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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. Oktober 2017 | 04:45 Uhr

Neuendorf : Alt werden auf dem Lande

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Elisabeth von Randow plant Wohnkomplex mit reichlich Betätigungsfeldern für Senioren in Neuendorf.

von
erstellt am 04.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Der Nordwesten altert schneller als bislang angenommen. Bis 2030 leben im Landkreis rund 20 000 Menschen im Alter zwischen 60 bis 74 Jahren und darüber hinaus. Das sagt der von der Kreisverwaltung in Auftrag gegebene Pflegesozialplan aus (wir berichteten).

Menschen wie Elisabeth von Randow (53) aus Neuendorf wollen dem demografischen Wandel mit neuen Wohnprojekt-Ideen begegnen, den Senioren mögliche Ängste vor dem Alt- und Alleinsein nehmen. Gemeinschaft heißt bei ihr der Schlüssel für ein vitales Miteinander jenseits der 70.

Sie plant in Neuendorf das Projekt „Wohnen mit Service“, das älteren Menschen Gewohntes als auch Liebgewonnenes erhält. Genau diese Tendenz bildet auch der am Dienstag in der SVZ vorgestellte Pflegesozialplan des Kreises ab: „Ziel ist die Vermeidung oder Verzögerung eines Heimeinzugs.“

„Ältere Menschen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Ihr Alltag sollte aus mehr als nur Spielerunden bestehen, damit ihr Leben erfüllt ist“, sagt von Randow. Genau das wolle sie im „Wohnen mit Service“ umsetzen.

Kernstück bildet ein aus 24 Wohneinheiten bestehender Gebäudekomplex, der in direkter Nachbarschaft auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom Hof-Cafe entstehen soll. „Es handelt sich um einzelne Gebäude, mit jeweils bis zu vier Wohneinheiten“, so von Randow. Wer Kleintiere halten oder sich im Garten bestätigen möchte, erhält dazu direkt vor der Terrassentür die Möglichkeit. Zum Gebäudekomplex gehören zentral gelegene und mit Küche ausgestattete Gemeinschaftsräume. Ein Angebot an Menschen, die auf dem Lande leben und dort in der Gemeinschaft auch alt werden möchten.

Zur Anwendung kommt das Genossenschaftsmodell, in dem Senioren Anteile erwerben. Damit lasse sich arbeiten. Nach dem Tod kommen die Anteile zur Auszahlung an die Hinterbliebenen.

Elisabeth von Randow ist voller Tatendrang. Sie plant ein dörfliches Zentrum mit Betreuung.

Was sie antreibt, sind teils ihre eigenen Erfahrungen als Angestellte der häuslichen Tagespflege. „23 Jahre war ich im Krankenhaus tätig, erhielt verschiedenste Einblicke in die Bedürfnisse älterer Menschen.“

Sie sieht in der Betreuung von Senioren wichtige Impulse für den Arbeitsmarkt, denn das Alter sei das Geschäft der Zukunft. „In Ratzeburg arbeiten zahlreichen Menschen aus MV im Gesundheitsdienst. Ich denke, dass nicht wenige auch eine Arbeit vor der Haustür wahrnehmen wollen“, sagt die Neuendorferin.

Sie sieht die Pflege älterer Menschen als das große Thema der Gesellschaft. „Die Politik hat das erkannt und im Bundestag die notwendigen Gesetze verabschiedet, die wiederum Investitionen und Förderungen umfassend im Bereich Pflege ermöglichen“, sagt von Randow. Folglich erhalte auch sie die Chance in Neuendorf ein Projekt für altersgerechtes Wohnen zu etablieren. Die Ergebnisse des Pflegesozialplanes bestärken sie darin, mit neuen Wohnformen einer Unterbringung in Heimen vorzubeugen, Altersarmut entgegenzuwirken und Lebensqualität zu schaffen.

Der hiesige Mangel beflügelt sie: „In Schleswig-Holstein gibt es 47 genossenschaftliche Projekte. In MV bislang keines.“ Wissenschaftliche Unterstützung erhält sie von der Universität Rostock, die eine Bedarfsanalyse im Bereich Gadebusch-Lützow erarbeitet. Noch in diesem Jahr will sie die Planungen für „Wohnen mit Service“ in Neuendorf zum Abschluss bringen, damit Weihnachten 2016 die ersten Mieter einziehen.

 

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