Express-Abi : 15-jähriger Niklas büffelt für die letzte Prüfung

Der 15-jährige Niklas Rohde aus Roggendorf steht kurz Hochschulreife. Foto: Manja Nowitzki
Der 15-jährige Niklas Rohde aus Roggendorf steht kurz Hochschulreife. Foto: Manja Nowitzki

Niklas Rohde aus Roggendorf legt in diesem Frühjahr sein persönliches Turbo-Abi hin und ist damit einer der jüngsten Schüler in Mecklenburg-Vorpommern, die die Hochschulreife schaffen. Er ist 15 Jahre alt.

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06. Mai 2013, 10:39 Uhr

Roggendorf | Das Beste ist: Er kann schon ausschlafen während seine Altersgenossen noch die Schulbank drücken müssen. Niklas Rohde hat gerade die schriftlichen Abiprüfungen hinter sich gebracht. Bis die mündliche ansteht, dauert es noch ein wenig. Zeit also, etwas zu entspannen.

Der 15-Jährige aus Roggendorf legt in diesem Frühjahr sein persönliches Turbo-Abi hin und ist damit einer der jüngsten Schüler in Mecklenburg-Vorpommern, die die Hochschulreife schaffen. Kurios? "Ich habe mich daran gewöhnt, immer der Jüngste zu sein", sagt Niklas. Mit fünf Jahren wird er eingeschult, die vierte Klasse überspringt er. Mit 15 Jahren nun das Abi. Niklas hatte es in der Schule schon immer etwas eiliger als viele andere.

Was nach einem Überflieger klingt, bedeutet auch für ihn harte Arbeit. "In der zehnten Klasse habe ich es endlich geschafft, beim Zensurenschnitt eine Eins vor dem Komma zu haben". 1,9 steht er da. Mathe fällt ihm leicht. Das mag Niklas und gibt anderen Schülern Nachhilfe. Aber Sprachen. Naja. "In Englisch musste ich Nachhilfe nehmen." Mit zwölf Jahren geht er für vier Monate nach Großbritannien. Seitdem klappt’s viel besser.

Seit der sechsten Klasse besucht der 15-Jährige das Internat Schloss Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald). Auf dem Gymnasium in Gadebusch sei er nicht gut zurecht gekommen, erzählt seine Mutter Katrin Rohde. Kopfschmerzen und Bauchschmerzen plagen ihn. "Er war einsam und unglücklich." Sie hätten ihren Sohn oft früher von der Schule abholen müssen.

Als Niklas mit neun Jahren nach Torgelow wechselt, ändert sich die Situation. Er blüht auf und geht wieder gerne zur Schule. Für die Eltern aber ist der frühe Abschied schwer. "Er war damals noch so klein", sagt Katrin Rohde. Zu diesem Zeitpunkt wissen die Eltern schon, dass ihr Kind hochbegabt ist. Mit drei Jahren kennt er das Alphabet, kann zählen und will zur Schule gehen. "Das erste Jahr in der Schule wollte er nur lesen und rechnen lernen", erzählt die Mutter. Wie ein Schwamm saugt er alles in sich auf. Er liest Bücher und Zeitungen, spielt Klavier und Fußball, ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und in der Schule besucht er die "mind factory". Eine spezielle Förderung in naturwissenschaftlichen Fächern. Mit zehn Jahren macht Niklas einen Intelligenztest. Sein IQ: 135.

Im Fernsehen zeigt er dann, was er kann. Mit einer Koordinaten-Wette tritt er gemeinsam mit einer Mitschülerin bei "wetten, dass...?" an. Aus Städtenamen leiten die beiden Koordinaten ab und markieren auf einer strukturlosen Landkarte die Orte. Das klappt und beschert Niklas gleich noch einen zweiten Fernsehauftritt (SVZ berichtete).

An Selbstbewusstsein mangelt es dem 15-Jährigen nicht. Entspannt lehnt sich Niklas im Küchenstuhl zurück, verschränkt die Arme hinter dem Kopf während er erzählt. Von seinen Gedichten über die Weltpolitik oder dem Abholzen kanadischer Wälder. Katrin Rohde sitzt neben ihm, stolz schaut sie zu ihrem Sohn herüber. Doch manchmal wird ihr Blick sorgenvoll. Angst, ihrem Sohn zu viel Druck zu machen, zu hohe Erwartungen zu haben, hat sie nicht, sagt die 41-Jährige. Im Gegenteil: Sie versucht ihn manchmal zu bremsen. Die Mutter sagt dann, "entspann dich, Niklas."

Niklas ist ehrgeizig. Irgendwas großes will er mal werden, etwas hinterlassen, woran sich die Menschen erinnern, erzählt er. Astronaut wäre cool. Entdecker auch. Doch vor dem Weltall stehen erst einmal irdische Entscheidungen an. Wo will er er studieren ? "Auf jeden Fall in Mecklenburg-Vorpommern. Rostock oder Greifswald." Einen Plan, wie es weitergeht, hat er schon, wie so oft. Nach dem Studium will er gleich promovieren und noch ein zweites Fach studieren. Bei all den Plänen für die Zukunft. Manchmal bremsen die Eltern ihren Sohn aus. Nach der Schule wollte Niklas ein Jahr lang alleine reisen. So machen es andere Abi turienten auch. "Dafür ist er doch zu jung", sagt Mutter Katrin.

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