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Lokales

18. November 2017 | 07:37 Uhr

Fußballplatz wurmt Steuerzahlerbund

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erstellt am 28.Okt.2010 | 07:47 Uhr

Berlin/Schwerin | Eine Regenwurm-Armee zur Rettung eines Fußballplatzes auf Rügen, ein womöglich unrentables Bahnprojekt auf dem Darß, aus dem Ruder laufende Kosten bei der Sanierung eines Vereinsheims am Schaalsee. Der Bund der Steuerzahler prangert in seinem aktuellen Schwarzbuch auch Verschwendung durch die öffentliche Hand in Mecklenburg-Vorpommern an. In dem Buch, das Präsident Karl Heinz Däke gestern in Berlin vorlegte, listet der Verband bundesweit mehr als 100 Beispiele auf. Drei der mitunter schier unglaublichen Geschichten haben sich im Nordosten ereignet oder drohen sich dort zu ereignen.

So ließ die Stadt Bergen auf Rügen ihr Fußballstadion vor wenigen Jahren für zwei Millionen Euro sanieren, doch danach standen Teile des Platzes bei Regen unter Wasser, wie es im Schwarzbuch heißt. Daraufhin seien 200 000 Regenwürmer bei einer holländischen Firma geordert worden, die den Boden für ein besseres Abfließen des Wassers auflockern sollten. Das kostete mehr als 7000 Euro. Besser wurde der Platz aber nicht, weil die Regenwürmer namens Dutch Nightcrawler sich lieber an der Oberfläche tummelten, statt im Untergrund den Boden aufzulockern. Das wiederum hinterließ Häufchen, was die Qualität des Platzes noch weiter beeinträchtigte. Damit nicht genug, kritisieren die Steuerwächter: Gefördert aus dem Konjunkturpaket des Bundes, überzog die Stadt nun neben dem Fußballstadion einen Hartplatz mit teurem Kunstrasen. Die Kosten für den Bau beziffert der Steuerzahlerbund mit rund einer Million Euro. Das große Bergener Fußballstadion stehe unterdessen bei Regen weiterhin unter Wasser.

Sanierung eines Vereinsheims: Kosten liefen aus dem Ruder

Im Zarrentiner Ortsteil Lassahn (Landkreis Ludwigslust) ließ die Kommune das Sportler- und Vereinsheim sanieren und erweitern. Die 4500 Einwohner zählende Gemeinde kalkulierte knapp 230 000 Euro Kosten ein, doch diese liefen aus dem Ruder und wuchsen zwischenzeitlich auf über 600 000 Euro an, wie der Steuerzahlerbund berichtet. Der Verband nennt eine ganze Versäumnis-Liste seitens der Verwaltung: Die Bauabteilung habe ihre Kontrollpflichten vernachlässigt, viele Absprachen mit Bauunternehmen seien nur mündlich und ohne schriftliche Protokollierung getroffen worden.

Dringend warnt der Steuerzahlerbund in seinem Schwarzbuch vor der geplanten Wiederbelebung der Darßbahn. Sie soll die Ferienorte Zingst und Prerow an das Schienennetz der Usedomer Bäderbahn anbinden. Die Befürworter wollen damit den Individualverkehr der Touristen zurückdrängen, heißt es im Schwarzbuch. Ende August 2010 sei die Entscheidung des Verkehrsministeriums gefallen, den Bau in zwei Etappen voranzutreiben. Allerdings habe die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung ergeben, dass der Nutzen der Darßbahn geringer wäre als die Kosten in Höhe von 48 Millionen Euro. Daraufhin seien die Kosten auf 38 Millionen Euro heruntergerechnet worden, was aber bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung immer noch durchgefallen sei. "Doch der Verkehrsminister sieht das anders. Er hat den Bau der Darßbahn zu seinem politischen Ziel erkoren", wirft der Steuerzahlerbund Volker Schlotmann (SPD) vor. Die Vermutung des Verbandes: "Nun soll so lange geplant und kalkuliert werden, bis das persönliche Ziel des Ministers schöngerechnet scheint." Außen vor blieben bei den Berechnungen zudem die jährlichen Betriebskosten für die Darßbahn, die das Land tragen müsste.

Schlotmann versprach, dass die Darßbahn nur gebaut werde, wenn sie wirtschaftlich Sinn macht. Er kündigte an, eine detaillierte Entwurfsplanung in Auftrag zu geben, um Klarheit über die Kosten zu erhalten. Bislang seien diese nur grob ermittelt worden. Schlotmann warf dem Steuerzahlerbund "vorschnelle Kritik" vor.

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