Bizarrer Rechtsstreit : 240 000 Euro sinnvoll ausgeben

So berichteten wir am vergangenen Freitag über den Rechtsstreit.
So berichteten wir am vergangenen Freitag über den Rechtsstreit.

Die Auseinandersetzung hat den Landkreis bereits eine Stange Geld gekostet

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13. Februar 2018, 04:45 Uhr

240 000 Euro hat den Landkreis der bizarre Rechtsstreit mit einem privatem Busunternehmen bislang allein an Anwaltsgebühren gekostet. Eine knappe Viertelmillionen Euro. Was könnten Gemeinden und Vereine mit so einem Batzen Geld nicht alles Sinnvolles anstellen? SVZ fragte und rechnete nach.

„Ich würde unser Dorfgemeinschaftshaus mit einem Jugendraum ausbauen. Das würde zwischen 50 000 und 60 000 Euro kosten“, sagt Wolfgang Reetz. Und wenn dann noch etwas übrig sei, würde der Thandorfer Bürgermeister am Dorfteich noch mehr Möglichkeiten für Jugendliche schaffen.

Der Amtskollege aus der Nachbargemeinde Schlagsdorf wüsste ebenfalls sofort, wohin mit der Viertelmillion. „Ich würde das Geld in den 2,3 Millionen Euro teuren Neubau unseres Kindergartens stecken. Darüber hinaus würde ich versuchen, die Infrastruktur so zu beeinflussen, dass für ältere Leute nicht immer weiter zurückgeschraubt wird“, sagt Ingo Melchin.

Die Schlagsdorfer könnten so eine Summe aber natürlich auch in die Anschaffung eines neuen Löschfahrzeugs stecken. Geschätzte 300 000 Euro haben sie dafür veranschlagt. Und dabei ist das nur eine Wehr, bei der Not am Mann ist. Für 2018 liegen dem Landkreis bereits Anträge auf Förderungen von Feuerwehrfahrzeugen in Höhe von 600 000 Euro vor.

Und noch etwas rückt bei derartigen Rechenspielen aktuell in den Vordergrund: die massiven Streichungen von Mitteln für Ein-Euro-Jobs. Dieses Geld kommt zwar nicht vom Landkreis, sondern stammt aus dem Haushalt des Jobcenters Nordwestmecklenburg. Gebrauchen könnte man eine solche Summe dort sicher dennoch. Durchschnittlich 130 Euro kostet beispielsweise ein einziger bei der Tafel Gadebusch tätige Ein-Euro-Jobber das Jobcenter pro Monat. Das macht 1560 Euro im Jahr, bei fünf Ein-Euro-Jobbern gerade einmal 7800 Euro im Jahr. Würde man also eine Summe von 240 000 Euro ausschließlich zur Finanzierung der fünf Ein-Euro-Jobber in der Tafel Gadebusch einsetzen, könnten die Ausgabestellen in Gadebusch und Rehna sowie die Kinder-Tafel Gadebusch für die nächsten 30 Jahre einer sicheren Zukunft entgegenblicken.

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