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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 15:12 Uhr

Slate : Als der Fährmann noch übersetzte

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die kürzeste Fährlinie Deutschlands wird seit Jahren nicht mehr befahren / Ehepaar Schulz will Geschichte wieder aufleben lassen

von
erstellt am 24.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Die zwei alten Boote liegen ruhig im Wasser. Nur der Wind bewegt die Kähne und lässt sie sanft hin und her schaukeln. Sie sind abgenutzt, an vielen Stellen kommt der Rost hervor. Gefahren wurden die Boote schon lange nicht mehr, sie liegen bereits mehrere Jahre festgebunden an der alten Fährverbindung zwischen Parchim und Slate. „Hier war früher mal eine wichtige Straße“, weiß Edda Schulz. „Damals sind viele Truppen über diesen Weg in den Krieg gezogen und später war die Verbindung über die Müritz-Elde-Wasserstraße eine wichtige Handelsroute.“

Seit Ende 2012 wird auf der wohl kürzesten Fährlinie Deutschlands jedoch kein Passagier mehr übergesetzt. Rund 30 Meter misst der Abstand von einem Ufer zum anderen. „Wir hatten hierfür immer einen Fährmann, der Urlauber und auch Einwohner über den Fluss fuhr“, so Schulz. Er wohnte am Fluss. Sobald jemand übergesetzt werden wollte, war er zur Stelle. „Damals hat er sogar seine eigenen Kinder so zur Schule gebracht. Ein Boot war für den privaten Gebrauch und eines für die Gäste“, erinnert sich Edda Schulz. Gerufen wurde der Fährmann mit einer roten Glocke aus Eisen. „Wenn die Glocke geläutet wurde, haben wir das bis zu unserem Haus gehört. Gerade im Sommer war immer sehr viel los hier.“

Doch heute läutet keiner mehr die Glocke und auch kein Fährmann setzt noch über. „Seitdem unser alter Fährmann in den Ruhestand gegangen ist, haben wir keinen neuen mehr gefunden“, so die Slaterin. „Wer Interesse an dieser Aufgabe hat, kann sich gerne bei der Stadt melden“, fügt Peter Schulz hinzu.

Das Ehepaar aus Slate interessiert sich sehr für die Geschichte ihrer Heimat. Und beide lassen einen Teil der Vergangenheit auch wieder aufleben. In einem massiven Abstellschuppen des ehemaligen Bahnhofes errichteten sie ein traditionelles Waschhaus. Alle Ausstellungsstücke, die hier gezeigt werden, sind Spenden von Bürgern. „Viele Sachen unserer Sammlung wurden von den Anwohnern auf ihren Böden oder Kellern gefunden“, so Schulz. Sogar eine mecklenburgische Rollenwaschmaschine befindet sich unter den Ausstellungsstücken. Im Mai 2009 konnte der Waschkessel das erste Mal angeheizt werden und somit wurde die „erste Waschsaison“ eingeläutet. „Seitdem feiern wir jedes Jahr am ersten Samstag im Mai unser traditionelles Waschhausfest“, erzählt die Waschfrau. Besonders für Kinder ist die Ausstellung ein interessanter Einblick in die harte und anstrengende Arbeit von früher. „Schön ist aber auch, wenn ältere Menschen in unserem Waschhaus feststellen, dass sie vieles aus ihrer Jugend noch kennen.“

Die Geschichte in dem alten Waschhaus in Slate lebt weiter. Dass wünscht sich das Ehepaar Schulz auch für die kürzeste Fährlinie Deutschlands zwischen Parchim und Slate. Es muss sich nur ein neuer Fährmann finden, der die Kähne wieder übersetzt, wenn die rote Glocke erklingt.

 

 

 

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