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Lokales

11. Dezember 2017 | 23:40 Uhr

Fusionsdruck auf Sparkassen wächst

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erstellt am 17.Aug.2010 | 07:37 Uhr

Schwerin | Strukturdebatte am Bankschalter: Mecklenbuurg-Vorpommerns Sparkassenkunden müssen sich langfristig auf weniger Kreditinstitute einstellen. Mit der ab 2013 greifenden Kreisreform und der Bildung von nur noch sechs Landkreisen sowie zwei kreisfreien Städten im Land rücken Fusionen einzelner der derzeit noch zehn Sparkassen näher. Ludwigslust Landrat und Verwaltungsratschef der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, Rolf Christ iansen (SPD), forderte, mit der Kreisreform auch die Sparkassenstrukturen anzugleichen. "Ein Träger mit zwei Sparkassen macht wenig Sinn", sagte er. 2011 müsse über die Strukturen der Sparkassen gesprochen werden. Nach dem Gesetz seien künftig zwar zwei Sparkassen in einem Landkreis möglich. "Ob das sinnvoll ist, ist eine andere Frage", sagte Christiansen. Allerdings: Letztlich müsse der neue Kreistag die Frage beantworten. Gegenwehr ist bereits programmiert: "Wir haben in schweren Zeiten zur Sparkasse gestanden, warum sollen wir sie jetzt aufgeben", lehnte Gudrun Stein, Bürgermeisterin von Lübz und im Verwaltungsrat der Sparkasse Parchim-Lübz ab. Aber: "Allen Entwicklungen, die die Sicherheit der Sparkasse garantieren, stehen wir offen gegenüber."

Christiansen erhält indes wissenschaftlichen Beistand. Die kleinteiligen Strukturen würden den Sparkassen "tendenziell Probleme bereiten", erklärte Bankrechtler Prof. Karl Wolfhart vom Institut für internationales und europäisches Wirtschaftsrecht an der Hochschule Wismar. Aus wirtschaftlicher Sicht gebe es zwar derzeit keinen Druck, Fusionen zu überstürzen. Es sei zu verstehen, dass sich Sparkassen lieber dezentral aufstellen, um den Wünschen der Regionen entsprechen zu können. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten sie sich aber doch Gedanken über Fusionen machen, erklärte er. Allerdings: Ein Einstieg privater Investoren sollte vermieden werden. Das Drei-Säulen-Modell in der deutschen Finanzwirtschaft mit den Sparkassen, den Genossenschafts- und Privatbanken habe sich gerade in der Krise bewährt und sollte erhalten bleiben.

Mit Blick auf die Kreisreform hatte sich in der Vergangenheit auch der geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Claus Friedrich Holtmann, für eine Sparkasse je Landkreis ausgesprochen. Doch zumindest in Vorpommern halten sich die Vorbehalte. Während Diedrich Baxmann, Chef der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, mit der Kreisneuordung mit Bewegung in Fusionsgesprächen mit Parchim rechnet, wehrt Volker Böhning, Landrat und Verwaltungsratschef der Sparkasse Uecker-Randow ab: Das Kreditinstitut sei zwar klein, aber wirtschaftlich intakt. Eine Fusion mit Nachbarhäusern stehe deshalb "nicht unbedingt" an - auch nicht bei der Sparkasse Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz. Das Haus sei "gut aufgestellt", meinte Sparkassenschefin Andrea Binkowski. Die "Größe einer Sparkasse ist nicht entscheidend."

Dabei gehören die Sparkassen in MV schon heute zu den kleinsten bundesweit. Alle zehn Geldhäuser zusammen verfügen mit zwölf Milliarden Euro nur über ein Drittel der Bilanzsumme der größten Sparkasse Deutschlands in Hamburg mit 37 Milliarden Euro. Schaffen die Ospa Rostock, die Sparkasse Greifswald und die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin noch die Plätze 108, 129 und 190 im Ranking der 431 Sparkassen, rangieren die potenziellen Fusionskandidaten Parchim, Uecker-Randow, Müritz, Rügen und Mecklenburg-Strelitz unter den letzten 100.

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