Für den seemännischen Nachwuchs

Prüfungsergebnisse werten Siegbert Klinkmüller und Peter Geitmann aus.
1 von 2
Prüfungsergebnisse werten Siegbert Klinkmüller und Peter Geitmann aus.

von
27. April 2010, 07:42 Uhr

Rostock | "Vorder- und Achterleine fest! Boot klar zum Aussetzen!" meldet die Crew an Bord. Am Kai des Fischereihafens in Rostock-Marienehe dirigiert Ausbilder Reinhard Hänsel den Einsatz eines Bereitschaftsbootes. Im Hafenbecken bestimmen bereits Männer und Frauen in orangefarbenen Rettungswesten die Szenerie. Verschiedene Boote ziehen nach bestimmten Kommandos ihre Bahn. Ob alles richtig läuft, wird von Prüfern notiert. Wie auf dem Wasser auch am Brandcontainer, wo unter den Argusaugen der gestandenen Fachleute Rolf Permien und Wolf Lienhard angehende Schiffsmechaniker mit dem Klarmachen von Feuerwehrschläuchen zeigen müssen, was sie in der seemännischen Ausbildung gelernt haben. In der AFZ-Schifffahrtsschule herrschte in der vergangenen Woche für 90 Lehrlinge Prüfungsstress. Für 41 von ihnen waren es Abschluss-, für den Rest Zwischenprüfungen. Peter Geitmann, der Vorsitzende der Prüfungskommission, und Siegbert Klinkmüller von der Berufsbildungsstelle für Seeschifffahrt in Bremen, sind am Ende nicht unzufrieden. Es gab zwar diesmal keine überragende Spitzenleistung, aber insgesamt gute bis befriedigende Ergebnisse, alle haben bestanden. Die Zwischenprüfungen zeigten allerdings, dass sich mancher noch auf den Hosenboden setzen muss, um am Ende nicht zu scheitern, so Geitmann. Zu den Besten sowohl in Theorie als auch in Praxis gehört Catrin Karl. Die junge Frau kommt von der Reederei NSB, die einmal mehr das Gros der Auszubildenden stellt.

Trotz Krise und daraus folgender Auflegung von Schiffen zeigen sich etliche Reedereien bemüht, an der Ausbildung keine allzu großen Abstriche zu machen. Im vergangenen Jahr ging gegenüber 2008 zwar die Anzahl der Auszubildenden für die deutsche Seeschifffahrt um 16 Prozent zurück. 279 neue Ausbildungsverträge mit 71 Reedereien stehen aber noch zu Buche. Und etliche Reeder bekunden, auch weiterhin zu ihrem Wort im maritimen Bündnis zu stehen. So auch die heimische Reederei F. Laeisz. Hier ist im August wieder die Einstellung von 13 Schiffsmechaniker-Azubis geplant, berichtet Geschäftsführer Jürgen Fischer. Gegenwärtig werden bei Laeisz acht Lehrlinge ausgebildet, von denen drei ihre Lehre im Sommer beenden. Bereits im Februar hatten acht Lehrlinge ihr Examen bestanden und steuern nun das Studium für den weiteren Weg zum Schiffsoffizier an. Des Weiteren werden sieben Schifffahrtskaufleute und ein Azubi im dualen Studium Schiffsmanagement/ Schiffsfinanzierung ausgebildet.

Anzeichen dafür, dass Reeder wieder mehr Azubis einstellen, sieht auch Barbara Martens von der Schifffahrtsschule im Aus- und Fortbildungszentrum in Rostock-Marienehe. Das AFZ ist neben Travemünde und Elsfleth Ausbildungsstätte und Prüfungsort für Schiffsmechaniker und nach den Zahlen am stärksten frequentiert. Neben diesen Schulzeitblocks laufen hier auch verschiedene Lehrgänge für die maritime Sicherheit. So beispielsweise für das Personal von Kreuzfahrtreedereien und seit zwei Jahren auch für den Offshore-Bereich. Letzterer soll durch ein Zusatzmodul noch erweitert werden. Die gute materielle Basis des AFZ-Bereichs wurde im Vorjahr durch die Investition einer Rettungsrutsche weiter ausgebaut. Jetzt laufen Vorkehrungen für den Ersatz des Fast-Rescue-Bootes und des Brandcontainers, deren ständige Nutzung nicht spurlos blieb.

Die zehn Ausbilder um Barbara Martens und Stephan Szancsik dürften in den nächsten Jahren kaum weniger zu tun bekommen. Der Gewerkschafter Peter Geitmann sorgt sich allerdings darum, dass nicht nur die im maritimen Bündnis gemachte Zusage der Reeder, in diesem Jahr 600 Schiffe unter deutsche Flagge zu bringen, krisenbedingt nicht erfüllt wird. Immer mehr Schiffe wurden ausgeflaggt. Wenigstens 500 Schiffe aber sollten unter deutscher Flagge bleiben, um die Ausbildungsbasis nicht zu schwächen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen