zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. November 2017 | 07:39 Uhr

Ruchow : Älteste Orgel von Mecklenburg entdeckt

vom

Ein paar Jahrhunderte hat sie schon auf dem Buckel - die Orgel in der Ruchower Kirche. Das Mittelstück des Instruments stammt aus dem Jahr 1675. Damit gilt die Orgel als das älteste Exemplar von ganz Mecklenburg.

svz.de von
erstellt am 10.Jun.2013 | 07:30 Uhr

Ruchow | Ein paar Jahrhunderte hat sie schon auf dem Buckel. Und ein bisschen was vom Norden hat sie auch schon gesehen. Die Rede ist von der Orgel in der Ruchower Kirche, genauer gesagt, dem Mittelteil der Orgel. Denn hierbei handelt es sich um ein eigenständiges Instrument, eine Kleinorgel, die in der Fachsprache Positiv heißt. Und dieses ist um einiges älter und damit wertvoller als bisher angenommen.

"Das Mittelstück der Ruchower Orgel stammt aus dem Jahr 1675. Dabei handelt es sich um eine Kleinorgel in der Größe eines Kleiderschranks, die von dem Hamburger Joachim Richborn gebaut worden ist", berichtet Friedrich Drese. Er ist Orgelsachverständige des Kirchenkreises Mecklenburg und damit für alle Kirchenorgeln in seinem Sprengel zuständig. Vom Orgelfund in dem kleinen Dorf Ruchow bei Sternberg ist er begeistert. Denn in ganz Mecklenburg gibt es keine Orgel, die älter und ebenso gut erhalten ist.

"Das Instrument war eines der wenigen in Mecklenburg, bei dem Alter und Herkunft bisher nicht bekannt waren", so Friedrich Drese. Bei einer Orgelschau in der Lübecker Jakobikriche, in der auch eine Richborn-Orgel steht, fiel dem Sachverständigen vor kurzem die Ähnlichkeit in der Bauweise auf. "Insbesondere die trapezförmige Gestaltung des Orgelkastens ist ungewöhnlich", führt er weiter aus. Weitere Nachforschungen ergaben: Die Ruchower Orgel wurde ebenfalls um 1675 von Richborn gebaut. Neben der Schwesternorgel in Lübeck gibt es heute noch eine dritte im schwedischen Skoloster. Nicht die gesamte Orgel in Ruchow ist von Richborns Hand geschaffen worden. "Nur das Mittelteil stammt von ihm", erläutert Drese. Und dieses stand Berichten zufolge im 18. Jahrhundert in Bützow, wahrscheinlich in der Schlosskirche. "Wie sie allerdings dort hingekommen ist und wo sie vorher genutzt wurde, ist noch unbekannt", führt der Sachverständige aus.

1796 sei das Instrument dann nach Ruchow gekommen. "Das Positiv war zu klein für die Ruchower Kirche", so Friedrich Drese. Deshalb sei es mit einer größeren Orgel verbaut worden, die aus der Hand des Dobbertiners Heinrich Schmidt stammt und heute etwas über 200 Jahre alt ist", erklärt er weiter. Was damals Kosten einsparen sollte -Drese vermutet, dass die Richborn-Orgel kostengünstig abzugeben war - ist für ihn ein Glücksfall. "Vielleicht war es dieser Verbau, der dazu geführt hat, dass die Kleinorgel uns erhalten geblieben ist." Auch wenn sie heute weder vollständig noch funktionsfähig ist.

Das soll sich allerdings ändern. "Es stehen jetzt zwei Projekte an: Wir wollen einerseits die Richborn-Orgel herauslösen und restaurieren. Andererseits soll auch die Großorgel erhalten bleiben und funktionstüchtig gemacht werden", so der Sachverständige. Allein die Restauration der Richborn-Orgel wird dabei mehrere 100 000 Euro kosten. Dazu werden Fördermittel des Landes und der Kirche erwartet. Nach der Instandsetzung sollen beide Orgeln weiter ihren Dienst in der Ruchower Kirche tun. Das Positiv könnte, so Drese, aufgrund seiner Größe auch als mobile Orgel eingesetzt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen