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Lale Rohrbeck berichtet aus einer ehemaligen Krisenregion : Aids-Aufklärung in Nord-Uganda

vom

Eine Reise nach Uganda, die nicht im Zeichen von Urlaub und Entspannung steht. "Hilfe zur Selbsthilfe" lautet das Motto des Entwicklungshilfeprojekts, an dem die 19-jährige Abiturientin aus Rögnitz mitarbeitet.

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erstellt am 14.Jan.2011 | 11:20 Uhr

Rögnitz/Kampala | Zwölf Monate Afrika, ein Jahr fernab der Heimat - nun geht das Abenteuer bald zu Ende. Eine Reise vom Schaalsee an den Viktoriasee nach Uganda, die nicht im Zeichen von Urlaub und Entspannung steht. "Hilfe zur Selbsthilfe" lautet das Motto des Entwicklungshilfeprojekts, an dem die 19-jährige Abiturientin aus Rögnitz mitarbeitet. Von ihrer Arbeit aus Afrika berichtet sie in loser Folge:

Endlich habe ich mich dazu entschlossen einige Mitarbeiter meiner Organisation YSA (Youth Social Work Assiciation),für eine Woche zu einem Trip in den Norden zu begleiten. Eines der Dinge, die ich unbedingt noch tun wollte, bevor ich Uganda wieder verlasse. Das YSA- Hauptbüro befindet sich zwar in Kampala, die Projekte werden jedoch dort nur geplant und im Norden des Landes ausgeführt. Kitgum, Gulu, Pader, Lira und Dokolo gehören zu den Orten, an denen es bereits YSA-Projekte gibt oder geben wird.

Bis vor einigen Jahren galt der Norden Uganda`s noch als eines der "vergessenen Krisengebiete der Welt". Grund dafür ist die "Lord´s Resistance Army" (LRA, Widerstandsarmee des Herrn),eine Gruppe von Rebellen, die in Afrika für den längsten bewaffneten Konflikt überhaupt verantwortlich ist.Dem Anführer Joseph Kony zufolge, kämpft die 1987 gegründete Organisation für den Umsturz der Regierung des ugandischen Präsident Museveni und für die Errichtung eines Gottesstaates auf Basis der zehn Gebote. Ihr Kampf richtet sich vor allem gegen die Zivilbevölkerung, mit unbeschreiblicher Brutalität. Erst nach 20 Jahren wurde 2008 ein Waffenstillstand mit der ugandischen Regierung unterzeichnet. Bis heute gibt es jedoch etliche neue ungeklärte Fälle von Massakern in Ostafrika.

Auch im Zusammenhang dieser Konflikte unterstützt die YSA bedürftige Familien in den genannten Regionen.

Der jetzige Trip führt uns nach Dokolo. An Bord ist eine Mitarbeiterin aus der Finanzabteilung, die Zuständige für Projektauswertung und gleichzeitig meine Mentorin, mein Mitfreiwilliger aus Deutschland, sowie ein Sozialarbeiter, der auch den YSA-Van fährt. Die Fahrt von Kampala dorthin dauert circa fünf Stunden, es ist noch eins der näheren Projekte. Die Straße ist extrem gut, im Rahmen der anstehenden Wahlen im Februar werden zur Zeit viele Straßen erneuert um Stimmen zu bekommen. Die nach Dokolo ist eine davon. Je weiter wir in den Norden kommen, desto heißer wird es, die Landschaft wird flach, die Vegetation strauchartiger, jedoch immer noch sehr grün und üppig. Wir erreichen Dokolo um sieben Uhr abends, es wird dunkel und neben unserem Hotel, im Sonnenuntergang, schlängelt sich eine rote Sandstraße dem Horizont entgegen. Das Hotel ist für die Verhältnisse hier extrem luxuriös und neu, alles ist gefliest, es gibt Zimmer mit eigenem Bad und Fernseher. Dokolo gehört zu einer der ärmeren Gegenden Ugandas, das ist auch deutlich an den Wohnverhältnissen und der Kleidung der Menschen zu erkennen. Der Unterschied zu Kampala ist immens. Am nächsten Morgen geht es mit dem Van zum Büro. Dieses ist von "Dokolo-Town" (bestehend aus einem Mini-Kreisverkehr und vier Mini- Straßen) nochmal 30 Minuten entfernt und liegt, aus meiner europäischen Sicht, im absoluten Nichts. Die Sandstraße dorthin wird immer enger und schlechter, anliegende Häuser sind die typischen Lehmrundhütten, es gibt keinen Strom (im Büro einen Generator), und zu meiner großen Überraschung ist es möglich mit den Van durch Wasserlöcher und Busch zu fahren. Der Van ist ein klappriger Kleinbus, dieselbe Art wie die Taxis in Kampala, der gleiche verkommene Zustand. Kein Wunder bei den massiven Schlaglöchern Kampalas und dann den Zuständen im Norden.

Im Büro angekommen warten wir erstmal. Auf was oder wen? Weiß keiner so genau. Warten ist definitiv Hauptbestandteil der Arbeit hier, auf dem Land nochmal mehr als in Kampala. Alles geschieht sehr langsam oder nicht. Ich denke, dafür gibt es verschiedene Gründe, zum Beispiel mangelnde Versorgung ( kein Internet, kein Strom, kein Wasser, kein Benzin, kein Essen, kein Büromaterial), Wetter (Komplettuntergang der Straßen bei Regen, extreme Hitze, die zur Verlangsamung der Gehirnprozesse führt, zumindest bei mir) und natürlich die damit zusammenhängende afrikanische Mentalität (mpola, mpola-langsam,langsam).Zeit spielt hier eine andere Rolle.

Nachdem mein Mitfreiwilliger und ich also lange gewartet haben - die anderen waren mehr oder weniger im Büro beschäftigt - beschließen wir etwas zu essen zu besorgen. Das ist circa um 2 Uhr nachmittags. Vier Stunden später finden wir uns auf Schemeln in einer dunklen Lehmhütte wieder, das einzige "Restaurant" weit und breit. Es gibt sogar ein Menü, mit Kreide an die Wand gemalt. Davon ist aber eh nichts da. Das macht gar nichts, wir haben Hunger und essen was auf den Tisch kommt. Das ist dann sogar mehr als genug: Reis, ein frisch geschlachtetes Riesenhuhn in Suppe und Kalo, ein fester Brei aus Millet, einer lokalen Mehlart.

Ein bisschen wie Knete, auch geschmacklich wie ich finde. Gegessen wird mit den Händen. Wir sind zehn Leute und zahlen pro Kopf 2000 Uganda Shilling, das entspricht ungefähr 70 Cent. Wir bedanken uns bei der Mama und sind bereit für die nächste Mission: Einen Aidsaufklärungsfilm in einem der umliegenden Dörfer zeigen.

Wie das ablief, lesen Sie in der nächsten Folge.


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