Wismars erster Kindergarten hatte Geburtstag : Ältester Kindergarten ist 150 Jahre alt

Die Kita in der Neustadt im Jahre 1925. Damals hatte die Kita nach drei Jahren Pause wegen der Finanzkrise gerade wieder eröffnet. Die Kinder waren schlecht genährt.
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Die Kita in der Neustadt im Jahre 1925. Damals hatte die Kita nach drei Jahren Pause wegen der Finanzkrise gerade wieder eröffnet. Die Kinder waren schlecht genährt.

Der älteste Kindergarten Mecklenburg-Vorpommerns befindet sich in Nordwestmecklenburg. Der 150. Kita-Geburtstag wurde groß gefeiert.

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17. September 2012, 08:43 Uhr

Wismar | Das Haus in der Neustadt 24 hat Geschichte geschrieben. Das Gebäude gilt als erster öffentlicher Kindergarten Wismars und als ältester Kindergarten in Mecklenburg-Vorpommern. Nun feierte das Haus seinen 150. Geburtstag, es ist heute in Trägerschaft des Vereins "Elterninitiative Wismar".

Rückblick: Die Arbeiterfamilien, die sich damals kein Hausmädchen leisten konnten, brauchten eine Kinderbetreuung. Bereits 1839 entstand deswegen in der ABC-Straße eine "Kleinkinderschule". Mit einem Betreuungsschlüssel, an den Eltern von heute gar nicht denken wollen - 100 Kinder auf drei Lehrkräfte und eine Hilfskraft. Ziel war es, "die Kinder solcher Eltern, welche durch ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen mussten und daher ihre kleinen Kinder nicht im Auge behalten konnten, zu beaufsichtigen, sie vor üblen Einflüssen zu wahren, sie zur Ordnung und zum Gehorsam zu gewöhnen ..."

Der Bedarf war vorhanden. 1850 besuchten fast 200 Kinder die Kleinkindschule. Der Platz reichte nicht aus, ein Neubau in der Neustadt war die Lösung. Dieses Haus hat sich seit 150 Jahren trotz Weltwirtschaftskrise, Weltkrieg, Schließungen nach der Wende erhalten. Was zwischen 1862 und 1996 in der Kindergartengeschichte passierte, können Interessierte in der druckfrischen Chronik nachlesen.

1996 übernahm die Elterninitiative den Kindergarten. "In der Dr. Leber-Straße wurde die Kita ,Benjamin Blümchen, aufgelöst", erklärt Geschäftsführer Maik Spangenberg. Die betroffenen Eltern haben aus der Not heraus die Initiative ergriffen und beschlossen, einen eigenen Kindergarten zu gründen. "Von der Stadt wurden die Eltern damals belächelt", so Spangenberg. Aber die Stadt hat nach zwei Jahren das Gebäude in der Neustadt, die damalige Kita Kinderland, zur Verfügung gestellt, der Verein hat das Haus gekauft und mit viel Herzblut, Fördermitteln, eigenem Kredit und immer auch Elterneinsatz saniert, dazu 2006 die Krippe in der sanierten Baracke - dem ehemaligen Tanzsaal der Musikschule - eröffnet.

Mittlerweile kann die Elterninitiative sich vor Anfragen nicht retten. "Die Warteliste auf einen Krippen- oder Kindergartenplatz ist sehr, sehr lang", so Maik Spangenberg. Das spricht für den Kindergarten, der das Konzept der Pikler- und Reggio-Pädagogik mit offenen Gruppen anwendet. Die Kinder lernen auf Bewegungsgeräten nach den Prinzipien der Gymnastiklehrerin Elfriede Hengstenberg ihren körperlichen Fähigkeiten zu vertrauen. Beim Rundgang durch die beiden Häuser möchte man selbst wieder Kind sein.

Am Sonnabend lud die Kita zum öffentlichen Fest, nachdem die Kinder dort schon eine ganze Woche lang gefeiert hatten. Von 10 bis 16 Uhr konnten Interessierte sich den Kindergarten angucken, das druckfrische Jubiläumsbuch kaufen und mit den Erzieherinnen und Eltern ins Gespräch kommen. Auch für die kleinen Gäste wurde natürlich viel geboten.

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