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Interview Karla Krüger, stellv. Landrätin : 25 bis 30 Asylbewerber jeden Tag

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Das Land beschleunigt die Registrierung der Flüchtlinge /Den Nordwestkreis könnte das vor große Probleme stellen

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2015 | 23:52 Uhr

Karla Krüger ist zweite Beigeordnete der Landrätin von Nordwestmecklenburg und ihr untersteht damit der Fachbereich Jugend, Soziales, Bildung und Gesundheit. Zurzeit wäre der Zusatz Flüchtlinge und Asylbewerber angebracht. Im Interview mit SVZ-Redakteurin Manja Nowitzki spricht sie über die Wohnungsnot und den Tag, an dem sie keine Wohnungen für Asylbewerber mehr findet.

In Nordwestmecklenburg leben derzeit mehr als 800 Flüchtlinge und Asylbewerber. Tendenz steigend. Schaffen wir es, sie unterzubringen, zu versorgen, zu integrieren?
Karla Krüger: Die primäre Aufgabe des Landkreises ist die Unterbringung. Der Asylbewerber stellt einen Antrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Solange das Verfahren dort läuft, haben die Landkreise die Aufgabe, für sie zu sorgen. Im Sinne von Unterbringung, medizinischer Versorgung, Schule und allem was dazu gehört. Dieser Aufgabe stellen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landkreises nach wie vor mit Engagement.

Das größte Problem zurzeit ist die Akquise von Wohnungen. Finden Sie noch genug Wohnungen?
Bis jetzt finden wir noch Vermieter, die an den Landkreis vermieten. Es gibt aber auch Eigentümer, die grundsätzlich nicht an uns vermieten wollen. Sie haben für sich entschieden, dass sie in ihren Wohnungen keine Asylbewerber unterbringen wollen. Wir müssen dabei auch sehen, dass in der Regel eine andere Belegung erfolgt, als bei einer normalen alltäglichen Vermietung. Wenn eine Familie mit drei oder vier Personen eine 75 Quadratmeter große Wohnung mietet, sagt niemand etwas. Aber der Landkreis ist bei der Unterbringung von Asylbewerbern an die Vorgaben des Landes gebunden. Bei reinem Wohnraum von sechs Quadratmetern je Person ohne Küche und Sanitär, führt in den Augen einiger Vermieter zu einer Überbelegung, die sie nicht möchten. Daran haben sie wenig Interesse.

Auf welchem Wege suchen Sie Wohnungen? Es gibt Portale im Internet, auf denen Wohnungen für Asylbewerber angeboten werden. Nutzen Sie diese Möglichkeiten?
Der Landkreis hat einen anderen Weg beschritten. Wir haben zum 1. August eine Immobilienkauffrau eingestellt. Sie ist hier im Landkreis schon tätig gewesen und kennt daher den Wohnungsmarkt. Sie weiß genau, auf wen sie zu gehen muss und bis heute ist es uns gelungen, alle uns zugewiesenen Asylbewerber dezentral unterbringen zu können. Wie lange das noch klappt, kann ich nicht sagen. Es wird schwieriger, deswegen gehen wir jetzt mehr in die Fläche. In den Zentren wie Wismar und Grevesmühlen können wir Wohnungen für Asylbewerber längst nicht mehr ausreichend finden.

Planen Sie für den Tag, an dem Sie keine Wohnungen mehr finden?
Daran müssen wir denken, denn das Land wird demnächst die zweite Möglichkeit für die Registrierung der Flüchtlinge eröffnen. Uns ist vom Innenministerium signalisiert worden, dass dann täglich bis zu 300 Menschen in die Landkreise ‚abgesteuert‘ werden. Für Nordwestmecklenburg bedeutet dass, das täglich 25 bis 30 Asylbewerber zu uns kommen werden. Dann müssen wir uns über kommunale Not- bzw. Großunterkünfte unterhalten.

Zur Integration gehört Arbeit. Wie weit sind die Bemühungen gediehen, Asylbewerber schneller in Arbeit zu bringen?
Die zuständige Bundesarbeitsagentur hat sich mit verschiedenen Möglichkeiten auf die neuen Herausforderungen eingestellt. So gibt es ab dem 1. November die Möglichkeit, Asylbewerbern vorbereitend Sprachkurse anzubieten. Diejenigen, die interessiert sind, können daran teilnehmen. Bislang war ein solcher Kurs erst möglich, wenn das Asylverfahren positiv abgeschlossen war. Das ist ein Fortschritt. Wir sind im Moment dabei, bei unseren Asylbewerbern zu schauen, wer eine Bleibeperspektive hat und über die Sozialarbeiter fragen wir ab, wer von ihnen Interesse an diesem Kurs hat. Sind die Asylbewerber dann anerkannt, begleiten die Integrationslotsen sie zum Jobcenter und auf dem ersten Weg in Arbeit.

Wie engagiert der Landkreis sich in Sachen Sprachkurse?
Nach der Maßnahme der Arbeitsagentur lastet die Verantwortung auf der Volkshochschule. Sie erarbeitet zurzeit ein niedrigschwelliges Sprachangebot für Asylbewerber. Das verschieben wir aber ins neue Jahr, weil wir jetzt die Kurse der Arbeitsagentur favorisieren. Sie sind mit 300 Unterrichtsstunden zeitintensiver.

In der nächsten Woche gibt es weitere Gespräche der Volkshochschule mit den ehrenamtlichen Lehrern. Dabei wird es darum gehen, wie bestehende Kurse mit dem neuen Angebot verknüpft werden können.

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