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Schimpftiraden in Wismar : Afrikaner fremdenfeindlich angepöbelt

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Nach einem Sprachkurs wurden Asylsuchende mit ausländerfeindlichen Parolen konfrontiert. Ermittlungen im Fall Kirch Grambow dauern an

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erstellt am 25.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Im Landkreis Nordwestmecklenburg sind erneut Flüchtlinge verbal attackiert worden. So ist eine Gruppe Afrikaner in Wismar mit ausländerfeindlichen bzw. rassistischen Parolen beschimpft worden. Die Afrikaner hatten zuvor einen Sprachkurs im Gebäude des Vereins „Das Boot“ beendet. Vor dem Haus kam es dann zu den massiven Pöbeleien.

„Während eine tatverdächtige Person auf der Straße in Richtung der Gruppe den rechten Arm zum so genannten Hitlergruß hob und unter anderem mehrfach die Worte ,Sieg Heil!‘ und ,Heil Hitler!‘ rief, wurde sie durch einen weiteren Tatverdächtigen aus dem offenen Fenster eines in unmittelbarer Nähe befindlichen Hauses heraus in gleichgerichteter Art und Weise lautstark unterstützt“, sagte gestern Gilbert Küchler vom Polizeipräsidium Rostock. Nach ihren Angaben verdichtet sich gegenwärtig der Tatverdacht gegen zwei namentlich bekannt gemachte männliche Personen aus Wismar. Gegen das Duo wird nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.

Die beiden Männer stritten bislang zwar jegliche Teilnahme an der Straftat ab. „Da sich der Sachverhalt im Altstadt- bzw. Einkaufsbereich ereignete, ist davon auszugehen, dass weitere Personen sachdienliche Hinweise zu den Tätern bzw. zum Ablauf der Straftat geben können“, so Gilbert Küchler.

Der Ton gegenüber Flüchtlingen wird derweil immer rauer. Dabei bleibt es nicht nur bei verbalen Attacken. So hat es in MV allein im vergangenen Jahr 49 politisch motivierte Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte in MV gegeben. „In 17 Fällen konnten 30 Tatverdächtige ermittelt werden. In weiteren Verfahren dauern die Ermittlungen an“, sagte gestern Marion Schlender vom Innenministerium.

Nach wie vor ermittelt die Polizei auch im Fall von Kirch Grambow. Dort hatten unbekannte Täter im Januar dieses Jahres einen Wohnblock angegriffen, in dem 40 Menschen aus Syrien leben. Die Täter warfen mit bis zu 15 Zentimeter großen Straßensteinen die Fensterscheiben ein. In einem Fall wurde die Wohnung einer 90-Jährigen deutschen Frau beschädigt.

Bearbeitet wird der Fall von der Kriminalpolizeiinspektion Schwerin. „Derzeit stehen noch Vernehmungen aus“, sagte eine Polizeisprecherin auf Anfrage.

Wedendorfersees Bürgermeister Hans-Werner Gaul sprach nach dem Angriff auf den Wohnblock in Kirch Grambow von einem traurigen Tag für die Gemeinde. Er bezeichnete es als Schande, dass es Menschen in der Gesellschaft gebe, die solche Taten begehen. „Gewalt, Hass und Fremdenfeindlichkeit haben in unserer Gemeinde Wedendorfersee keinen Platz“, so das Gemeindeoberhaupt. Der Fall Kirch Grambow wird von der Kriminalpolizeiinspektion Schwerin bearbeitet. Derzeit leben in Nordwestmecklenburg 1713 Flüchtlinge. Sie konnten in der zentralen Unterkunft in Wismar sowie in derzeit rund 280 Wohnungen untergebracht werden.

Stimmung gegen Flüchtlinge wird seit Monaten in Nordwestmecklenburg gemacht. Deutlich wurde dies zuletzt bei einer MVgida-Demonstration in Grevesmühlen. Auf Plakaten waren Worte wie „IS-Schlächter“ oder „Massenvergewaltiger“ zu lesen.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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