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Ausstellung in Rehna : „Abmalen war mir zu langweilig“

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Der Hamburger Ostfriese Jörg Schittenhelm bestreitet die 3. Kunstausstellung des Jahres im Kloster Rehna – heute ist Eröffnung

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 04:45 Uhr

Was haben Schweißen und Malerei gemeinsam? Nicht viel – außer vielleicht, dass man für beides eine ruhige Hand braucht. Weil aber Jörg Schittenhelm beim Schweißen auf der Werft seiner Kreativität nicht freien Lauf lassen, seine Ideen nicht ausdrücken konnte, kehrte er dieser Tätigkeit schon bald den Rücken. „Schließlich bin ich in Emden geboren, der kreativsten Stadt Deutschlands“, sagt er augenzwinkernd, „Otto Walkes ist da geboren und Wolfgang Petersen (Regisseur u.a. von Das Boot und Die Unendliche Geschichte, Anm. d. Red.) auch.“

Als Jörg Schittenhelm 1963 das Licht der Welt erblickte, wurde er bereits in eine künstlerische Familie hinein geboren: Sowohl Vater als auch Großvater malten. „Mein Vater beschäftigte sich aber mit ganz anderen Motiven als ich heute. Er malte zum Beispiel Zigeuner und Pferde“, erzählt der Junior. Damals als Junge lief er manchmal durch die Staffeleien seines Vaters und Großvaters und schmierte sich ein mit den Ölfarben. Deshalb blieb ihm zunächst nur der Bleistift und Zeichenblock und sein Interesse an der Malerei ging zunächst etwas verloren. Doch der Funke war längst übergesprungen.

Nach der Abkehr von der Tätigkeit als Werftschweißer ging Jörg Schittenhelm nach Hamburg, arbeitete am Theater bei Ausstattung und Bühnenbild, besuchte in den 1990er Jahren eine private Schauspielschule. „Danach habe ich in einigen Filmen und Serien kleine Nebenrollen gespielt, war eine Zeitlang in der Arztserie Das Alpha-Team zu sehen“, berichtet der Mime. Gleichzeitig fing er aber auch an zu malen, probierte sich autodidaktisch an verschiedenen Techniken aus. „Anfangs habe ich nur abgemalt, das, was ich sehe. Doch das wurde mir schnell zu langweilig“, erzählt Schittenhelm. Er begann, sich mit der abstrakten Malerei zu beschäftigen. „Ich hab mich damals im Hamburger Schanzenviertel mit Seifenmalerei beschäftigt. Einfach Seife aufgelöst und mit dem Spachtel oder Pinsel verteilt und verlaufen lassen. Anschließend mit Fixierer überzogen – fertig“, berichtet der Maler. Einige dieser Werke haben es bis nach New York geschafft.

Heute liebt Jörg Schittenhelm den experimentellen Umgang mit Farben, Techniken, Stilrichtungen – ausdrucksvoll, varianten- und facettenreich. Sein Motto: Alles ist erlaubt. „Die Idee, das Motiv entstehen zwar im Kopf, aber oft entwickelt es sich erst beim Malen“, versucht der Künstler seine Vorgehensweise zu erklären. Dabei spielen Format und Größe des Bildes kaum eine Rolle, wohl aber die Verwendung der Materialien. „Ich male auf Leinwand. Und meistens beginne ich damit, den Untergrund zu spachteln, um eine Struktur zu bekommen. Erst dann kommen die Farben, die sich darauf aufbauen“, beschreibt der Ostfriese. Und für die Farbgebung wiederum verwendet er Öl, Pigmente oder Acrylfarben.

2001 zwang Jörg Schittenhelm eine Rückenerkrankung mit zahlreichen Operationen eine Zwangspause auf. „Noch heute habe ich Schwierigkeiten, lange an der Staffelei zu stehen“, so der Künstler. Er ging nach Portugal, lebte dort drei Monate in einer Künstlerkolonie und kam mit neuen Inspirationen zurück.

Die Ausstellung mit mehr als 40 Werken im Kreuzgang des Klosters öffnet am heutigen Sonnabend um 17 Uhr mit einer Vernissage. Anschließend ist die Ausstellung offen, damit sie auch die Besucher des Yxalag-Konzertes sehen können. Die Bilder sind auch zu erwerben. Vom Erlös gehen 15 Prozent direkt an die Hilfsorganisation alma terra e.V. für Projekte in Krisenregionen. „Die Preise für meine Bilder sind absolut erschwinglich und verhandelbar. Kunst soll für jeden zugänglich und finanzierbar sein“, zeigt Jörg Schittenheim seine Bodenständigkeit. Deshalb arbeitet er auch ohne teuren Galeristen.

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