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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. November 2017 | 02:17 Uhr

Dechow : Altes Mobiliar mit neuen Kleidern

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Raumausstatter Mario Pahnke plädiert für die Aufarbeitung von Möbelstücken

von
erstellt am 06.Mai.2015 | 23:56 Uhr

Altes muss längst nicht auf dem Sperrmüll. Davon ist Mario Pahnke aus Dechow überzeugt. Der Raumausstatter und Lederrestaurator peppt betagtes Mobiliar wieder auf. In seiner Werkstatt erhalten alte Möbelstücke eine eine zweite Chance. „Alte Stücke sind nicht selten Erinnerungen an besondere Menschen“, sagt der 51-Jährige. Er berichtet von Kunden, die alte Sessel vorbeibringen, in denen der Großvater Geschichten vorlas oder die Kinder auf der Armlehne saßen und zuhörten.

Aufmöbeln statt entsorgen, die Umwelt weniger belasten, lautet seine Devise. Bei der Aufarbeitung dreht es sich nicht ausschließlich um den betagten Ohrensessel. Selbst moderne Couchgarnituren lassen sich mit neuen Bezügen und Polstern wieder in Form bringen.

Angebote, die die Müllberge in Deutschland verringern helfen könnten. Grund: Die Deutschen sind Weltmeister im Wegwerfen, produzieren im Schnitt 450 Kilogramm Müll im Jahr. Im Vergleich zu den Vorjahren stieg das Sperrmüllaufkommen im Nordwestkreis um 1200 auf 4252 Tonnen (wir berichteten). Ein Ergebnis, das zumindest teilweise dem Wunsch nach trendigem Wohnen geschuldet sein dürfte.

Bei Pahnke ist handwerkliche Arbeit, eine Form von Nachhaltigkeit, die so einige Menschen zu schätzen wissen. „Bringen die Leute mir ihre Möbelstücke in die Werkstatt, ist das der Abschluss eines Findungsprozesses“, sagt der Dechower. Im Vorfeld werden Muster auf einer virtuellen Couch auf seiner Internetseite ausgesucht und angepasst. Es ist die moderne Welt des Berufsbildes Polsterer, die seit den 1960er-Jahren den Titel Raumausstatterhandwerk trägt. Zimmergestaltung bildet bei Pahnke nicht den Schwerpunkt. Er liebt in seinem Beruf die Vielseitigkeit. Beim Erzählen setzt er die Stoffschere an und schneidet einen roten und mit Mustern versehenden Stoff auf Breite. Es sind die neuen Bezüge, die Seitenteile eines Sofakissens.

Ein eher barocker Sessel steht im Eingangsbereich. „Die Polsterung besteht aus Pferdehaar, die weißen Nähte im Unterbezug bringen die Festigkeit“, so Pahnke. Oben drauf kommt womöglich ein strapazierfähiger Bezug – ein Webstoff aus Baumwolle und Pferdehaar. Eine Kombination, die neben Festigkeit und Langlebigkeit für ein edles Erscheinungsbild sorgt.

Nicht einmal betagtes Leder müsse auf den Sperrmüll. „Nähen, kleben, färben – alles ist möglich“, sagt Pahnke und zeigt Arbeitsbilder von der Aufarbeitung einer Sitzgarnitur der Reihe Mercedes 300 Adenauer. Das Ziel sei keine Neubezug, sondern ein guter gepflegter Zustand, so Pahnke. Ähnlich sei er bei der Restaurierung eines ledernen Blasebalgs vorgegangen.

Nach seiner Ausbildung und Mitarbeit in einem Lübecker Einrichtungshaus arbeitet Mario Pahnke seit 2011 in seiner Dechower Werkstatt.

 

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