WIRTSCHAFT : Agrarbetriebe für Zukunft gerüstet

 

 

Unternehmensnachfolgen in Nordwestmecklenburg scheinen nach Angaben des Kreisbauernverbands weitestgehend geklärt

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17. August 2015, 23:11 Uhr

Gute Nachrichten aus der Landwirtschaft: Während vor allem in vielen Handwerksbetrieben des Nordwestkreises das Problem der Unternehmensnachfolge nicht nur näherrückt, sondern bereits unmittelbar bevorsteht, stellt sich dieses im Agrarsektor offenbar nicht. „95 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe haben sich darauf ausgerichtet, junge Leute für die Hofübergabe auszubilden“, erklärt Jörg Haase.

Der Vorstandsvorsitzende des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg besuchte erst in der vergangenen Woche zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe der Region und zeigte sich überrascht. Denn in den meisten familiengeführten Unternehmen werde die Nachfolge bereits intern geregelt. Und Genossenschaften oder juristische Personen wie Aktiengesellschaften gingen gezielt dazu über, junge Leute für die Führungsebene ausbilden zu lassen oder schauen sich an der Hochschule Neubrandenburg, die in landwirtschaftlichen Studiengängen ausbildet, nach potenziellem Führungsnachwuchs um.

Doch die große Mehrheit der künftigen Leitungsebenen kommt zut circa 90 Prozent aus den Familien selbst. „Das liegt in der Verbundenheit zum Territorium begründet“, erklärt Jörg Haase. Bodenverbundenheit, Kenntnisse über Pachtflächen, Bodenqualitäten – Fremde und Ortsunkundige müssten all dies erst kennenlernen. Dies sei für sie ein klarer Nachteil.

Dennoch empfiehlt der 54-Jährige jungen Leuten, die mit der Übernahme eines landwirtschaftlichen Betriebes liebäugeln, sich vorher gut zu informieren. „Interessenten sollten sich einen landwirtschaftlichen Betrieb mit einem Mitte 50-jährigen Betriebsleiter aussuchen, sich vorstellen und dann viel Geduld mitbringen“, so der Vorstandsvorsitzende der Agrar AG Gadebusch. „Denn man braucht gut zehn Jahre, um jeden Quadratmeter kennenzulernen und den Betrieb richtig zu verstehen.“ Im eigenen Unternehmen sei die Nachfolge bereits gesichert. „Wir bereiten einen jungen Mann im dualen Studiengang auf die Übergabe vor.“

In Nordwestmecklenburg gibt es derzeit rund 320 landwirtschaftliche Betriebe. Davon sind 225 Mitglied im Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern. Dort kennt man die Problematik der Unternehmensnachfolge nur zu gut. „Das muss man sehr differenziert betrachten“, sagt Dr. Martin Piehl. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands mag die positiven Nachrichten aus dem Nordwestkreis jedoch nur mit Vorsicht zur Kenntnis nehmen. „Warum soll das dort anders aussehen als im Rest des Landes? Ich kann mir höchstens durch die Nähe zu Schleswig-Holstein erklären, dass hier Unternehmensnachfolgen schneller geklärt werden können als anderswo.“

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