zur Navigation springen

Das ominöse "Verzeichnis der Mediziner" : Frisör statt Arzt: Ver(w)irrte Betrüger

vom

Diese Woche erhielt Ilona Tober einen Brief: Das "Verzeichnis der Mediziner" forderte sie auf, ein Formular mit persönlichen Daten zu ergänzen und an ein Postfach im Hessischen Niederaula zurückzusenden.

svz.de von
erstellt am 01.Jul.2011 | 10:37 Uhr

Ludwigslust | In dieser Woche erhielt Ilona Tober einen merkwürdigen Brief: Das "Verzeichnis der Mediziner" forderte sie in einem Schreiben auf, ein Formular mit persönlichen Daten zu ergänzen und an ein Postfach im Hessischen Niederaula zurückzusenden. Ziel sei es, Ärzte und deren Praxen besser zu vermarkten, in erster Linie auf einer Internetseite. Das Formblatt wirkt seriös, ist versehen mit Äskulapstab und Aktenzeichen. Vielleicht wäre Ilona Tober auch darauf hereingefallen - wäre da nicht ein kleiner Haken: Denn die Ludwigslusterin trägt zwar einen weißen Kittel und nimmt in gewisser Hinsicht Operationen vor. Jedoch nicht am offenen Herzen, sondern am offenen Haar. Ilona Tober ist Frisörin.

Neue Definition von "kostenlos": 1057 Euro im Jahr

Dass sie den Brief trotzdem erhielt, erklärt sie sich damit, dass sie als Podologin auch medizinische Fußpflege anbietet. "Wahrscheinlich sind die Absender auf diesem Wege an meine Adresse gekommen", glaubt Tober. Sie findet es unerhört, dass in dem beiliegenden Anschreiben der Eindruck erweckt wird, es handle sich um einen bereits bestehenden Vertrag. "Die regelmäßige Kontrolle ihrer gespeicherten Grunddaten ist fällig", so der Einleitungssatz. Außerdem heißt es: "Die Grunddaten werden kostenfrei veröffentlicht." Ein Satz, der sich im Kleingedruckten allerdings als falsch erweist. Denn dort ist zu lesen: "Die Kosten betragen 1057 Euro." Pro Jahr wohlbemerkt und bei einer Vertragslaufzeit von 36 Monaten. Bei versäumter Kündigung droht den Geprellten gar die automatische Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr.

Bei der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern ist die im portugiesischen Lissabon ansässige Firma "United Lda" bisher nicht bekannt. Allerdings warnt eine Sprecherin vor Firmen, die aus dem Ausland operieren. "So etwas ist mit Vorsicht zu genießen", so die Sprecherin.

In anderen Bundesländern hingegen ist das angebliche Verzeichnis schon häufig negativ aufgefallen. Die Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten etwa warnt vor der "Verzeichnis der Mediziner". Das Verzeichnis auf der Internetseite sei nicht als relevant einzuschätzen, heißt es aus der Kammer. Hinter der Firma in Portugal würden die "Metazon Holdings Limited" auf Zypern und andere einschlägig bekannte Abzocker stecken, die unter ständig wechselnden Firmennamen seit Jahren Firmen und Privatpersonen mit ihren Schwindel-Angeboten überschwemmen und mit eigenen Inkassounternehmen zur Zahlung drängen würden, heißt es von der Hamburger Psychotherapeutenkammer. Aus verschiedenen Foren im Internet geht zudem hervor, dass bereits viele Menschen auf die Masche der windigen Anbieter hereingefallen sind und Geld überwiesen haben.

Ilona Tober hingegen hat zweimal hingeschaut und ist deshalb nicht in die aufgestellten Falle getappt. "Man kann gar nicht vorsichtig genug sein, denn Betrüger lauern überall", sagt sie und geht zurück in den OP. Pardon: In den Salon.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen