Bestandsaufnahme in den Biosphärenreservaten : Alte Haustierrassen sterben aus

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In Klein Salitz zeigte Schäfer Detlev Mohr (2.v.l.) Mitglieder der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen einen Teil seines Tierbestandes. Iris Weiß

In Deutschland drohen immer mehr alte Haustierrassen auszusterben. Allein in diesem Jahren stehen 90 Rassen auf einer Roten Liste, wie die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen informierte.

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27. Juni 2012, 10:29 Uhr

Kneese/Klein Salitz | In Deutschland drohen immer mehr alte Haustierrassen auszusterben. Allein in diesem Jahren stehen 90 Rassen auf einer Roten Liste, wie die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) in Kneese informierte. Davon betroffen sind seltene Rassen von Schweinen, Rindern, Ziegen, Schafen, Pferden, Hunden und Geflügel. Weltweit würde , so die GEH, alle zwei Wochen eine alte Nutztierrasse verloren gehen.Immerhin: Es gibt mit dem Arche-Hof Kneese noch Orte, in denen sich beispielsweise eine Rotte Sattel-Anglerschweine buchstäblich sauwohl fühlen können. In Klein Salitz betreiben Pommersche Landschafe und weiß gehörnte sowie weiße hornlose Heidschnucken erfolgreich Landschaftspflege. Rassen, die ebenfalls auf dieser Liste stehen.

Derzeit sind Mitglieder der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen dabei, alle 16 Biosphärenreservate in Deutschland zu besuchen und eine Art Bestandsaufnahme zu machen. Die Frage, ob in diesen Reservaten eventuell mehr alte Haustierrassen zu finden sind, wird dabei untersucht. "Etwa 50 bis 60 alte Haustierrassen haben wir im Gebiet der Biosphäre Schaalsee", verdeutlicht Dezernentin Heidrun Schütze vom Amt für das Biosphärenreservat. Fachleute wie Bringfried Schulz aus Rostock, Ansprechpartner für die Regionalgruppe der GEH in MV, Annegret Walter vom Hybridschweinezuchtverband aus Malchin oder Christiane Profittlich vom Schweriner Landwirtschaftsministerium sind sich einig, dass die Erhaltung eng mit der Nutzung dieser Rassen zusammenhängt. Doch die Produkte dieser Tiere stimmen oft nicht mit den allgemeinen Verbraucherwünschen überein. Alte Schweinerassen sind zu fett. An den Schafen dagegen sei nichts dran und auch die Wolle wäre zu kratzig und rau, bestätigt der Klein Salitzer Schäfer Detlef Mohr. Kenner schätzen dagegen das marmorierte geschmackvolle Fleisch alter Schweinerassen oder den extra wärmenden Wollschutz aus der Region.

Viel Aufklärung bei den Verbrauchern, Zusammenarbeit der Züchter und Halter aber auch die Unterstützung durch Behörden sind nötig, um die Erhaltung als Genreserve und Kulturgut stabiler zu gewährleisten. Solche Vor-Ort-Termine tragen dazu bei. "Ich freue mich über die Gelegenheit, andere Halter und Züchter kennen zu lernen", erzählte zum Beispiel Viola Garnetzke aus Seewalde. Vor anderthalb Jahren hat sie einen Hof übernommen und züchtet verschiedene alte Haustierrassen. Hier knüpfte sie nun Kontakte und informierte sich über Fördermöglichkeiten.

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