Friedhof künftig mit Parkcharakter

Friedhofsverwalter Holger Büttner zeigt eine neue Urnen-Gemeinschaftsanlage. In der Mitte symbolisieren drei stehende und eine liegende Figur, dass aus einer Familie jemand herausgebrochen ist. REgina Mai
Friedhofsverwalter Holger Büttner zeigt eine neue Urnen-Gemeinschaftsanlage. In der Mitte symbolisieren drei stehende und eine liegende Figur, dass aus einer Familie jemand herausgebrochen ist. REgina Mai

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20. November 2010, 10:11 Uhr

Güstrow | Der Friedhof wandelt sein Gesicht. "Irgendwann wird es ein Park sein", sagt Holger Büttner. Schon jetzt leeren sich die einzelnen Abteilungen, wachsen die Rasenflächen. Rund 400 Bestattungen finden jährlich auf dem Güstrower Friedhof statt. Die Zahl, so der Friedhofsverwalter, sei seit einigen Jahren relativ konstant. Verändert hat sich die Begräbniskultur. Urnenbestattungen sind gefragt. Dabei werde der Gemeinschaftsanlage gegenüber dem Einzelgrab der Vorrang gegeben. "Einfach und pflegearm soll es sein", fasst Büttner den Trend zusammen.

In diesen Tagen vor dem Ewigkeitssonntag herrscht wie in jedem Jahr ein geschäftiges Treiben auf dem Gottesacker. Gräber werden mit Tannengrün abgedeckt und erhalten statt Blumen einen winterfesten Schmuck. Vielleicht wird noch einmal gehackt und geharkt. Dabei geht mancher über den Friedhof, liest die Namen auf den Grabsteinen und erinnert sich für einen Augenblick. Ach, ja, der Herr Müller oder die Frau Lehmann… Man kannte sich. "Das ist auch ein Teil des Sinnes abendländischer Begräbniskultur", betont der Güstrower Friedhofsverwalter. Diese Kultur gehe verloren. Dabei will er nicht klagen. Er kennt die Gründe. Familien sind in ganz Deutschland oder gar in alle Welt zerstreut. Mancher schließe aber auch schnell mit dem Unabänderlichen ab. Ein Beispiel sind die vier Urnen-Gemeinschaftsanlagen. An der ersten, 2004 begonnen, lägen kaum noch Blumen. "Nach zwei Jahren lässt das ganz rapide nach", beobachtet Büttner. Bei den neueren Anlagen würden dagegen Blumen und Pflanzen in einer Menge stehen, die gar nicht vorgesehen ist. "Die Menschen brauchen eben doch einen Ort zum Trauern und das ist das Grab", denkt der Friedhofsverwalter.

Die Arbeit seiner neun Mann starken Truppe sieht er in Zukunft mehr bei der Friedhofspflege als bei den Bestattungen. Schon heute sind viele Abteilungen des geradlinig und geometrisch angelegten Güstrower Friedhofes - ein Gartendenkmal - fast verwaist. 20 bis 30 Gräber würden jährlich verschwinden. Nur einzelne Grabstätten werden noch gepflegt. 80 Prozent werden nach Ablauf der Liegezeit (25 bzw.20 Jahre) aufgegeben. Dazwischen machen sich Rasenflächen breit. "Bei der Grabberäumung lassen wir schon größere Gewächse stehen", berichtet Büttner. Unter Bäumen werde Efeu gepflanzt, so dass man dem Charakter eines Parkes immer näher komme. Abteilungen am nördlichen Rand und nahe der Rostocker Chaussee sollen nicht mehr belegt werden.

Längst habe der Güstrower Friedhof auch seinen einst etwas dunklen, bedrückenden Charakter verloren. Insbesondere denkt Büttner an die Abnahme der Fichtenreihen. Es gäbe auch keine verwahrlosten Stellen mehr. Wege sind in Ordnung gebracht, Bäume neu gepflanzt. Rund 800 Bäume stehen übrigens auf dem Güstrower Friedhof. "Man kann hier spazieren gehen", sagt Büttner. Die Bewohner des Seniorenheimes am St. Jürgensweg nutzen diese Gelegnheit bereits.

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