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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 02:06 Uhr

NABU-Aktion : Alte Apfelsorten haben es in sich

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Informationstag in Lützow-Horst betonte die ökologische Bedeutung von Streuobstwiesen

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2014 | 23:06 Uhr

Die Sonne schien, aber der Wind pfiff und schreckte anscheinend manchen davon ab, zum Apfeltag nach Lützow-Horst zu fahren. Fast 3000 Besucher hatte die Veranstaltung im vergangenen Jahr angezogen, bei strahlend warmem Herbstwetter. Die Gastgeber nahmen es gelassen: „Wir freuen uns über jeden, dem wir die ökologische Bedeutung von Streuobstwiesen näher bringen können. Im einen Jahr sind es eben mehr, im anderen weniger.“ Seit 2009 laden Nabu und die AG Streuobst in die Schaalsee-Mosterei der Familie Bergmann ein und lassen Besucher hautnah miterleben, wie sich handgepflückte historische Apfelsorten nach alter Väter Sitte in köstlichen, sortenreinen Apfelsaft verwandeln. Abgefüllt ausschließlich in Glasflaschen, werden daraus Saftdelikatessen, die man inzwischen sogar in Hamburg oder Lübeck kaufen kann.

Heike Bergmann und Ulf Gritzka-Bergmann sind Apfelbauern, die sich Umweltverträglichkeit auf die Fahne geschrieben haben. Mit dem Kauf des Hauses kam der Obstgarten. Heute ernten sie in Lassahn 150 historische und rare Apfelsorten, pressen mehr als 50 verschiedene Sorten-Säfte. Viele dieser Früchte sind auf dem Apfeltisch zu sehen. Der seltene Königlich-Kurzstiel beispielsweise und der aromatisch duftende regionale Filippa. „Das hier“, erklärt Heike Bergmann und zeigt auf einen großen, sattroten Apfel, „ist der Rote Eiserapfel, auch Roter Krieger genannt. Er schmeckt etwas fad, macht aber einen wunderbaren bananenartigen Saft.“ Das Besondere: Als einziger Apfel ist er bei natürlicher Lagerung zwei Jahre ohne Qualitätsverlust haltbar. Zu kühlschrankfreien Zeiten ließen sich damit auch mal schlechte Erntejahre überleben. Der schmackhafte Holsteiner Cox war zwar im benachbarten Lauenburgischen weit verbreitet, nicht aber in Mecklenburg. Alte Apfelbaumbestände zeichnen diese Grenze nach.

Mit von der Partie sind auch Jakob Lebel, Zabergaurenette, Ontario und Finkenwerder Herbstprinz. Wer wollte, konnte sie und andere verkosten. Schon beim ersten Schluck offenbart sich die Kluft zwischen den handgepressten Sortensäften und Industrieware. Intensiv und keine zwei gleich im Geschmack. Hundert Kilo Schreddermasse aus handverlesenen, ausschließlich reifen Äpfel pro Fuhre verarbeitet die Packpresse zu ungefähr 70 Litern Saft, der zusammen mit den wertvollen natürlichen Schwebstoffen abgefüllt wird. Nur kurz auf 80 Grad erhitzt, dann schnell wieder unter 60 Grad runtergekühlt sind die Säfte weniger Getränk als gehaltvolles Nahrungsmittel auf dem Niveau eines guten Weines. Fast 1,5 Kilogramm Apfel passen in die Ein-Liter-Flaschen. „Ausgereifte Äpfel geben etwas weniger Saft, sind aber wesentlich geschmacksintensiver“, erklärt Ulf Gritzka-Bergmann.

Mit zunehmendem Alter bieten die vitalen alten Hochstämme historischer Sorten ganzen Ökosystemen Platz. Sie sind gesünder und die Bestände kommen ohne Chemie aus. Zugegeben, die ausladenden Baumkronen sind nicht leicht abzuernten. Aber das schreckt Mathias Kaun aus Zarrentin nicht ab. „Wir wollten unbedingt eine alte Sorte vor dem Haus stehen haben. Wir haben uns für die Seester Zitrone entschieden, einen guten Saft- und Essapfel.“ Wer schon einen alten Baum im Garten hatte, aber nicht wusste, wie dessen Äpfel heißen, dem konnte Pomologin Dr. Ute Hoffmann-Detering diesmal ohne lange Wartezeiten weiterhelfen.

So war am Ende jeder zufrieden. „Im vergangenen Jahr konnte man kaum einen Fuß vor den anderen setzen“, erinnert sich Heike Bergmann. Und trotz der gegenüber dem Vorjahr deutlich geringeren Besucherzahl kamen auch die Aussteller wie Töpferin Nadja Bierbaum auf ihre Kosten. „Es war ein schöner Tag“, zog sie Bilanz.



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