Schwedenfest : 300 Jahre alte Karte von Wismar

Stadtarchivar Dr. Nils Jörn zeigt die alte Karte, die Dörfer der Region zwischen Blowatz, Klütz, Dambeck und Poel abbildet.
Stadtarchivar Dr. Nils Jörn zeigt die alte Karte, die Dörfer der Region zwischen Blowatz, Klütz, Dambeck und Poel abbildet.

Archivverein bringt Reproduktion historischen Plakats heraus / Mit Erlös werden „Sorgenkinder“ aus Stadtarchiv restauriert

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12. August 2015, 23:37 Uhr

Als Wanderkarte oder für den Radfahrer wird die Karte von 1715 nicht mehr herhalten können. Wohl aber gut gerahmt als Wandschmuck oder Geschenk. Genau 300 Jahre nach ihrem Druck bringt der Wismarer Archivverein pünktlich zum Schwedenfest eine Karte aus der schwedischen Zeit Wismars heraus. Als Reproduktion des Originals für den guten Zweck – mit dem Erlös werden die „Sorgenkinder“ aus dem Stadtarchiv restauriert.

„Unglaublich, was man auf der Karte alles entdecken kann“, so Stadtarchivar Dr. Nils Jörn. Die Dörfer der Region zwischen Blowatz, Klütz, Dambeck und natürlich der Insel Poel im Norden werden abgebildet. Zwischendrin Wismar mit seinen Festungsanlagen, eingezeichnete Felder, Häuschen, Seen und Flüsse. Die Lupe müsste gleich neben der Karte hängen, um jedes Detail erkennen zu können. Mit ganz viel Geduld könnte man zwischen den Wäldern kleine Buchstaben finden. „Das waren die Standorte der hannoveranischen, preußischen und dänischen Truppen. Anders als heute wusste man damals, wer uns belagert“, schmunzelt Dr. Nils Jörn. Eine Karte, wie sie der jeweilige Feldherr wahrscheinlich auf dem Tisch hatte. 1711 belagerten die Dänen im nordischen Krieg Wismar, fünf Jahre später, im April 1716 ergibt sich die Stadt, die Festungsanlagen Wismars werden geschleift.

„Particulier Carte der Gegend von Wismar nebst der Insel Poel und angedeuteter Bloquarde zu Wasser und Lande 1715“ steht so in der barocken Kartusche im rechten Bildteil, von Engelchen getragen. „Unten links sehen wir Neptun persönlich“, so Nils Jörn. Die Schiffe in der Wismarbucht darüber tragen die Buchstaben – auch dazu kann in der Legende mit Lupe und sehr guten Augen nachgelesen werden, um welche Belagerer es sich handelte. Viel spannender für viele Wismarer könnte die Stadtansicht im unteren Bildteil sein. Die Stadt zwischen St. Nikolai und Mecklenburger Tor. „Das kommt davon, wenn man einfach abschreibt oder abmalt, ohne sich zu vergewissern, ob es seit dem Änderungen gab“, schmunzelt Dr. Nils Jörn über die Details, die er entdeckt. Denn der damalige Ingenieur, der die Karte gezeichnet hat, hat den Stand der Festung von 1675 aufgezeichnet. „Ohne, dass ihm klar war, dass es 1715 schon wieder ganz anders aussah in Wismar!“ Auch der Kirchturm von St. Nikolai sah damals anders aus - am 8. Dezember 1703 zerstörte ein Sturm den Spitzhelm des Turms. „Aber er wusste, dass es das Schloss des Mecklenburgischen Herzogs auf Poel nur noch als Ruine gab und dass die Insel Walfisch Ende des 17. Jahrhunderts zur Festung ausgebaut wurde“, so Dr. Jörn.

Eine limitierte Anzahl an Reproduktionen können die Wismarer zum Schwedenfest kaufen. Am Freitag, Samstag und Sonntag wird der Verein mitten im Schwedenfestgetümmel seinen Stand aufbauen. Dann gibt es das Plakat für 8,50 Euro, dazu viele andere Postkarten – auch aus der Schwedenzeit, Plakate und Bücher mit historischem Wismarbezug.


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