Von Herrnburg bis nach Korea : Alte Klänge für die Welt

Geigenbauer Bernhard Ritschard bleibt den Traditionen treu. Jede Geige ist ein Einzelstück und von Hand gefertigt.  Fotos: Tore Degenkolbe
Geigenbauer Bernhard Ritschard bleibt den Traditionen treu. Jede Geige ist ein Einzelstück und von Hand gefertigt. Fotos: Tore Degenkolbe

Der selbstständige Geigenbauer Bernhard Ritschard fertigt seine Instrumente auf ursprüngliche Art und Weise

svz.de von
19. September 2017, 05:00 Uhr

180 Stunden. So lange arbeitet Bernhard Ritschard durchschnittlich daran, aus einem Stück groben Holzes eine Geige zu machen – ganz traditionell, ohne Maschinen. „Ich bin ein Ein-Mann-Betrieb. Vom Baum bis zum fertigen Produkt und der Vermarktung läuft alles nur über mich“, sagt der gebürtige Schweizer. Seine kleine Werkstatt hat er in einem denkmalgeschützten Haus in Herrnburg aufgebaut, seine Kunden aber stammen aus der ganzen Welt.

Ritschard stellt nicht irgendwelche Geigen und Kontrabasse her. Es sind historisch korrekte Instrumente, die denen aus der Zeit von Barock bis Frühklassik nachempfunden sind. „Alte Musik sollte auch auf alten Instrumenten gespielt werden“, sagt er. Denn moderne Geigen verzerren die für alte Instrumente geschriebene Stücke geringfügig. Wer wirklich Wert auf den Ursprungsklang legt, der greift zur handgemachten Geige von Ritschard – und etwas tiefer in die Geldbörse. „Eine Geige beginnt ab 10  000 Euro und kann bis zu 12  000 Euro kosten. Eine historische Bratsche – also eine größere Geige – bis zu 30  000 Euro“, erklärt der Schweizer.

Etwas über die Hälfte seiner Kunden kommen aus Deutschland. Vor allem Berufsmusiker, die sich auf historische Musik spezialisiert haben, gehören zum Kundenstamm. Aber auch Hochschulen und deren Studenten beauftragen den Geigenbauer mit der Fertigung von Instrumenten. Eigentlich habe er aber überall in der Welt Auftraggeber. Der wohl bemerkenswerteste Kundenstamm komme aus Korea, sagt Ritschard.

Der Schweizer fertigt aber nicht nur Auftragsarbeiten an. Manchmal überlegt er sich auch ein Instrument zu einer bestimmten Zeitspanne. „Für mich ist wichtig, dass ich das Holz zum Klingen bringen kann“, sagt Ritschard. Dann baut er ein Instrument nach seinem eigenen Gutdünken zusammen und bietet es zum Verkauf. Die Arbeit mache ihm Spaß, sagt er. Dazu gehören neben dem Formen des Holzes auch das Abhobeln der Oberflächen im Kleinstformat. „Bei den Krümmungen geht es um Zehntelmillimeter.“ Die dafür verwendeten Hobel haben die Größe von Daumen, so fein muss gearbeitet werden.

Feine Arbeit war auch bei einem ihm in Erinnerung gebliebenen Auftrag unablässig. „Die Vorlage für die anzufertigende Geige war ein altes Ölgemälde“, erinnert sich Ritschard. Das stellte den Schweizer noch vor eine größere Herausforderung, als der Nachbau von Museumsstücken.

Als Hersteller historischer Geigen wird Ritschard oft nach dem bekanntesten Instrumenten-Hersteller Antonio Stradivari und dessen Geheimnis gefragt. Dessen Geigen werden schließlich für Millionen gehandelt. „Ich glaube, er hatte damals einfach nur ein gutes Marketing betrieben“, sagt Ritschard. Denn Stradivaris Arbeitsarten unterschieden sich kaum von seinen eigenen. In einer 500-jährigen Tradition verändert sich nun einmal nicht sehr viel.

Übrigens: Ritschards Rekordbau einer Geige liegt bei zwei Wochen. „Das war dann aber auch Tür abschließen und durch. Danach war ich erledigt.“

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