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Früchte einer gar nicht kargen Kunstlandschaft

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erstellt am 26.Mai.2010 | 08:46 Uhr

stadtmitte | Das "Bauernhaus" des Rostocker Malers Georg Kühn flirrt farbenfroh in impressionistischer Manier. Die "Ruhende Mutter mit Kind" von Hedwig Woermann zeigt erste Ansätze der Neuen Sachlichkeit, Bruno Gimpel abstrahiert in "In den Dünen" Landschaft auf einfache Formen und Dörte Helm bannt ihre "Vision der Madonna" im Stil des Symbolismus in Öl und auf Pappe.

Im Kulturhistorischen Museum Rostock sind von morgen an mehr als 100 Werke von bekannten und unbekannten Malern der Region zu sehen. "Schönheit pur. Mecklenburg - ein Land für Künstler 1900 bis 1945" ist der Titel der Mammut-Ausstellung in Kooperation mit dem Max-Samuel-Haus Rostock und der Ernst Barlach Stiftung Güstrow. Die dreiteilige Schau eröffne neue Blicke und Perspektiven, sagt Heidrun Lorenzen, Kuratorin der Schau und Leiterin des Kultuhistorischen Museums. Die Ausstellung solle Kunst und Künstler Mecklenburgs aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neu entdecken und neu bewerten. Das Kulturhistorische Museum konzentriert sich dabei auf Malerei, das Max-Samuel-Haus auf Grafik, die Ernst Barlach Stiftung zeigt Plastiken und Skulpturen.

Dabei sind Neu-Entdeckungen wie Elsbeth Huther. "Eine absolute Entdeckung in unserem Archiv", sagt Kuratorin Lorenzen mit Verweis auf ein farbenfrohes, gänzlich abstraktes Aquarell: "Bereits in den frühen 20er-Jahren gab es Künstler in Mecklenburg, die abstrakt gemalt haben. Das war so bislang nicht bekannt." Ebenfalls lange vergessen war, dass es in Rostock bereits 1908 eine Ausstellung mit Werken der einflussreichen "Brücke"-Künstler gegeben habe.

Auch der Umgang der Künstler mit dem Nationalsozialismus werde in der Schau bildnerisch dokumentiert. Man habe bewusst Kontraste gesetzt zwischen propagandistischer Kunst und Arbeiten, "die von innerem Exil zeugen oder die Folgen des Krieges darstellen", sagt Lorenzen. So wie "Brandnacht" von Kate Diehn-Bitt oder Hans Emils Oberländers "Zerstörtes Rostock". Regelrechte Widerstandskämpfer habe es unter den Mecklenburger Künstlern aber wenige gegeben: "Es gab kaum Galerien, viele setzten Hoffnung auf den Nationalsozialismus", erklärt sie.

Volker Probst, Leiter der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow, freut sich über einen sensationellen Fund, der in seinem Hause im Zuge der Ausstellungsvorbereitungen zutage kam. Er hat die frühen Kohlezeichnungen "Menschenpaar" und "Mutter Erde" von Barlach aufgespürt - im Nationalsozialismus waren sie als "entartete Kunst" beschlagnahmt worden. Barlach gilt in Mecklenburg als der konsequenteste Vertreter der Moderne. Der Güstrower Teil der Dreifach-Schau ist vor allem der Bildhauerei gewidmet und eröffnet am 30. Mai im Ausstellungsforum der Stiftung am Güstrower Heidberg.

Dort oder in Rostock: Die Werke der Maler, Grafiker und Bildhauer lassen den Betrachter die Früchte von Mecklenburg-Vorpommerns Kunstlandschaft neu entdecken.

Entdeckungen – Kulturhistorisches Museum Rostock

Gemeinsam mit dem Tourismusverband geht unsere Zeitung ein Jahr lang auf Erlebnistour durch Mecklenburg-Vorpommern. Das Kulturhistorische Museum in Rostocks Innenstadt zieht jährlich zehntausende Besucher in das ehemalige Kloster zum Heiligen Kreuz. Drei Ausstellungen in drei Häusern heißt es ab morgen. Dann nämlich eröffnet die neue Ausstellung mit dem Titel „Schönheit pur. Mecklenburg – ein Land für Künstler 1900–1945“. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt: Im Kulturhistorischen Museum dreht sich dabei vom 28. Mai bis 22. August alles um die Malerei, im Max-Samuel-Haus vom 30. Mai bis 22. August um Grafik und bei der Ernst-Barlach-Stiftung in Güstrow vom 30. Mai bis 22. August um Plastik und Bildhauergrafik. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch mit dem Titel „Bildende Kunst in Mecklenburg – 1900–1945. Zwischen Regionalität und Internationalität“. Das Kulturhistorische Museum Rostock ist eine der umfangreichsten kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen im Land.

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