Krach ums Hakenkreuz : Amt verschärft Regeln für Künstler

Fleischwolf des Anstoßes: Diese Installation mit zerkleinertem Hakenkreuz zeigt Armin Junghardt in Utecht.
Fleischwolf des Anstoßes: Diese Installation mit zerkleinertem Hakenkreuz zeigt Armin Junghardt in Utecht.

Nach Streit in Utecht hat das Amt Lauenburgische Seen für „Dörfer zeigen Kunst“ neue Regeln. Gemeinde hat sich wieder angemeldet

svz.de von
27. November 2015, 16:48 Uhr

Neue Runde im Krach ums Hakenkreuz: Das Amt Lauenburgische Seen verschärft die Spielregeln für die Aktion „Dörfer zeigen Kunst“. Nach dem Streit um zwei Installationen in Utecht erlegt das Amt den Künstlern nun neue Pflichten auf.

„Sollten Kunstwerke mit in Deutschland verbotenen Symbolen in der Ausstellung gezeigt werden, ist dieses der Gemeinde und dem Amt Lauenburgische See vor Ausstellungsbeginn anzuzeigen.“

In Utecht verstehen sie die Aufregung nicht. „Wir haben doch nichts ausgestellt, was verboten ist oder etwas verherrlicht“, sagt Claudia Ellmann-Lorenz. „Also warum diese neuen Regularien?“

In Ratzeburg wollen sie im nächsten Jahr auf Nummer sicher gehen. Sollte sich jemand schriftlich über ein Ausstellungsobjekt beschweren oder verbotene Symbole verherrlichend dargestellt sein, muss ein Sachverständiger eingeschaltet werden. Die Kosten hat der Künstler tragen. Um die 2000 Euro werden fällig.

Stein des Anstoßes waren Werke des Campowers Armin Blom genannt Junghardt. Er hatte sich kritisch mit dem Zweiten Weltkrieg und der Nazi-Herrschaft auseinandergesetzt. Ein Hakenkreuz wurde durch einen Fleischwolf gedreht, ein anderes stand auf einem Friedhof.

Kann man das falsch verstehen?

Der Leiter des Amtes in Ratzeburg, Werner Rünz, versucht die Entscheidung zu verteidigen. „Wir als Veranstalter bitten im Vorfeld um eine ausreichende Kommunikation.“ Es stecke keine böse Absicht dahinter. Doch man sei von der Diskussion in Utecht überrascht worden. „Wir wollen wissen, was ausgestellt wird“, sagt Rünz. „Damit solche Dinge nicht mehr passieren.“

Was das Amt in seinen Regularien festschreibt, erscheint widersinnig, denn rechtlich gesehen hat Künstler Bom genannt Junghardt nichts Verbotenes gezeigt. Das „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ wird im Paragraf 86a des Strafgesetzbuches geregelt. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Sollte so etwas etwas ausgestellt werden, ist das kein Fall für einen Sachverständiger, sondern für den Staatsanwalt. Außer: Es ist zu erkennen, dass das Hakenkreuz verfremdet ist. Eine „offenkundig und eindeutig“ Distanzierung zum Nationalsozialismus, so wie in Utecht, ist straffrei.

Uwe Neumann kennt sich mit Kunst aus. Er leitet die Rostocker Kunsthalle. Die SVZ hat ihm Bilder von Junghardts Installationen gezeigt. Verbotenes kann er nicht entdecken. „Die Werke provozieren, aber das sollen sie auch.“ Er wundere sich über die Diskussion. „Es wurden keine Grenzen überschritten. Nur weil sich jemand beschwert, einen Gutachter einzuschalten, finde ich überzogen.“

In Utecht lassen sie sich nicht beirren: Die Gemeinde hat sich wieder für „Dörfer zeigen Kunst“ angemeldet. Künstler Junghardt will auch mitmachen, weiß aber noch nicht so recht, was er zeigen soll. „Dann mache ich wohl Maikäfer“, sagt er und lacht.

Ein Thema will er sich im nächsten Jahr überlegen. Maikäfer werden es aber nicht.

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