Frische aus der Region : Für gutes Fleisch keine Kompromisse

<strong>Frische aus der Region:</strong> Schlachter Sieghard Ratz mit Schweinehälften.<fotos>Ilja Baatz</fotos>
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Frische aus der Region: Schlachter Sieghard Ratz mit Schweinehälften.Ilja Baatz

Der Parchimer Schlachthof, einziges Unternehmen seiner Art in unserer Region, gibt seinen Kunden durch regionale Produzenten Sicherheit. Geschäftsführer Bernd Jaenicke ist entsetzt über skrupellose Praktiken.

svz.de von
07. März 2013, 11:10 Uhr

Zum Parchimer Schlachthof, einziges Unternehmen seiner Art in unserer Region, gehört seit 1993 neben einem Großmarkt auch ein gut angenommener Laden für Privatkunden in der Schweriner Straße. Die im Schaufenster zu lesenden Sätze "Wir schlachten täglich. Das Vieh wurde in bäuerlichen Betrieben aufgezogen. Wir und Sie kennen die Bauern. Sie füttern auf natürliche Weise und so garantieren wir reines, gesundes Fleisch." bringen für Geschäftsführer Bernd Jaenicke die Philosophie seines Unternehmens auf den Punkt. "Von uns kommt nur das auf Tisch und Tresen, was in unserer Region aufgewachsen ist. Wir können sagen, woher jedes Schwein kommt und wie es aufwächst, weil wir uns von den Bedingungen selbst ein Bild gemacht haben und mit den Landwirten ständig in Kontakt stehen. Dort gibt es keine Geheimnisse und wer Interesse hat, kann sich nach Absprache bei den Mästern selbst davon überzeugen, wie gut dort gearbeitet wird", sagt er. Jaenicke sei froh darüber, dass der weitaus größte Teil seiner Kunden vor allem auf Qualität achte, so dass sie auch dann zu ihm halten, wenn der Preis vielleicht einmal ein wenig höher sein sollte als der des Billiganbieters: "Da siegt die Überzeugung, bei uns stets Qualität bekommen zu haben. Mit Preis-Dumping kann und will ich gar nicht mithalten. Gutes Fleisch hat seinen Preis."

Jeder wolle zu Recht wissen, was er sich auf den Tisch hole. Mittlerweile seien allerdings der Konkurrenzkampf und Erhaltungsdruck bei den Produzenten enorm stark, Kosten stiegen rasant. "Um billiger als die anderen zu sein, kommen einige auf solche Ideen wie das Untermengen von nicht ausgezeichnetem Fleisch, was eindeutig Betrug am Kunden ist, dessen Vertrauen missbraucht wird", so der Geschäftsführer. "Unabhängig davon, dass natürlich auch unser Betrieb dem beschriebenen Druck ausgesetzt ist und zusehen muss, wie er überlebt, distanzieren wir uns rigoros von solchen Praktiken."

Erst Pferdefleisch untergemengt und es auf der Packung als Rind ausgewiesen, dann Bio-Eier angeboten, die nicht einmal ansatzweise als solche zu bezeichnen sind, und jetzt mit krebserregenden Schimmelpilzen belastetes Futtermittel verkauft, das in Mecklenburg-Vorpommern doch an deutlich mehr Mastbetriebe geliefert wurde als zunächst gedacht: Drei Lebensmittelskandale binnen kürzester Zeit, durch die sich Verbraucher stark verunsichert fühlen. "Auf uns haben sich die Nachrichten zahlenmäßig zwar bisher nicht negativ ausgewirkt, aber unabhängig davon sind sie natürlich trotzdem schädlich für die gesamte fleischverarbeitende Branche", sagt Jaenicke. "Ich bin davon überzeugt, dass die schwarzen Schafe die absolute Ausnahme sind. Aber sie schaffen es trotzdem, alle anderen mit in die Tiefe zu reißen - und sei es zunächst auch nur vom Ruf her. ,Nur’ ist in diesem Zusammenhang allerdings ein gefährliches Wort, denn es kann theoretisch leicht dazu kommen, dass sich mit dem Ruf letztlich auch das Kaufverhalten der Kunden total verändert. Dann stehen wir endgültig vor einem Riesenproblem. Wenige Außenseiter bringen die große Masse an Rechtschaffenden in Schwierigkeiten, was sie nicht verdient haben. Drastisch ausgedrückt: Eine absolute Schweinerei!"

Aus Verunsicherung ablehnend reagierenden Kunden könne man keinen Vorwurf machen, denn es gehe um Lebensmittel und damit um die eigene Gesundheit, an deren Erhaltung ein Mensch in der Regel verständlicherweise das größte Interesse habe. "Ich finde es erschreckend, dass es einigen ausschließlich darum geht, Geld zu verdienen, möglichst schnell reich zu werden - und sei es auf Kosten der Gesundheit zahlloser Menschen", sagt Jaenicke. "Keine Skrupel mehr, unfassbar! Die Verursacher gehören für mich beim Namen genannt. So etwas sollte mehreren Ankündigungen aus der Politik zufolge auch schon lange passiert sein, aber durchgesetzt hat es niemand. Wenn in Betrieben unserer Größe mal etwas nicht so läuft wie es soll - von der Wichtigkeit her nicht ansatzweise vergleichbar - ist da niemand zimperlich."

Das Kerngebiet der von den Parchimern belieferten Kunden reicht im Westen bis Wittenburg, in nördlicher Richtung bis Klütz und im Osten bis Anklam/Pasewalk. Zweimal in der Woche legt der voll beladene Lkw des Unternehmens die 244 Kilometer lange Strecke Parchim - Lübz - Wittenburg - Gadebusch - Klütz - Wismar - Schwerin - Parchim zurück. Beliefert werden Gaststätten, Metzgereien sowie auch größere Wursthersteller und Fleischverarbeitungsbetriebe. Im 1896 gegründeten und nach der Wende technisch komplett neu ausgestatteten Schlachthof sind insgesamt 20 Mitarbeiter beschäftigt, wobei zum Beispiel auch die beiden Betriebshandwerker in der Produktion eingesetzt werden, wenn es die Situation erfordert. Unabhängig von den Skandalen ist die Menge des verkauften Fleisches generell zurückgegangen. Werden gegenwärtig pro Woche rund 200 Schweine geschlachtet, so waren es vor einigen Jahren noch 400. Den weitaus größten Teil der Tiere liefern die Siggelkow Agrar eG, die LPA Wessin eG und der Mastbetrieb Hopman aus Grabow.

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