Bauernstube Pokrent : Kleines Dorf, großes Kino

Soundcheck für den Donnerstagsfilm: Stefan Janssen und Maike Wölky-Staudt freuen sich auf „Gundermann“.
Soundcheck für den Donnerstagsfilm: Stefan Janssen und Maike Wölky-Staudt freuen sich auf „Gundermann“.

Seit fünf Jahren laufen in der Pokrenter Bauernstube zweimal im Monat Komödien, zu Weihnachten gibt es eine Kindervorstellung

von
19. Dezember 2018, 12:00 Uhr

Katharina Golze Pokrent Beamer und Soundanlage stehen bereit, Stefan Janssen zieht die Leinwand in der Pokrenter Bauernstube herunter. Und Gerhard Gundermann erscheint auf der Bildfläche. Soundcheck für den Kinoabend. Am Donnerstag, Freitag und Sonntag wird in Pokrent wieder Dorfkino gemacht.

Seit 2013 gibt es dieses Format. „Frauke Rode und ich haben schon länger überlegt, dass das bei uns in der Scheune schön wäre“, erinnert sich Maike Wölky-Staudt. Bürgermeister Stefan Janssen hatte eine ähnliche Idee und machte sich schlau. Er schrieb mehrere Filmverleihe an, die aber sehr teuer pro Ausleihe waren. Dann stieß der 40-Jährige auf das Projekt „Dorfkino einfach machbar“. Jens-Hagen Schwadt und sein Team verleihen Filme an 60 kleine Spielstätten des Landes. Möglich macht es das Bilden so genannter Abspielringe. Verschiedene Kulturorte werden in einem Abspielring zusammengefasst, wodurch Kosten gemeinsam getragen, Risiken minimiert und Filmprogramme selbst in entlegenen Spielstätten mit geringen Zuschauerzahlen umgesetzt werden. Zu diesen gehört Pokrent.

Film nach Wunschtermin

„Das ging alles ruckzuck und war bis heute sehr unkompliziert“, sagt Stefan Janssen. Zuerst sucht er die Filme aus, guckt dazu die Trailer an. Nur einmal lagen sie daneben: Eine angekündigte Komödie entpuppte sich als Drama. „Den Film haben wir mittendrin ausgemacht“, sagt Wölky-Staudt. Nach der Auswahl trägt Stefan Janssen seinen Wunschtermin in eine Liste ein, dann werden die Filme per Post zugeschickt. Nach Abspielen notiert er die Besucherzahl in einer Online-Datenbank für die Verleiher und schickt den Film zum nächsten Abspielort. Vielleicht gleich in die Nachbarschaft, denn Groß Brütz ist seit Jahren dabei und auch in Cramonshagen gibt es jetzt ein Dorfkino.

In Pokrent haben sie damals vor fünf Jahren noch mit eigener Technik angefangen: Janssen brachte eine Stativleinwand mit, Beamer und Boxen standen auf Hockern. Über Spenden konnten sie sich dann die professionelle Anlage anschaffen. Mit dieser Technik erweiterten sie auch ihre Kinoabende. „Es steht ja alles da, hängen wir noch einen Tag dran“, so der Bürgermeister. Seitdem ist immer am vorletzten Donnerstag und Freitag im Monat Kinoabend.

Filme mit Tiefgang

Aber: „Wir sind kein Blockbusterkino“, sagt Stefan Janssen. Sie zeigen vor allem Filme mit Tiefgang, die zugleich herzerwärmend sind. Französische Tragikomödien und Komödien überhaupt haben es ihnen angetan. Denn lachen ist gemeinsam am schönsten. Maike Wölky-Staudt erinnert sich an einen Film um eine „Drogen vertickende Oma“. „Sehr charmant und witzig wird auf Altersarmut hingewiesen“, findet sie. Im Dezember läuft neben der Autobiografie von Baggerfahrer und Liedermacher Gundermann noch ein französischer Streifen: „Arthur & Claire“ treffen sich, um sich das Leben zu nehmen. Wölky-Staudt mag es, mit einem Auge zu lachen und mit dem anderen zu weinen.

Aber es wird nicht nur tragisch. Das Besondere in diesem Jahr ist das Kinderkino. Früher zeigten die Pokrenter am 23. Dezember „Die Feuerzangenbowle“, in diesem Jahr gibt es für die Jüngsten „Paddington 2“. So können die Eltern in Ruhe das Fest vorbereiten, erklärt Stefan Janssen. Er wird seine Popcorn-Maschine mitbringen. Die Nascherei gibt es dann kostenlos.

Im Sommer gab es bereits ein Kinderkino in der Scheune. Doch die Erfahrung zeigt: Im Sommer sind die Pokrenter eher draußen: im Garten, im Urlaub oder an der Ostsee. Sie treffen sich zum Plaudern am Gartenzaun. Im Winter sei das anders. Kälte und Dunkelheit treiben alle in ihre Häuser. Die Kinoabende in der kalten Jahreszeit sind daher wichtig, beliebte Treffen für die Dorfgemeinschaft. Hier wird gemeinsam geplauscht und gelacht. „Es gibt eine Stammgruppe und immer neue Gäste, die neugierig sind“, erzählt Maike Wölky-Staudt. Dennoch ist es immer eine Überraschung, wie viele kommen. Aber auch für sieben Gäste lassen sie den Film laufen.

Termine: Kino noch bis März

Immer um 19.30 Uhr läuft in der Bauernstube in der Neuendorfer Straße 4 Dorfkino, Ausnahme: Paddington 2 um 16.30 Uhr. Eintritt: 3 Euro.

  • 20. Dezember: Gundermann
  • 21. Dezember: Arthur & Claire
  • 23. Dezember: Paddington 2
  • 24. Januar: Die Farbe des Horizontes
  • 25. Januar: Die brillante Mademoiselle Naila
  • 21. Februar: Frau Ella
  • 22. Februar: Das Leben ist ein Fest
  • 21. März: Nanouk
  • 22. März: Dieses bescheuerte Herz
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen