerte sich Opferanwältin Christine Habetha. Sie erklärte, dass etwa zwei Drittel der Missbrauchsfälle an Kindern in der Familie oder in deren engstem Umfeld stattfinden. Fälle, in denen Kinder von Fremden überfallen würden, seien die Ausnahme, die zum Beispiel die NPD ausnutze, um Angst in der Bevölkerung zu schüren.

Die Anwältin kritisierte, dass sich die Öffentlichkeit viel zu sehr mit dem vermeintlichen Täter, seiner Rolle in der Gesellschaft und mit seiner Zukunft beschäftige. "Es muss nach so einem Vorfall in erster Linie um das Opfer gehen. Ihm muss geholfen werden", so Habetha. Dazu müssten helfende Einrichtungen wie zum Beispiel der Weiße Ring besser in der Gesellschaft bekannt sein.

Auch auf die Forderung nach härteren Sanktionen, gar der Todesstrafe war die Anwältin eingegangen. "Grundsätzlich müssen wir das bestehende Recht nicht verschärfen, aber wir müssen uns die Anwendung des Rechts ansehen, denn es gibt territoriale Unterschiede", sagte sie. So würde ein Mann im Landgericht Hamburg, der eine Frau vergewaltigt hat, mit nicht unter sechs Jahren Haft bestraft. "In Schwerin würde er wahrscheinlich für die gleiche Tat nur drei bis vier Jahre bekommen."

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