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Kita in Badow betreut schwerstbehindertes Mädchen : Abschied von Celina: Erzieher ziehen Bilanz

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Auf einmal stand die Mutter vor der Tür. Im Arm ein kleines Baby. Ob Celina hier aufgenommen wird? Für die Kindertagesstätte änderte sich mit diesem Besuch alles. Die Regelkita wird zur integrativen Einrichtung.

svz.de von
erstellt am 25.Jul.2013 | 09:55 Uhr

Badow | Auf einmal stand die Mutter vor der Tür. Im Arm ein kleines Baby. Ob Celina hier aufgenommen wird? Für die Kindertagesstätte in Badow änderte sich mit diesem Besuch alles. Mit einem Schlag wird aus der normalen Regelkita eine integrative Einrichtung. Celina ist schwerstbehindert, sie muss ernährt werden, braucht stetig Hilfe. Alleine kann das Mädchen nichts machen.

"Wir wussten gar nicht, ob wir das überhaupt dürfen", erzählt die Leiterin Silke Metschurat. Nach einigem Hin und Her sei klar gewesen, sie dürfen schon. Die Frage, ob sie es wollen, ist eine ganz andere. Der Träger der Kita, der ASB, stellt den beiden Erzieherinnen diese Entscheidung frei. "Wir haben dann gesagt, wir probieren es."

Nun vier Jahre später sitzen Silke Metschurat und Sabine Päpke am Mittagstisch und müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, dass Celina bald nicht mehr hier sein wird. In einer Woche wird ein Schulkind aus ihr.

Es ist Ruhe eingekehrt bei den Sonnenkindern. Die Kleinen schlafen, Zeit für einen Rückblick. "Anfangs hatten wir schon Berührungsängste und wussten nicht, ob wir alles richtig machen", erzählt Silke Metschurat. Lange überlegt, ob Celina die Kita besuchen kann, hätten sie aber nicht. "Man kann doch die Kinder nicht sortieren. Dich möchten wir haben und dich nicht." 18 Kinder betreuen sie in Badow. Mit drei Erzieherinnen. Sabine Päpke ist seit einem Jahr nun Integra tionshelferin für Celina. Sie kümmert sich ausschließlich um die Sechsjährige. Geld für eine Schulung oder Investitionen gab es nicht. "Wir haben gar nichts bekommen." Alles was gebraucht wird, ob Stuhl oder Karre, hat die Mutter mitgebracht. Vier Wochen hat sie die Erzieherinnen anfangs begleitet. Heben, tragen, füttern - nach 26 Jahren im Kindergarten betrat Silke Metschurat Neuland. Mittlerweile funktioniert alles reibungslos und es gibt auch eine Frühförderung für Celina. Eine Betreuerin der Gehörlosenschule in Güstrow kommt vorbei und trainiert die Motorik der Kleinen.

Nach vier Jahren sagen die beiden Erzieherinnen nun: "Wir können mitreden." Doch es hat gedauert, auch bei den Eltern. "Einige waren schon skeptisch", sagt die Leiterin. Bleibt noch genug Zeit für die anderen Kinder? Doch im Laufe der Zeit hätten sie das angenommen. Vorbehalte gebe es nicht mehr. Bei den Kindern schon gar nicht. Sie schieben Celina schon mal umher. Bringen die Hörgeräte, wenn sie mal wieder runtergefallen sind. Celina ist mit dabei, wenn es in den Wald geht oder der Kindertag gefeiert wird. Doch nun heißt es Abschied nehmen. Eine Woche noch, dann verlässt Celina die Einrichtung. "Es wird schon komisch, wenn sie nicht mehr da ist", sagt Silke Metschurat. "Wir müssen bestimmt weinen."

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