Grundsicherung : 1794 Menschen leben vom Minimum

Grafik: Anzahl der Menschen, die in Mecklenburg-Vorpommern von der Grundsicherung leben.
Grafik: Anzahl der Menschen, die in Mecklenburg-Vorpommern von der Grundsicherung leben.

Empfänger der Grundsicherung sind zu 69 Prozent jüngere Bürger zwischen 18 und 65 Jahren

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06. Dezember 2013, 01:00 Uhr

Immer mehr Menschen im Nordwestkreis beziehen eine Grundsicherung zur Finanzierung ihres Lebens. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes bezogen in 2012 genau 1168 Männer und Frauen zwischen 18 und 64 Jahre die Grundsicherung. Das waren 65,1 Prozent der Empfänger insgesamt. Weitere 626 Menschen waren 65 Jahre und älter. Das entsprach einem Prozentsatz von 34,9. Noch ein Jahr zuvor betrug die Zahl der Empfänger 865.

Wer jung wegen einer schweren Krankheit oder einem Unfall nicht mehr arbeiten kann, ist oft nicht ausreichend abgesichert. Die Rente reicht dann nicht zum Leben. Aber auch ältere Menschen, die ihr Leben lang zwar gearbeitet, aber nicht viel verdient haben, sind oft arm. Menschen, die mit ihrer Alters- oder Erwerbsminderungsrente nicht auskommen, unterstützt der Staat auf Antrag mit Grundsicherung. Hier im Kreis Nordwestmecklenburg bekamen nach Angaben des Statistischen Landesamtes im vergangenen Jahr 1794 Männer und Frauen die Grundsicherung.

Insgesamt bezogen in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2012 genau 19 080 Männer und Frauen die Leistungen. Das waren 1231 oder 6,9 Prozent mehr als 2011. Damit stieg die Zahl dieser Leistungsempfänger seit dem ersten Erhebungsstichtag am 31. Dezember 2003, mit Ausnahme des Jahres 2009, stetig an. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 bezogen in Mecklenburg-Vorpommern lediglich 8722 Menschen Grundsicherung. Somit hat sich die Zahl der Leistungsempfänger also mehr als verdoppelt.

Eines der Hauptziele des „Gesetzes über eine bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“ war es, Altersarmut zu verhindern. Viele ältere Menschen nämlich hätten aus Scham oder Angst, dass ihre Kinder für ihren Unterhalt aufkommen müssten, keine Sozialhilfe beantragt, obwohl ihre Rente nicht zum Leben ausgereicht hat, so der Gesetzgeber damals. Doch in Wahrheit sind die Empfänger von Grundsicherung landesweit zu 69 Prozent jüngere Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren, die wegen Krankheit oder Behinderung dauerhaft erwerbsgemindert sind. Im Jahr 2011 waren es rund 66 Prozent. Nur 31 Prozent der Empfänger sind 65 Jahre und älter.

Deutschlandweit bekamen im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt 465 000 Rentner Grundsicherung. Insgesamt erhielten rund 900 000 Menschen diese Unterstützung, das waren 55 000 oder 6,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor und zugleich so viele wie noch nie. In Mecklenburg-Vorpommern hat die Zahl der Bedürftigen prozentual also sogar noch mehr zugenommen als im Bundesdurchschnitt. Hauptstadt der Altersarmut ist die Stadt Hamburg.

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